Vergiftung durch Antipsychotika auf Phenothiazin-Basis
Antipsychotika auf Phenothiazin-Basis gehören zu den älteren Medikamenten gegen Psychosen, Unruhezustände und Übelkeit. Sie wirken dämpfend und beeinflussen zahlreiche Botenstoffsysteme, weshalb eine Überdosierung viele Organe betreffen kann. Vergiftungen entstehen versehentlich, etwa bei Kindern, oder absichtlich und erfordern eine überwachte Behandlung, da Herzrhythmusstörungen erst verzögert auftreten können.
Ursachen
Zu Vergiftungen kommt es durch zu hohe Dosierung, Verwechslung, unbeabsichtigte Einnahme durch Kinder oder eine absichtliche Überdosierung. Wechselwirkungen mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder anderen herzwirksamen Medikamenten, Leber- und Nierenerkrankungen sowie höheres Alter erhöhen das Risiko.
Symptome
Typisch sind starke Müdigkeit bis zur Bewusstlosigkeit, Blutdruckabfall, Schwindel, schneller Herzschlag, trockene Schleimhäute, Sehstörungen und Harnverhalt. Es können Krampfanfälle, Muskelverkrampfungen im Gesicht und Nacken, Zittern, Körpertemperaturstörungen und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten, die im EKG als verlängerte QT-Zeit erkennbar sind. Bei Bewusstlosigkeit droht Atemstillstand.
Diagnostik
Wichtig sind die Frage nach Art, Menge und Zeitpunkt der Einnahme sowie Packungen. Kreislauf, Atmung, Temperatur und EKG werden überwacht, Blutzucker, Blutsalze und Nierenwerte bestimmt. Giftinformationszentren beraten bei der Einschätzung.
Behandlung
Erste Hilfe: Notruf 112 oder Giftnotruf, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage und Wiederbelebung bei Kreislaufstillstand, kein Erbrechen auslösen, Packungen mitgeben. In der Klinik werden Atmung und Kreislauf gestützt, gegebenenfalls Aktivkohle gegeben, Krampfanfälle und Muskelverkrampfungen mit passenden Mitteln behandelt und Herzrhythmusstörungen mit Magnesium und weiteren Maßnahmen versorgt. Die Überwachung erfolgt für mehrere Stunden bis Tage.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Behandlung erholen sich die meisten Betroffenen vollständig. Gefährlich sind Herzrhythmusstörungen und Atemstillstand. Nach einer absichtlichen Einnahme schließt sich eine psychiatrische Abklärung und Begleitung an. Vorbeugend sollten Medikamente außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt und nur nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Vergiftungen: Erste Hilfe und Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist bei Verdacht auf eine Überdosis zu tun?
Sofort den Notruf 112 oder das Giftinformationszentrum anrufen, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage und Packungen bereithalten.
Soll ich Erbrechen auslösen?
Nein, das kann gefährlich sein, es sollte nur nach ärztlicher Anweisung geschehen.
Warum wird über längere Zeit überwacht?
Weil gefährliche Herzrhythmusstörungen auch verzögert auftreten können.
Wer ist besonders gefährdet?
Kleinkinder, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen oder Alkohol- und Medikamentenkombination.
Weiterlesen
Atypische Mykobakterien und Nocardia mit Resistenz
Umweltbakterien aus der Verwandtschaft der Tuberkulose-Erreger und Nocardien, die Lunge, Haut und andere Organe befallen können und bei Resistenz gegen Standardmedikamente langwierige, gezielte Behandlungen erfordern.
Weiterlesen →Weitere NotfälleIm Krankenhaus erworbene Verletzung
Verletzungen, die Patientinnen und Patienten während eines Krankenhausaufenthalts erleiden, etwa durch Stürze, Lagerungs- und Druckschäden oder Unfälle, und die sich durch Vorsorge weitgehend vermeiden lassen.
Weiterlesen →Weitere NotfälleVerletzungen bei gesetzlichen Maßnahmen
Verletzungen, die im Rahmen behördlicher oder polizeilicher Maßnahmen wie Festnahme, Gewahrsam oder Zwangsmaßnahmen entstehen und ärztlich versorgt und sachlich dokumentiert werden müssen.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.