Anomalien der Haarfarbe und des Haarschaftes
Anomalien der Haarfarbe und des Haarschaftes umfassen ein breites Spektrum an Veränderungen, bei denen entweder die Farbe der Haare oder die Struktur des einzelnen Haarschaftes von der normalen Beschaffenheit abweicht. Zu den Veränderungen der Haarfarbe zählen ein vorzeitiges Ergrauen, eine ungewöhnliche Aufhellung oder, seltener, angeborene Pigmentstörungen, während Veränderungen des Haarschaftes die mechanische Struktur des einzelnen Haares betreffen und sich in brüchigem, ungewöhnlich geformtem oder abnorm dünnem Haar äußern können. Die meisten dieser Veränderungen sind harmlos und rein kosmetisch bedeutsam, ein kleinerer Teil ist jedoch Ausdruck einer zugrunde liegenden genetischen Erkrankung, eines Ernährungsmangels oder einer äußeren Schädigung des Haares, etwa durch häufiges Färben, Hitzestyling oder aggressive kosmetische Behandlungen.
Ursachen
Ein vorzeitiges Ergrauen der Haare ist meist genetisch bedingt und tritt gehäuft in bestimmten Familien auf, wobei auch bestimmte Autoimmunerkrankungen und, seltener, ein ausgeprägter Vitamin-B12-Mangel als Ursache infrage kommen. Erworbene Veränderungen der Haarschaftstruktur entstehen häufig durch wiederholte mechanische oder chemische Belastung des Haares, etwa durch häufiges Färben, Bleichen, starkes Hitzestyling oder aggressives Bürsten, die das Haar brüchig und spröde machen können. Seltener liegen angeborene, genetisch bedingte Strukturanomalien des Haarschaftes zugrunde, bei denen das Haar aufgrund eines Gendefekts von Geburt an eine abnorme Form aufweist, etwa spiralig gedreht, geknickt oder ungleichmäßig verdickt ist; solche angeborenen Formen treten häufig gemeinsam mit anderen Auffälligkeiten der Haut oder Nägel auf. Ernährungsbedingte Mangelzustände, insbesondere ein ausgeprägter Eiweiß- oder Eisenmangel, können ebenfalls zu brüchigem, dünnerem Haar beitragen.
Symptome
Die Beschwerden hängen stark von der Art der zugrunde liegenden Veränderung ab. Ein vorzeitiges Ergrauen zeigt sich durch das Auftreten grauer oder weißer Haare deutlich vor dem für das jeweilige Alter üblichen Zeitpunkt. Erworbene Strukturschäden durch mechanische oder chemische Belastung äußern sich in brüchigem, splissigem, glanzlosem Haar, das leicht abbricht und schwer zu kämmen ist. Angeborene Haarschaftanomalien zeigen sich häufig bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter durch ungewöhnlich dünnes, spärliches oder brüchiges Haar, das sich bei manchen Formen unter dem Mikroskop durch charakteristische Strukturveränderungen wie Knoten, Drehungen oder Einschnürungen entlang des Haarschaftes auszeichnet. Bei einigen seltenen genetischen Syndromen treten die Haarveränderungen gemeinsam mit weiteren Auffälligkeiten der Haut, der Zähne oder der Nägel auf, was auf eine umfassendere zugrunde liegende Erkrankung hindeuten kann.
Diagnostik
Die Diagnostik beginnt mit einer sorgfältigen Betrachtung von Haarfarbe, -struktur und -verteilung sowie einer ausführlichen Anamnese, die kosmetische Behandlungen, Ernährungsgewohnheiten sowie den Zeitpunkt des ersten Auftretens der Veränderung erfasst. Eine mikroskopische Untersuchung einzelner Haarschäfte kann charakteristische strukturelle Veränderungen sichtbar machen, die bei der Unterscheidung zwischen erworbenen und angeborenen Formen sowie bei der Zuordnung zu bestimmten seltenen genetischen Erkrankungen hilfreich ist. Bei Verdacht auf eine ernährungsbedingte Ursache werden Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Eisen-, Eiweiß- und Vitaminspiegeln durchgeführt. Bei Verdacht auf eine angeborene Haarschaftanomalie im Rahmen eines genetischen Syndroms kann eine genetische Beratung und Untersuchung sinnvoll sein, insbesondere wenn zusätzliche Auffälligkeiten an Haut, Zähnen oder Nägeln bestehen.
Behandlung
Bei erworbenen Strukturschäden durch mechanische oder chemische Belastung steht die Vermeidung weiterer schädigender Einflüsse im Vordergrund, etwa durch schonendere Haarpflege, den Verzicht auf häufiges Färben oder starkes Hitzestyling sowie die Verwendung pflegender, strukturaufbauender Haarprodukte. Ein ernährungsbedingter Haarschaden bessert sich nach Ausgleich des zugrunde liegenden Mangels, etwa durch eine Eisen- oder Eiweißsubstitution, innerhalb einiger Monate mit dem nachwachsenden Haar. Bei genetisch bedingten Haarschaftanomalien existiert häufig keine ursächliche Behandlung, weshalb der Fokus auf einer besonders schonenden Haarpflege liegt, um mechanische Zusatzschäden zu vermeiden. Ein vorzeitiges Ergrauen selbst lässt sich medizinisch nicht rückgängig machen, kann jedoch bei Wunsch kosmetisch mit Haarfärbemitteln kaschiert werden. Liegt eine zugrunde liegende Autoimmun- oder Mangelerkrankung vor, richtet sich die Behandlung nach dieser Grunderkrankung.
Verlauf und Prognose
Erworbene Strukturschäden durch mechanische oder chemische Belastung sind reversibel, sofern die schädigenden Einflüsse vermieden werden, da das Haar kontinuierlich nachwächst und sich innerhalb einiger Monate bis eines Jahres vollständig erneuert. Ernährungsbedingte Veränderungen bessern sich in der Regel gut nach Ausgleich des zugrunde liegenden Mangels. Angeborene, genetisch bedingte Haarschaftanomalien bleiben hingegen meist lebenslang bestehen, da sie auf einem strukturellen Defekt der Haarbildung beruhen, wobei sich die Beschwerden bei manchen Formen im Laufe der Kindheit etwas bessern können. Ein vorzeitiges Ergrauen ist eine dauerhafte, gutartige Veränderung ohne körperliche Krankheitsbedeutung, sofern keine zugrunde liegende Erkrankung als Ursache festgestellt wurde. Insgesamt sind die meisten Haarschaft- und Haarfarbveränderungen harmlos, wobei eine ärztliche Abklärung bei Auftreten im Kindesalter oder bei Kombination mit weiteren Auffälligkeiten sinnvoll ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Anomalien der Haarfarbe und des Haarschaftes: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist vorzeitiges Ergrauen ein Zeichen einer Krankheit?
In den meisten Fällen nicht, es handelt sich meist um eine genetisch bedingte, harmlose Veranlagung. Nur selten liegt eine zugrunde liegende Autoimmunerkrankung oder ein Vitamin-B12-Mangel zugrunde, weshalb eine ärztliche Abklärung bei sehr frühem Auftreten sinnvoll sein kann.
Kann man brüchiges, geschädigtes Haar wieder reparieren?
Das Haar selbst kann nicht repariert werden, da es aus abgestorbenem Gewebe besteht. Durch schonende Pflege und Vermeidung weiterer schädigender Einflüsse wächst jedoch gesundes Haar nach, sodass sich die Haarqualität mit der Zeit verbessert.
Wann sollten Haarveränderungen bei Kindern ärztlich abgeklärt werden?
Insbesondere wenn das Haar bereits von Geburt an ungewöhnlich dünn, spärlich oder brüchig ist oder wenn zusätzliche Auffälligkeiten an Haut, Zähnen oder Nägeln bestehen, da dies auf eine seltene genetische Erkrankung hindeuten kann.
Welche Rolle spielt die Ernährung für die Haarqualität?
Eine ausreichende Versorgung mit Eiweiß, Eisen und bestimmten Vitaminen ist wichtig für gesundes Haarwachstum; ein Mangel kann zu brüchigem, dünnerem Haar führen, das sich nach Ausgleich des Mangels wieder normalisiert.
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