Anodontie
Die Anodontie bezeichnet ein angeborenes, vollständiges Fehlen der Zahnanlagen, während die deutlich häufigere, unvollständige Form, bei der lediglich einzelne oder mehrere Zähne fehlen, als Hypodontie oder Oligodontie bezeichnet wird. Das vollständige Fehlen sämtlicher Zahnanlagen ist äußerst selten sowie tritt praktisch ausschließlich im Rahmen bestimmter erblicher Syndrome auf, die auch die Entwicklung weiterer, aus derselben embryonalen Gewebeschicht hervorgehender Körperstrukturen betreffen. Eine vollständige oder ausgeprägte teilweise Anodontie beeinträchtigt sowohl die normale Nahrungsaufnahme sowie Sprachentwicklung als auch das äußere Erscheinungsbild des Gesichts erheblich, weshalb eine frühzeitige, spezialisierte zahnmedizinische Betreuung von entscheidender Bedeutung ist.
Ursachen
Die Anodontie entsteht durch eine erbliche, genetische Veränderung, die die früheste Entwicklung der Zahnanlagen während der Embryonalentwicklung stört, wobei die vollständige Form praktisch immer im Rahmen bestimmter genetischer Syndrome auftritt, insbesondere der ektodermalen Dysplasie, bei der neben den Zähnen auch weitere, aus derselben embryonalen Gewebeschicht hervorgehende Strukturen, insbesondere Haut, Haare sowie Schweißdrüsen, betroffen sind. Die deutlich häufigere, unvollständige Form mit dem Fehlen einzelner oder mehrerer Zähne kann sowohl isoliert, familiär gehäuft, als auch im Rahmen verschiedener genetischer Syndrome auftreten.
Symptome
Die Anodontie äußert sich durch ein vollständiges Fehlen sämtlicher Milch- sowie bleibender Zähne, was zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, insbesondere beim Kauen fester Nahrung, sowie zu Auffälligkeiten der Aussprache führt, da die Zähne für die korrekte Artikulation zahlreicher Sprachlaute eine wichtige Rolle spielen. Das äußere Erscheinungsbild des Gesichts ist durch das fehlende Zahngerüst charakteristisch verändert, wobei sich die Kieferknochen sowie die umgebende Gesichtsmuskulatur ohne die stützende Funktion der Zähne im Wachstum anders entwickeln können. Bei einer im Rahmen einer ektodermalen Dysplasie auftretenden Anodontie bestehen zusätzlich die charakteristischen Merkmale dieser zugrunde liegenden Erkrankung.
Diagnostik
Die Diagnose der Anodontie wird durch eine klinische sowie röntgenologische zahnärztliche Untersuchung gestellt, die das vollständige Fehlen sämtlicher Zahnanlagen bereits im Kleinkindalter zuverlässig nachweisen kann. Eine gezielte Untersuchung auf weitere, im Rahmen einer möglichen zugrunde liegenden ektodermalen Dysplasie auftretende Merkmale, insbesondere der Haut sowie der Schweißdrüsenfunktion, wird bei Verdacht auf diese zugrunde liegende Erkrankung durchgeführt. Eine molekulargenetische Untersuchung kann die zugrunde liegende genetische Veränderung sowie das zugrunde liegende Syndrom zusätzlich bestätigen.
Behandlung
Die Behandlung der Anodontie erfordert eine langfristige, spezialisierte kinderzahnärztliche sowie kieferorthopädische Betreuung, die bereits im frühen Kindesalter mit einer gezielten Versorgung durch herausnehmbaren Zahnersatz beginnt, um eine möglichst normale Nahrungsaufnahme sowie Sprachentwicklung zu ermöglichen. Im Laufe der weiteren Entwicklung sowie nach Abschluss des Kieferwachstums kann eine dauerhaftere Versorgung mittels festsitzender Zahnimplantate erwogen werden, die jedoch angesichts des noch nicht abgeschlossenen Kieferwachstums bei jüngeren Kindern zunächst nicht möglich ist. Eine begleitende logopädische Behandlung unterstützt die Sprachentwicklung zusätzlich.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Anodontie ist bei einer frühzeitig eingeleiteten, konsequent über die gesamte Kindheit sowie Jugend fortgeführten zahnmedizinischen sowie kieferorthopädischen Betreuung insgesamt gut, wobei betroffene Kinder mit einer angemessenen Versorgung eine weitgehend normale Nahrungsaufnahme, Sprachentwicklung sowie ein zufriedenstellendes äußeres Erscheinungsbild erreichen können. Eine lebenslange, regelmäßige zahnmedizinische Nachsorge bleibt jedoch aufgrund der besonderen anatomischen sowie funktionellen Herausforderungen dieser seltenen Erkrankung notwendig, wobei eine spätere, festsitzende Implantatversorgung nach Abschluss des Kieferwachstums die Lebensqualität sowie das Wohlbefinden der Betroffenen erheblich verbessern kann.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Anodontie: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Anodontie und Hypodontie?
Bei der Anodontie fehlen sämtliche Zähne vollständig, bei der Hypodontie nur einzelne oder mehrere Zähne.
Im Rahmen welcher Erkrankung tritt die vollständige Form meist auf?
Im Rahmen der ektodermalen Dysplasie.
Womit beginnt die zahnmedizinische Behandlung meist?
Mit herausnehmbarem Zahnersatz bereits im frühen Kindesalter.
Wann kann eine festsitzende Implantatversorgung erfolgen?
Erst nach Abschluss des Kieferwachstums.
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