Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Psyche & Nervensystem

Anhaltende Schmerzstörung

Die anhaltende Schmerzstörung ist eine Form der somatoformen Störungen, bei der über einen langen Zeitraum, in der Regel über mehrere Monate, anhaltende, quälende und schwere Schmerzen bestehen, die in einem bedeutsamen Ausmaß durch psychische Faktoren mitverursacht oder aufrechterhalten werden, ohne dass sich für das Ausmaß der Beschwerden eine ausreichende körperliche Erklärung finden lässt. Häufig beginnt die Schmerzsymptomatik im Zusammenhang mit einer tatsächlichen körperlichen Erkrankung oder Verletzung, hält jedoch deutlich über die erwartete Heilungsdauer hinaus an oder ist in ihrer Intensität nicht ausreichend durch den ursprünglichen körperlichen Befund erklärbar. Die anhaltende Schmerzstörung führt bei vielen Betroffenen zu erheblichem Leidensdruck sowie deutlichen Einschränkungen im Alltag, in Beruf und sozialen Beziehungen.

Ursachen

Die Entstehung der anhaltenden Schmerzstörung wird als komplexes Zusammenspiel körperlicher, psychischer und sozialer Faktoren verstanden. Häufig beginnt die Symptomatik im Rahmen einer tatsächlichen körperlichen Erkrankung oder Verletzung, wobei psychische Belastungsfaktoren wie chronischer Stress, ungelöste innere Konflikte, depressive Verstimmungen oder Angst zur Aufrechterhaltung und Verstärkung der Schmerzwahrnehmung beitragen können. Auch eine erhöhte Aufmerksamkeit auf körperliche Empfindungen, ein Mangel an alternativen Bewältigungsstrategien im Umgang mit Belastung sowie soziale Faktoren, etwa eine mögliche Entlastungsfunktion der Schmerzsymptomatik im familiären oder beruflichen Kontext, können zur Chronifizierung beitragen. Neurobiologisch wird zudem angenommen, dass sich die Schmerzverarbeitung im Nervensystem bei anhaltendem Schmerz und begleitender psychischer Belastung verändern kann, was die Beschwerden zusätzlich verstärkt.

Symptome

Im Zentrum der Symptomatik stehen anhaltende, häufig als quälend erlebte Schmerzen, die über einen langen Zeitraum bestehen und sich nicht ausreichend durch einen körperlichen Befund erklären lassen. Die Schmerzen können verschiedene Körperregionen betreffen und in ihrer Intensität und Lokalisation im Zeitverlauf variieren. Viele Betroffene erleben zusätzlich eine ausgeprägte gedankliche Beschäftigung mit dem Schmerz sowie erhebliche Einschränkungen in ihrer alltäglichen Leistungsfähigkeit, im Beruf und in sozialen Beziehungen. Begleitend treten häufig depressive Verstimmungen, Schlafstörungen sowie ein Gefühl der Erschöpfung auf, die sich wechselseitig mit der Schmerzsymptomatik verstärken können. Viele Betroffene suchen wiederholt medizinische Hilfe in der Hoffnung, eine zugrunde liegende körperliche Ursache zu finden.

Anzeige

Diagnostik

Die Diagnostik erfordert zunächst eine sorgfältige körperliche und gegebenenfalls apparative Abklärung, um eine ausreichende organische Erklärung für die Schmerzsymptomatik auszuschließen beziehungsweise das Verhältnis zwischen körperlichem Befund und Schmerzausmaß einzuschätzen. Entscheidend für die Diagnose ist, dass die Schmerzen über einen bedeutsamen Zeitraum anhalten und psychische Faktoren eine wesentliche Rolle bei Entstehung und Aufrechterhaltung der Beschwerden spielen, ohne dass eine ausreichende körperliche Erklärung für das gesamte Ausmaß der Beschwerden vorliegt. Eine ausführliche Anamnese zu psychischer Belastung, Lebensumständen sowie dem bisherigen Krankheitsverlauf und vorausgegangenen Behandlungsversuchen ist wichtiger Bestandteil der umfassenden diagnostischen Abklärung.

Behandlung

Die Behandlung der anhaltenden Schmerzstörung erfolgt idealerweise multimodal unter Einbeziehung medizinischer, psychotherapeutischer und physiotherapeutischer Ansätze. Psychotherapeutische Verfahren, insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze zur Schmerzbewältigung, zielen darauf ab, den Umgang mit dem Schmerz zu verbessern, belastende Denkmuster zu bearbeiten und zugrunde liegende psychische Belastungsfaktoren zu identifizieren und zu bewältigen. Physiotherapeutische und aktivierende Maßnahmen können helfen, eine durch den Schmerz bedingte übermäßige Schonung zu überwinden und die körperliche Funktionsfähigkeit zu erhalten. Eine enge, kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Fachrichtungen sowie eine realistische, auf Verbesserung der Lebensqualität statt vollständiger Schmerzfreiheit ausgerichtete Zielsetzung sind für den Behandlungserfolg von großer Bedeutung.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der anhaltenden Schmerzstörung ist individuell sehr unterschiedlich und hängt maßgeblich von der Dauer der Beschwerden bis zur Diagnosestellung, der Bereitschaft zur multimodalen Behandlung sowie der erfolgreichen Bearbeitung zugrunde liegender psychischer Belastungsfaktoren ab. Je länger die Schmerzsymptomatik unbehandelt oder ausschließlich rein körperlich behandelt bleibt, desto schwieriger gestaltet sich häufig die spätere Behandlung. Mit frühzeitiger, multimodaler Behandlung erreichen viele Betroffene eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität sowie eine Reduktion der Schmerzintensität, auch wenn eine vollständige Schmerzfreiheit nicht immer erreicht wird. Eine realistische Zielsetzung sowie eine kontinuierliche, unterstützende Begleitung verbessern die langfristige Prognose erheblich.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Anzeige
FAQ

Häufige Fragen

Bedeutet die Diagnose, dass der Schmerz nicht real ist?

Nein, der Schmerz wird von den Betroffenen als real und quälend erlebt, die Diagnose besagt lediglich, dass psychische Faktoren eine bedeutsame Rolle bei Entstehung und Aufrechterhaltung der Beschwerden spielen.

Warum wird eine multimodale Behandlung empfohlen?

Da körperliche, psychische und soziale Faktoren zusammenwirken, ist eine Kombination aus medizinischer, psychotherapeutischer und physiotherapeutischer Behandlung häufig wirksamer als ein rein körperlicher Behandlungsansatz.

Ist eine vollständige Schmerzfreiheit das Behandlungsziel?

Das realistische Behandlungsziel ist häufig eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und ein besserer Umgang mit dem Schmerz, eine vollständige Schmerzfreiheit wird nicht immer erreicht.

Warum ist eine frühzeitige Behandlung wichtig?

Je länger die Schmerzsymptomatik unbehandelt bleibt, desto schwieriger gestaltet sich häufig die spätere Behandlung, weshalb eine frühzeitige, multimodale Herangehensweise die Prognose deutlich verbessert.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen