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Psyche & Nervensystem

Andauernde Persönlichkeitsänderungen nach schweren Belastungen

Andauernde Persönlichkeitsänderungen bezeichnen eine dauerhafte, spürbare Veränderung des Erlebens, Denkens und Verhaltens einer Person, die im Anschluss an eine besonders schwere, meist extreme oder langanhaltende psychische Belastung auftritt, ohne dass ihr eine organische Schädigung oder Erkrankung des Gehirns zugrunde liegt. Solche Veränderungen können sich beispielsweise nach dem Überleben einer Katastrophe, nach jahrelanger Geiselhaft, nach Folter oder nach anderen extremen, wiederholten Belastungssituationen entwickeln und unterscheiden sich von der ursprünglichen Persönlichkeit der betroffenen Person deutlich und dauerhaft. Betroffene beschreiben häufig ein Gefühl, seit dem belastenden Ereignis nicht mehr dieselbe Person zu sein, mit einer veränderten Grundhaltung gegenüber sich selbst, anderen Menschen und der Welt insgesamt. Die Diagnose wird nur gestellt, wenn die Veränderung eindeutig und dauerhaft ist und in einem klaren zeitlichen Zusammenhang mit der belastenden Erfahrung steht.

Ursachen

Grundvoraussetzung für die Entstehung einer andauernden Persönlichkeitsänderung ist eine außergewöhnlich schwere, meist extreme psychische Belastung, die weit über das hinausgeht, was im normalen Leben üblicherweise erlebt wird. Dazu zählen etwa das Überleben einer Konzentrationslager- oder Geiselhaft, Folter, eine Katastrophe mit existenzieller Bedrohung oder eine lang anhaltende, extreme Bedrohungssituation. Nicht jede Person, die eine solche Belastung durchlebt, entwickelt eine dauerhafte Persönlichkeitsänderung; individuelle Faktoren wie die bisherige psychische Widerstandsfähigkeit, das Vorhandensein oder Fehlen unterstützender sozialer Beziehungen während und nach der belastenden Erfahrung sowie die Dauer und Intensität der Belastung selbst beeinflussen, ob und in welchem Ausmaß sich eine solche Veränderung entwickelt. Im Unterschied zu Persönlichkeitsänderungen infolge einer Hirnschädigung liegt hier ausdrücklich keine organische Ursache im Gehirn vor, sondern eine rein psychisch bedingte, tiefgreifende Veränderung.

Symptome

Betroffene zeigen eine dauerhafte, deutliche Veränderung ihrer gewohnten Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster im Vergleich zu ihrer Persönlichkeit vor der belastenden Erfahrung. Häufig berichtete Veränderungen sind eine feindselige oder misstrauische Grundhaltung gegenüber der Welt, ein sozialer Rückzug mit Vermeidung zwischenmenschlicher Beziehungen, ein anhaltendes Gefühl der inneren Leere oder Hoffnungslosigkeit sowie eine ständige, wachsame Anspannung, als befände man sich weiterhin in einer bedrohlichen Situation. Manche Betroffene beschreiben eine dauerhafte Entfremdung von sich selbst sowie eine deutlich verringerte Fähigkeit, Freude oder emotionale Nähe zu empfinden. Diese Veränderungen bestehen über Jahre fort und beeinträchtigen häufig die berufliche Leistungsfähigkeit sowie die Fähigkeit, stabile soziale Beziehungen zu führen, erheblich.

Diagnostik

Die Diagnose wird durch eine ausführliche psychiatrische oder psychotherapeutische Anamnese gestellt, die sowohl die belastende Erfahrung selbst als auch die Persönlichkeit der betroffenen Person vor und nach diesem Ereignis sorgfältig erfasst, um eine tatsächliche, eindeutige Veränderung nachzuweisen. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen psychischen Folgestörungen wie der posttraumatischen Belastungsstörung, die ebenfalls nach schweren Belastungen auftreten kann, sich jedoch durch ein anderes, stärker symptomorientiertes Beschwerdebild mit Wiedererleben, Vermeidung und Übererregung auszeichnet, während bei der andauernden Persönlichkeitsänderung die grundlegende Veränderung der Persönlichkeitsstruktur selbst im Vordergrund steht. Auch eine organische Ursache, etwa eine Hirnschädigung, wird sorgfältig ausgeschlossen, da die Diagnose ausdrücklich eine rein psychisch bedingte Veränderung beschreibt. Häufig bestehen zusätzlich weitere psychische Beschwerden wie depressive Symptome, die im Rahmen der Diagnostik miterfasst werden.

Behandlung

Die Behandlung ist meist langwierig und erfordert eine spezialisierte, traumaorientierte Psychotherapie, die auf die Verarbeitung der zugrunde liegenden extremen Belastung sowie auf den Wiederaufbau eines stabilen Selbst- und Weltbildes ausgerichtet ist. Da die Persönlichkeitsänderung tief verankert und langjährig bestehen kann, ist häufig eine langfristige therapeutische Begleitung notwendig, die geduldig auf eine schrittweise Verbesserung der Beziehungsfähigkeit, der emotionalen Offenheit und des Vertrauens in andere Menschen hinarbeitet. Bei begleitenden depressiven oder Angstsymptomen kann eine unterstützende medikamentöse Behandlung sinnvoll sein, wobei diese die zugrunde liegende Persönlichkeitsveränderung selbst nicht ursächlich behandelt. Eine stabile, verlässliche therapeutische Beziehung sowie der Aufbau eines tragfähigen sozialen Umfelds spielen eine zentrale Rolle für den Behandlungserfolg.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf andauernder Persönlichkeitsänderungen ist naturgemäß langwierig, da es sich definitionsgemäß um eine dauerhafte, tiefgreifende Veränderung handelt, die sich nicht kurzfristig zurückbildet. Mit einer konsequenten, spezialisierten langfristigen Therapie können Betroffene jedoch häufig eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität sowie ihrer Fähigkeit zu tragfähigen Beziehungen erreichen, auch wenn eine vollständige Rückkehr zur ursprünglichen Persönlichkeit vor der belastenden Erfahrung selten vollständig gelingt. Eine frühzeitige, gute psychosoziale Unterstützung direkt nach einer extremen Belastungserfahrung kann möglicherweise dazu beitragen, das Risiko für die Entwicklung einer solchen dauerhaften Veränderung zu vermindern, auch wenn nicht in jedem Fall verhindert werden kann, dass sich diese Folgen entwickeln.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was unterscheidet eine andauernde Persönlichkeitsänderung von einer posttraumatischen Belastungsstörung?

Bei der posttraumatischen Belastungsstörung stehen spezifische Symptome wie Wiedererleben, Vermeidung und Übererregung im Vordergrund, während bei der andauernden Persönlichkeitsänderung die grundlegende, dauerhafte Veränderung der gesamten Persönlichkeitsstruktur im Zentrum steht.

Bekommt jeder, der eine extreme Belastung erlebt, eine andauernde Persönlichkeitsänderung?

Nein, individuelle Faktoren wie psychische Widerstandsfähigkeit und soziale Unterstützung beeinflussen, ob und in welchem Ausmaß sich eine solche dauerhafte Veränderung entwickelt. Viele Menschen erholen sich auch nach schweren Belastungen ohne eine solche bleibende Veränderung.

Ist eine andauernde Persönlichkeitsänderung heilbar?

Eine vollständige Rückkehr zur ursprünglichen Persönlichkeit gelingt selten vollständig, mit langfristiger, spezialisierter Therapie lässt sich jedoch häufig eine deutliche Verbesserung von Lebensqualität und Beziehungsfähigkeit erreichen.

Welche Behandlung hilft am ehesten?

Eine spezialisierte, traumaorientierte Psychotherapie über einen längeren Zeitraum, ergänzt durch eine stabile therapeutische Beziehung und bei Bedarf eine unterstützende Behandlung begleitender Symptome wie Depressionen oder Ängste.

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