Akute Virushepatitis B
Die Hepatitis B ist eine akute Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-B-Virus verursacht wird und weltweit zu den häufigsten viralen Leberentzündungen zählt. Anders als die Hepatitis A wird das Hepatitis-B-Virus vorwiegend über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, etwa durch ungeschützten sexuellen Kontakt, gemeinsam genutzte Spritzenbestecke oder von einer infizierten Mutter auf ihr Neugeborenes während der Geburt. Während die akute Infektion bei den meisten gesunden Erwachsenen innerhalb weniger Monate folgenlos ausheilt, entwickelt ein kleinerer Teil der Betroffenen, insbesondere bei einer Infektion im Säuglings- oder frühen Kindesalter, eine chronische Verlaufsform, die das Risiko für spätere schwere Leberkomplikationen wie eine Leberzirrhose oder Leberkrebs deutlich erhöht. Eine wirksame Schutzimpfung steht zur Verfügung und gehört in vielen Ländern zu den empfohlenen Standardimpfungen.
Ursachen
Das Hepatitis-B-Virus wird hauptsächlich über den Kontakt mit infiziertem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten übertragen. Zu den häufigsten Übertragungswegen zählen ungeschützter sexueller Kontakt mit einer infizierten Person, die gemeinsame Nutzung von Spritzenbestecken beim intravenösen Drogenkonsum sowie die Übertragung von einer infizierten Mutter auf ihr Kind während der Geburt, die ohne entsprechende Schutzmaßnahmen ein besonders hohes Risiko für eine chronische Infektion des Kindes birgt. Seltener kann die Übertragung auch über kontaminierte medizinische Instrumente, Tätowier- oder Piercingnadeln bei unzureichenden Hygienestandards oder über eine gemeinsame Nutzung persönlicher Gegenstände wie Rasierklingen erfolgen, an denen sich Spuren von infiziertem Blut befinden können. Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, intravenös Drogenkonsumierende sowie medizinisches Personal mit Kontakt zu Blut zählen zu den Gruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko.
Symptome
Viele akute Hepatitis-B-Infektionen verlaufen zunächst mild oder sogar vollständig ohne spürbare Symptome, insbesondere bei einer Infektion im Kindesalter. Treten Beschwerden auf, ähneln sie zunächst häufig einem allgemeinen Infekt mit Appetitlosigkeit, Übelkeit, Müdigkeit und leichtem Fieber. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich im weiteren Verlauf die typische Gelbfärbung von Haut und Augenbindehäuten, begleitet von dunklem Urin und hellem Stuhl, sowie ein Druckgefühl im rechten Oberbauch durch die entzündungsbedingte Vergrößerung der Leber. Bei den meisten gesunden Erwachsenen klingt die akute Infektion innerhalb weniger Wochen bis Monate vollständig ab. Entwickelt sich eine chronische Verlaufsform, bleiben die Beschwerden häufig über lange Zeit gering oder fehlen ganz, obwohl im Hintergrund eine fortschreitende Leberschädigung stattfinden kann, was die Erkennung einer chronischen Hepatitis B ohne gezielte Untersuchung erschwert.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch den Nachweis spezifischer Virusbestandteile und Antikörper im Blut gestellt, wobei verschiedene Marker Aufschluss darüber geben, ob eine akute, eine chronische oder eine bereits ausgeheilte Infektion vorliegt, sowie darüber, ob das Virus aktuell noch aktiv im Körper vermehrt wird. Die Leberwerte im Blut geben Auskunft über das Ausmaß der aktuellen Leberentzündung. Bei Verdacht auf eine chronische Infektion oder bei bereits länger bestehender Erkrankung werden zusätzlich die Viruslast sowie Zeichen einer möglichen fortgeschrittenen Leberschädigung, etwa mittels Ultraschalluntersuchung oder spezieller Verfahren zur Messung der Lebersteifigkeit, untersucht. Schwangere Frauen werden routinemäßig auf eine Hepatitis-B-Infektion getestet, um bei positivem Befund rechtzeitig Maßnahmen zum Schutz des Neugeborenen vor der Geburt einleiten zu können.
Behandlung
Eine akute Hepatitis-B-Infektion bei ansonsten gesunden Erwachsenen wird in der Regel nur unterstützend behandelt, mit Schonung, einer leichten Ernährung und dem Verzicht auf Alkohol sowie leberbelastende Medikamente, da die Infektion bei den meisten Betroffenen von selbst ausheilt. Nur bei besonders schweren akuten Verläufen kann eine spezifische antivirale Behandlung erwogen werden. Bei einer chronischen Hepatitis B, die anhand bestimmter Laborkriterien und des Ausmaßes der Leberschädigung festgestellt wird, kommen antivirale Medikamente zum Einsatz, die die Virusvermehrung wirksam unterdrücken und das Fortschreiten der Lebererkrankung verlangsamen können, auch wenn eine vollständige Heilung der chronischen Infektion nur selten gelingt. Bei einem Neugeborenen einer infizierten Mutter wird unmittelbar nach der Geburt eine kombinierte Impf- und Antikörperbehandlung durchgeführt, um eine Übertragung des Virus wirksam zu verhindern.
Verlauf und Prognose
Bei gesunden Erwachsenen heilt die akute Hepatitis-B-Infektion in der überwiegenden Mehrheit der Fälle innerhalb weniger Monate vollständig aus, wonach eine dauerhafte Immunität besteht. Wird die Infektion hingegen im Säuglings- oder frühen Kindesalter erworben, entwickelt ein erheblicher Teil der Betroffenen eine chronische Verlaufsform, die über Jahrzehnte bestehen bleiben und das Risiko für eine Leberzirrhose sowie Leberkrebs deutlich erhöhen kann. Mit einer konsequenten antiviralen Behandlung sowie regelmäßigen Kontrolluntersuchungen lässt sich der Verlauf einer chronischen Hepatitis B jedoch bei vielen Betroffenen über Jahre hinweg gut kontrollieren. Die konsequente Schutzimpfung, insbesondere bereits im Säuglingsalter, sowie Maßnahmen zur Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung während der Geburt zählen zu den wirksamsten Maßnahmen zur Vorbeugung schwerer Langzeitfolgen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Akute Virushepatitis B: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum entwickeln manche Menschen eine chronische Hepatitis B und andere nicht?
Das Risiko einer chronischen Verlaufsform hängt wesentlich vom Alter bei der Infektion ab: Je jünger die betroffene Person, insbesondere im Säuglings- oder frühen Kindesalter, desto höher ist das Risiko, dass die Infektion chronisch wird, während gesunde Erwachsene meist folgenlos ausheilen.
Wie wird Hepatitis B übertragen?
Hauptsächlich über Blut und andere Körperflüssigkeiten, etwa durch ungeschützten sexuellen Kontakt, gemeinsam genutzte Spritzenbestecke oder von einer infizierten Mutter auf ihr Kind während der Geburt.
Kann ein Neugeborenes einer infizierten Mutter vor einer Ansteckung geschützt werden?
Ja, durch eine unmittelbar nach der Geburt durchgeführte kombinierte Impf- und Antikörperbehandlung lässt sich das Risiko einer Übertragung des Virus auf das Kind wirksam verringern.
Ist eine chronische Hepatitis B heilbar?
Eine vollständige Heilung gelingt nur selten, jedoch lässt sich die Virusvermehrung mit antiviralen Medikamenten wirksam unterdrücken und das Fortschreiten der Lebererkrankung deutlich verlangsamen.
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