Tendovaginitis stenosans (de Quervain)
Die Tendovaginitis stenosans, nach ihrem Erstbeschreiber auch als De-Quervain-Krankheit bezeichnet, ist eine schmerzhafte, einengende Entzündung der Sehnenscheide, die zwei bestimmte, zum Daumen ziehende Sehnen am daumenseitigen Bereich des Handgelenks umhüllt, wobei die anhaltende Reizung dieser Sehnenscheide zu einer fortschreitenden Verdickung sowie Einengung führt, die die normale, freie Gleitbewegung der betroffenen Sehnen zunehmend behindert. Die Erkrankung entsteht typischerweise durch wiederholte, insbesondere kombinierte Greif- sowie seitliche Daumenbewegungen und betrifft daher überproportional häufig junge Mütter, die beim wiederholten Hochheben sowie Tragen ihres Säuglings eine entsprechende Handgelenksbelastung ausüben, weshalb die Erkrankung umgangssprachlich mitunter auch als Mütterchen-Daumen bezeichnet wird.
Ursachen
Die Tendovaginitis stenosans entsteht durch eine wiederholte, mechanische Überlastung der betroffenen Sehnenscheide am daumenseitigen Handgelenk, die durch häufige, insbesondere kombinierte Greif- sowie seitliche Daumenbewegungen verursacht wird, wobei diese wiederholte Belastung zu einer allmählichen, entzündlich bedingten Verdickung der Sehnenscheidenwand führt. Junge Mütter sind aufgrund der wiederholten, für das Hochheben sowie Tragen eines Säuglings typischen Handgelenksbelastung besonders häufig betroffen, wobei die Erkrankung auch bei bestimmten beruflichen sowie handwerklichen Tätigkeiten mit wiederholter Daumenbelastung gehäuft auftritt. Frauen sind insgesamt deutlich häufiger betroffen als Männer, wobei hormonelle Veränderungen, insbesondere während der Schwangerschaft sowie Stillzeit, als zusätzlicher begünstigender Faktor diskutiert werden.
Symptome
Die Tendovaginitis stenosans äußert sich durch einen zunehmenden, belastungsabhängigen Schmerz am daumenseitigen Bereich des Handgelenks, der sich bei bestimmten Bewegungen des Daumens sowie des Handgelenks, insbesondere beim Greifen sowie beim seitlichen Abspreizen des Daumens, deutlich verstärkt und im Verlauf auch in Ruhe bestehen bleiben kann. Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich häufig eine tastbare Schwellung sowie ein deutlicher Druckschmerz über der betroffenen Sehnenscheide, wobei ein charakteristischer Provokationstest, bei dem der Daumen in die Handfläche eingeschlagen sowie das Handgelenk anschließend zur Kleinfingerseite hin abgewinkelt wird, die typischen Beschwerden gezielt auslösen kann. Im fortgeschrittenen Stadium kann zudem ein spürbares, knirschendes Reibegefühl bei Bewegung der betroffenen Sehnen auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose der Tendovaginitis stenosans wird überwiegend klinisch anhand der charakteristischen Beschwerdeschilderung sowie des positiven Provokationstests gestellt, bei dem sich der typische Schmerz am daumenseitigen Handgelenk gezielt auslösen lässt. Eine Ultraschalluntersuchung der betroffenen Sehnenscheide kann die charakteristische Verdickung der Sehnenscheidenwand sowie eine begleitende Flüssigkeitsansammlung direkt sichtbar machen und die Diagnose zusätzlich bestätigen. Eine sorgfältige Abgrenzung von anderen, ähnlich lokalisierten Ursachen für Schmerzen am daumenseitigen Handgelenk, insbesondere einer Arthrose des Daumensattelgelenks, ist von Bedeutung für die weitere Behandlungsplanung.
Behandlung
Die Behandlung der Tendovaginitis stenosans beginnt bei den meisten Betroffenen mit konservativen Maßnahmen, insbesondere einer konsequenten Schonung der betroffenen Hand sowie einer vorübergehenden Ruhigstellung mittels einer speziellen, den Daumen einschließenden Handgelenksschiene, gemeinsam mit entzündungshemmenden Medikamenten zur Linderung der Beschwerden. Bei unzureichendem Ansprechen auf diese konservativen Maßnahmen kann eine gezielte örtliche Injektionsbehandlung mit einem entzündungshemmenden Medikament in die betroffene Sehnenscheide zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden beitragen. Bei anhaltenden, konservativ nicht ausreichend beherrschbaren Beschwerden stellt eine kleine operative Spaltung der eingeengten Sehnenscheide die wirksamste Behandlungsoption dar, die den betroffenen Sehnen wieder ausreichend Platz für eine freie Gleitbewegung verschafft.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Tendovaginitis stenosans ist bei rechtzeitiger, konsequenter Behandlung sehr gut, wobei sich die Beschwerden bei einem erheblichen Teil der Betroffenen bereits durch konsequente Schonung sowie Ruhigstellung deutlich bessern. Nach einer operativen Spaltung der eingeengten Sehnenscheide ist bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen mit einer vollständigen sowie dauerhaften Beschwerdefreiheit zu rechnen. Bei jungen Müttern, bei denen die Erkrankung durch die wiederholte Belastung beim Tragen des Säuglings ausgelöst wurde, bessern sich die Beschwerden häufig auch spontan, sobald sich das Kind entwickelt sowie die entsprechende Handgelenksbelastung im Alltag abnimmt.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Tendovaginitis stenosans (de Quervain): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum wird die Erkrankung umgangssprachlich auch als Mütterchen-Daumen bezeichnet?
Weil junge Mütter durch das wiederholte Hochheben sowie Tragen ihres Säuglings besonders häufig betroffen sind.
Wie wird die Erkrankung durch einen Provokationstest nachgewiesen?
Der Daumen wird in die Handfläche eingeschlagen und das Handgelenk anschließend zur Kleinfingerseite hin abgewinkelt, was den typischen Schmerz auslöst.
Welche konservativen Maßnahmen werden zuerst eingesetzt?
Schonung, eine den Daumen einschließende Handgelenksschiene sowie entzündungshemmende Medikamente.
Wie wirksam ist die operative Behandlung?
Nach einer operativen Spaltung der Sehnenscheide ist bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen mit vollständiger Beschwerdefreiheit zu rechnen.
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