Tendinitis calcarea im Schulterbereich (Kalkschulter)
Die Tendinitis calcarea im Schulterbereich, umgangssprachlich als Kalkschulter bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der sich innerhalb der Sehnen der Rotatorenmanschette, jener Gruppe von Muskelsehnen, die für die Stabilität sowie Beweglichkeit des Schultergelenks von zentraler Bedeutung ist, Kalksalze ablagern, die den Krankheitsverlauf über mehrere, sich charakteristisch unterscheidende Phasen prägen. Während sich die Kalkablagerung in ihrer Entstehungs- sowie Ruhephase häufig kaum bemerkbar macht, kommt es in der sogenannten Auflösungsphase, in der der Körper die abgelagerten Kalksalze aktiv wieder abzubauen beginnt, typischerweise zu einer akuten, oft als äußerst heftig beschriebenen Schmerzepisode. Die Tendinitis calcarea betrifft überwiegend Menschen mittleren Alters und zählt zu den häufigeren Ursachen für plötzlich auftretende, sehr starke Schulterschmerzen.
Ursachen
Die genaue Ursache der Kalkablagerung innerhalb der Sehnen der Rotatorenmanschette ist nicht abschließend geklärt, wobei eine lokal verminderte Durchblutung der betroffenen Sehnenareale, die bevorzugt in einem bestimmten, anatomisch besonders gefährdeten Abschnitt der Sehne auftritt, als wahrscheinlicher zugrunde liegender Mechanismus angenommen wird. Die Erkrankung tritt bevorzugt bei Menschen mittleren Alters zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf und steht, anders als häufig angenommen, nicht zwingend im Zusammenhang mit einer vorausgegangenen Überlastung oder Verletzung der Schulter. Eine familiäre Häufung sowie ein möglicher Zusammenhang mit bestimmten Stoffwechselstörungen werden diskutiert, ohne dass diese Zusammenhänge bislang abschließend belegt sind.
Symptome
Die Tendinitis calcarea durchläuft charakteristischerweise mehrere Phasen mit sehr unterschiedlicher Beschwerdesymptomatik, wobei die Kalkablagerung in ihrer Entstehungs- sowie anschließenden Ruhephase über Monate bis Jahre bestehen kann, ohne dass die betroffene Person hiervon wesentliche Beschwerden bemerkt, oder allenfalls ein leichter, belastungsabhängiger Schulterschmerz besteht. In der sogenannten Auflösungsphase, in der der Körper beginnt, die abgelagerten Kalksalze aktiv abzubauen, kommt es dagegen zu einer akuten, oft plötzlich einsetzenden und äußerst heftigen Schmerzepisode mit deutlicher Bewegungseinschränkung des betroffenen Arms, die für die Betroffenen mitunter zu den stärksten je erlebten Schmerzen zählt. Diese akute Schmerzphase klingt nach einigen Tagen bis wenigen Wochen deutlich ab, sobald die Kalksalze vollständig abgebaut sind.
Diagnostik
Die Diagnose der Tendinitis calcarea wird durch eine Bildgebung mittels Röntgenaufnahme oder Ultraschalluntersuchung der Schulter gestellt, bei der sich die charakteristische Kalkablagerung innerhalb der betroffenen Sehne direkt darstellen lässt, wobei die genaue Konsistenz der Ablagerung wichtige Hinweise auf das aktuelle Krankheitsstadium liefert. In der akuten Auflösungsphase zeigt sich die Kalkablagerung typischerweise unscharf begrenzt sowie von wolkiger Konsistenz, während sie in der Ruhephase eine deutlich schärfer begrenzte, dichtere Struktur aufweist. Eine körperliche Untersuchung der Schulterbeweglichkeit sowie -kraft ergänzt die Diagnostik und hilft bei der Abgrenzung von anderen, ebenfalls schmerzhaften Schultererkrankungen.
Behandlung
Die Behandlung der Tendinitis calcarea richtet sich nach dem aktuellen Krankheitsstadium sowie dem Ausmaß der Beschwerden, wobei in der akuten, sehr schmerzhaften Auflösungsphase entzündungshemmende sowie schmerzlindernde Medikamente sowie eine vorübergehende Schonung des betroffenen Arms im Vordergrund stehen. Eine gezielte Punktion sowie Spülung der Kalkablagerung, bei der die abgelagerten Kalksalze unter örtlicher Betäubung gezielt aufgelöst sowie abgesaugt werden, kann in der akuten Phase zu einer raschen, deutlichen Schmerzlinderung beitragen. Bei chronischen, über die akute Phase hinaus anhaltenden Beschwerden stehen zudem eine gezielte Stoßwellentherapie sowie, bei besonders hartnäckigen Verläufen, eine operative Entfernung der Kalkablagerung als weiterführende Behandlungsoptionen zur Verfügung.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Tendinitis calcarea ist trotz der mitunter äußerst heftigen akuten Schmerzphase insgesamt sehr günstig, da sich die Kalkablagerung bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen im Rahmen der natürlichen Auflösungsphase spontan vollständig zurückbildet, ohne dass eine operative Behandlung notwendig wird. Nach vollständiger Rückbildung der Kalkablagerung sind die meisten Betroffenen dauerhaft beschwerdefrei, wobei ein erneutes Auftreten einer Kalkablagerung an derselben oder der gegenüberliegenden Schulter bei einem Teil der Betroffenen im weiteren Leben möglich ist. Eine physiotherapeutische Behandlung zum Erhalt der Schulterbeweglichkeit während sowie nach der akuten Schmerzphase wird zur bestmöglichen funktionellen Wiederherstellung empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Tendinitis calcarea im Schulterbereich (Kalkschulter): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
In welcher Krankheitsphase treten die stärksten Schmerzen auf?
In der sogenannten Auflösungsphase, wenn der Körper beginnt, die abgelagerten Kalksalze aktiv abzubauen.
Hängt die Erkrankung mit einer vorausgegangenen Überlastung zusammen?
Nicht zwingend, anders als häufig angenommen besteht kein sicherer Zusammenhang mit einer vorausgegangenen Belastung oder Verletzung.
Wie kann in der akuten Phase rasch geholfen werden?
Durch eine gezielte Punktion sowie Spülung, bei der die Kalksalze unter örtlicher Betäubung aufgelöst sowie abgesaugt werden.
Bildet sich die Kalkablagerung von selbst zurück?
Bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen ja, im Rahmen der natürlichen Auflösungsphase.
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