Siamesische Zwillinge
Siamesische Zwillinge, medizinisch auch als conjoined twins bezeichnet, sind eineiige Zwillinge, die durch eine unvollständige Trennung der ursprünglich einzelnen, befruchteten Eizelle an einer oder mehreren Körperstellen körperlich miteinander verbunden zur Welt kommen. Diese äußerst seltene Besonderheit entsteht durch eine Störung des normalen Trennungsprozesses während einer sehr frühen Phase der Embryonalentwicklung, wobei das genaue Ausmaß sowie die Lokalisation der Verbindung erheblich variieren können, von einer kleinen, oberflächlichen Hautverbindung bis zu einer ausgedehnten, mehrere innere Organe gemeinsam nutzenden Verwachsung. Siamesische Zwillinge erfordern angesichts der Komplexität sowie der potenziellen Lebensgefahr eine hochspezialisierte, interdisziplinäre medizinische Betreuung bereits während der Schwangerschaft sowie nach der Geburt.
Ursachen
Siamesische Zwillinge entstehen durch eine unvollständige Trennung der Embryonalanlage bei eineiigen Zwillingen, die sich normalerweise aus einer einzelnen, befruchteten Eizelle durch eine vollständige Teilung in zwei getrennte Embryonen entwickeln. Erfolgt diese Teilung ungewöhnlich spät, meist erst nach dem zwölften bis fünfzehnten Tag nach der Befruchtung, bleibt die Trennung an einer oder mehreren Körperstellen unvollständig, wodurch die beiden Zwillinge körperlich miteinander verbunden bleiben. Die genaue Ursache für diese verzögerte sowie unvollständige Teilung ist bislang nicht abschließend geklärt, wobei kein bekannter erblicher oder äußerer Risikofaktor identifiziert werden konnte.
Symptome
Siamesische Zwillinge äußern sich durch eine bereits vor oder bei der Geburt sichtbare, körperliche Verbindung zwischen den beiden Zwillingen, deren genaue Lokalisation sowie Ausmaß erheblich variieren kann, wobei am häufigsten eine Verbindung im Bereich des Brustkorbs, des Bauches oder des Beckens auftritt. Je nach Ausmaß der gemeinsam genutzten inneren Organe können die beiden Zwillinge unterschiedlich stark voneinander abhängige Körperfunktionen aufweisen, wobei ein gemeinsam genutztes Herz oder eine gemeinsame Leber die Komplexität sowie das Risiko einer späteren operativen Trennung erheblich erhöht.
Diagnostik
Die Diagnose siamesischer Zwillinge wird häufig bereits während der Schwangerschaft durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt, die die charakteristische körperliche Verbindung zwischen den beiden Föten sichtbar macht. Eine umfassende, ergänzende Magnetresonanztomografie während der Schwangerschaft sowie nach der Geburt ist für die genaue Darstellung der gemeinsam genutzten Organe sowie Gefäßstrukturen von entscheidender Bedeutung, um die Möglichkeit sowie das Risiko einer späteren operativen Trennung sorgfältig einzuschätzen. Diese detaillierte diagnostische Aufarbeitung erfolgt in enger Zusammenarbeit mehrerer spezialisierter Fachrichtungen.
Behandlung
Die Behandlung siamesischer Zwillinge wird individuell sowie hochspezialisiert geplant, wobei eine operative Trennung nur dann erwogen wird, wenn die anatomischen Voraussetzungen dies mit vertretbarem Risiko für beide oder zumindest einen der Zwillinge ermöglichen. Diese komplexe operative Trennung wird ausschließlich in darauf spezialisierten, kinderchirurgischen Zentren mit umfangreicher Erfahrung sowie einem großen, interdisziplinären Behandlungsteam durchgeführt. Bei einer besonders ausgedehnten, gemeinsam genutzten Organbeteiligung, insbesondere eines gemeinsamen Herzens, kann eine operative Trennung nicht möglich sein, sodass gemeinsam mit den Eltern eine individuelle Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werden muss.
Verlauf und Prognose
Die Prognose siamesischer Zwillinge hängt entscheidend von der Lokalisation sowie dem Ausmaß der körperlichen Verbindung sowie den gemeinsam genutzten Organen ab, wobei eine Verbindung mit begrenzter Organbeteiligung eine deutlich bessere Prognose für eine erfolgreiche operative Trennung sowie ein eigenständiges Überleben beider Zwillinge aufweist. Bei einer ausgedehnten, mehrere lebenswichtige Organe betreffenden Verbindung ist die Prognose deutlich ernster, wobei eine erfolgreiche Trennung nicht immer möglich ist. Eine umfassende, einfühlsame Beratung sowie Begleitung der betroffenen Familie durch ein erfahrenes, interdisziplinäres Team ist angesichts der Komplexität sowie der emotionalen Belastung dieser Situation von zentraler Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Siamesische Zwillinge: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie entstehen siamesische Zwillinge?
Durch eine unvollständige, ungewöhnlich späte Teilung der Embryonalanlage bei eineiigen Zwillingen.
Welche Körperregion ist am häufigsten von der Verbindung betroffen?
Der Brustkorb, der Bauch oder das Becken.
Wovon hängt die Möglichkeit einer operativen Trennung ab?
Vom Ausmaß der gemeinsam genutzten Organe, insbesondere ob ein Herz gemeinsam genutzt wird.
Wo wird die operative Trennung durchgeführt?
Ausschließlich in darauf spezialisierten kinderchirurgischen Zentren mit einem großen, interdisziplinären Team.
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