Sialolithiasis
Die Sialolithiasis bezeichnet die Bildung fester, steinartiger Ablagerungen, sogenannter Speichelsteine, innerhalb der Ausführungsgänge der großen Speicheldrüsen, die den normalen Abfluss des Speichels in die Mundhöhle behindern. Am häufigsten sind die unter dem Kiefer gelegenen Unterkieferspeicheldrüsen betroffen, deren Ausführungsgang aufgrund seines längeren, gewundenen Verlaufs sowie der besonderen Zusammensetzung des dort produzierten, zähflüssigeren Speichels besonders anfällig für die Bildung solcher Ablagerungen ist. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Speicheldrüsen überhaupt und äußert sich durch ein für sie charakteristisches, mit der Nahrungsaufnahme in Zusammenhang stehendes Beschwerdemuster, das eine relativ zuverlässige klinische Verdachtsdiagnose ermöglicht.
Ursachen
Die Sialolithiasis entsteht durch eine Ausfällung von Kalzium- und anderen Mineralsalzen aus dem Speichel um einen kleinen, organischen Kristallisationskern, etwa abgeschilferte Zellen oder eingedickten Schleim, herum, wodurch sich im Laufe der Zeit ein zunehmend größerer, fester Stein innerhalb des Speicheldrüsengangs bildet. Eine verminderte Speichelproduktion, wie sie etwa durch eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr, bestimmte Medikamente mit speichelhemmender Nebenwirkung oder eine allgemeine Austrocknung des Körpers entstehen kann, begünstigt durch die dadurch bedingte Eindickung des Speichels die Steinbildung erheblich. Auch eine chronische Entzündung der Speicheldrüse selbst sowie anatomische Besonderheiten des Ausführungsgangs, die den normalen Speichelfluss verlangsamen, tragen zur Entstehung von Speichelsteinen bei.
Symptome
Das charakteristische Leitsymptom der Sialolithiasis ist eine schmerzhafte, meist einseitige Schwellung der betroffenen Speicheldrüse, die sich typischerweise unmittelbar beim Anblick, Geruch oder während des Verzehrs von Nahrung deutlich verstärkt, da der Körper in dieser Situation reflexartig die Speichelproduktion steigert, der vermehrt produzierte Speichel jedoch durch den verlegten Ausführungsgang nicht abfließen kann und sich dadurch in der Drüse zurückstaut. Nach Beendigung der Mahlzeit lässt die Schwellung meist innerhalb einer bis mehrerer Stunden wieder nach, wenn sich der Speichelfluss normalisiert und der Druck in der Drüse allmählich nachlässt. Kommt es zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion der aufgestauten Drüse, entwickeln sich zusätzlich Rötung, ausgeprägte Druckschmerzhaftigkeit sowie Fieber, was auf eine ernstere, behandlungsbedürftige Komplikation hinweist.
Diagnostik
Die Diagnose der Sialolithiasis wird zunächst durch die charakteristische Anamnese mit dem typischen, mahlzeitabhängigen Beschwerdemuster sowie durch die körperliche Untersuchung nahegelegt, bei der ein größerer Speichelstein mitunter bereits als tastbare Verhärtung entlang des Ausführungsgangs oder direkt am Ausgang in die Mundhöhle erkennbar sein kann. Eine Ultraschalluntersuchung der betroffenen Speicheldrüse ist die am häufigsten eingesetzte bildgebende Untersuchung, mit der sich die meisten Speichelsteine sowie eine begleitende Erweiterung des Ausführungsgangs gut darstellen lassen. Bei unklarem Ultraschallbefund oder zur genaueren Beurteilung vor einer geplanten Behandlung kann eine Computertomographie ohne Kontrastmittel eingesetzt werden, die Speichelsteine aufgrund ihres hohen Kalziumgehalts besonders zuverlässig nachweisen kann.
Behandlung
Kleinere, nahe am Ausgang des Ausführungsgangs gelegene Speichelsteine können häufig durch eine Kombination aus vermehrter Flüssigkeitszufuhr, dem Lutschen saurer Bonbons zur Anregung des Speichelflusses sowie einer vorsichtigen manuellen Massage der Speicheldrüse spontan in Richtung der Mundhöhle befördert und ausgeschieden werden. Größere oder tiefer im Gangsystem gelegene Steine, die auf diese Weise nicht abgehen, können heute in vielen Fällen mittels einer speziellen, endoskopischen Untersuchungs- und Behandlungstechnik, der sogenannten Sialendoskopie, direkt im Ausführungsgang aufgesucht und schonend entfernt werden, ohne dass eine größere Operation notwendig wird. Bei sehr großen Steinen, wiederholten Entzündungsschüben oder wenn die endoskopische Entfernung nicht gelingt, kann in ausgewählten Fällen eine operative Entfernung des Steins oder, bei chronisch geschädigter Drüse, der gesamten betroffenen Speicheldrüse notwendig werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Sialolithiasis ist bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut, wobei kleinere Steine häufig ohne größeren Eingriff spontan abgehen oder mittels der schonenden endoskopischen Sialendoskopie erfolgreich entfernt werden können, was den Erhalt der betroffenen Speicheldrüse in den meisten Fällen ermöglicht. Bleibt ein Speichelstein über längere Zeit unbehandelt in der Drüse, steigt das Risiko für wiederholte, teils bakteriell bedingte Entzündungsschübe der Drüse, die im Laufe der Zeit zu einer chronischen Schädigung des Drüsengewebes mit dauerhafter Funktionseinschränkung führen können. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie eine gute Mundhygiene werden als allgemeine, vorbeugende Maßnahmen gegen die erneute Bildung von Speichelsteinen empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Sialolithiasis: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Welche Speicheldrüse ist am häufigsten betroffen?
Die unter dem Kiefer gelegene Unterkieferspeicheldrüse, aufgrund des längeren, gewundenen Gangverlaufs sowie des zähflüssigeren Speichels.
Warum verstärkt sich die Schwellung beim Essen?
Weil der Körper die Speichelproduktion beim Anblick oder Verzehr von Nahrung reflexartig steigert, der Speichel jedoch durch den verlegten Gang nicht abfließen kann.
Muss jeder Speichelstein operativ entfernt werden?
Nein, kleinere Steine gehen häufig spontan ab, größere können oft schonend mittels Sialendoskopie ohne größere Operation entfernt werden.
Was passiert, wenn ein Speichelstein unbehandelt bleibt?
Es steigt das Risiko für wiederholte, teils bakterielle Entzündungsschübe, die zu einer chronischen Schädigung der Speicheldrüse führen können.
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