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Innere Medizin

Selektiver Immunglobulin-A-Mangel

Der selektive Immunglobulin-A-Mangel ist der häufigste angeborene Immundefekt beim Menschen und zeichnet sich durch eine deutlich verminderte oder vollständig fehlende Konzentration des Antikörpertyps Immunglobulin A im Blut aus, während die übrigen Antikörpertypen in normaler Konzentration vorhanden sind. Immunglobulin A spielt eine zentrale Rolle beim Schutz der Schleimhäute der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts sowie anderer Körperoberflächen vor eindringenden Krankheitserregern, weshalb ein Mangel dieses Antikörpertyps grundsätzlich mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen dieser Schleimhäute einhergehen kann. Bemerkenswerterweise verläuft der selektive IgA-Mangel bei einem großen Teil der Betroffenen jedoch völlig beschwerdefrei und wird häufig nur zufällig im Rahmen einer Blutuntersuchung aus anderem Anlass entdeckt, während ein kleinerer Teil der Betroffenen unter wiederkehrenden Infektionen sowie einem erhöhten Risiko für bestimmte Autoimmunerkrankungen leidet.

Ursachen

Die genaue Ursache des selektiven Immunglobulin-A-Mangels ist nicht vollständig geklärt, es wird jedoch von einer Störung in der Reifung bestimmter Immunzellen ausgegangen, die normalerweise für die Produktion von Immunglobulin A verantwortlich sind. Eine familiäre Häufung der Erkrankung wird beobachtet, was auf eine genetische Komponente hindeutet, wobei bislang kein einzelnes ursächliches Gen identifiziert werden konnte, sondern vermutlich mehrere genetische sowie möglicherweise auch Umweltfaktoren zusammenwirken. Der selektive IgA-Mangel tritt gehäuft gemeinsam mit anderen Immundefekten sowie bestimmten Autoimmunerkrankungen innerhalb derselben Familien auf, was auf gemeinsame zugrunde liegende genetische Veranlagungen hindeutet. Bestimmte Medikamente können ebenfalls zu einer erworbenen, vorübergehenden Verminderung des Immunglobulin-A-Spiegels führen, die vom angeborenen selektiven IgA-Mangel abzugrenzen ist.

Symptome

Die überwiegende Mehrzahl der Menschen mit selektivem IgA-Mangel zeigt keine oder nur geringfügige Beschwerden und führt ein völlig normales, gesundes Leben, ohne dass der Immundefekt jemals klinisch auffällig wird. Bei einem kleineren Teil der Betroffenen äußert sich der Mangel durch wiederkehrende Infektionen der oberen und unteren Atemwege sowie des Magen-Darm-Trakts, die häufiger und teils langwieriger verlaufen als bei Menschen ohne diesen Immundefekt. Zudem besteht bei Betroffenen ein leicht erhöhtes Risiko für die Entwicklung bestimmter Autoimmunerkrankungen, insbesondere einer Zöliakie sowie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen, sowie für allergische Erkrankungen. Eine bedeutsame Besonderheit stellt das Risiko einer schweren allergischen Reaktion bei der Gabe bluthaltiger Blutprodukte dar, da manche Betroffene Antikörper gegen das ihnen fehlende Immunglobulin A entwickeln können.

Diagnostik

Die Diagnose des selektiven Immunglobulin-A-Mangels wird durch eine gezielte Blutuntersuchung gestellt, bei der eine deutlich verminderte oder nicht messbare Konzentration von Immunglobulin A bei gleichzeitig normalen Werten der übrigen Antikörpertypen nachgewiesen wird. Die Diagnose wird üblicherweise erst ab einem bestimmten Lebensalter gestellt, da der Immunglobulin-A-Spiegel bei jüngeren Kindern physiologischerweise noch niedriger ist und sich erst im Laufe der ersten Lebensjahre auf sein normales Niveau entwickelt. Bei Betroffenen mit wiederkehrenden Infektionen wird ergänzend eine Untersuchung der übrigen Immunfunktion durchgeführt, um einen möglicherweise begleitend vorliegenden, ausgeprägteren Immundefekt auszuschließen. Ein Screening auf Autoimmunerkrankungen wie eine Zöliakie kann bei entsprechenden Beschwerden ebenfalls sinnvoll sein.

Behandlung

Bei beschwerdefreien Betroffenen mit selektivem IgA-Mangel ist keine spezifische Behandlung notwendig, da der Immundefekt in diesen Fällen keine praktische Bedeutung für die Gesundheit hat. Bei wiederkehrenden Infektionen steht eine gezielte, symptomorientierte Behandlung der jeweiligen Infektion im Vordergrund, wobei bei besonders häufigen oder schweren Infektionen eine vorbeugende antibiotische Behandlung erwogen werden kann. Eine Substitution mit Antikörperpräparaten, wie sie bei anderen, ausgeprägteren Antikörpermangelsyndromen üblich ist, kommt beim selektiven IgA-Mangel in der Regel nicht zum Einsatz, da diese Präparate selbst geringe Mengen an Immunglobulin A enthalten können. Betroffene mit bekanntem selektivem IgA-Mangel sollten vor einer geplanten Bluttransfusion oder Verabreichung von Blutprodukten stets auf ihre Diagnose hinweisen, um besondere Vorsichtsmaßnahmen zu ermöglichen.

Verlauf und Prognose

Die Prognose des selektiven Immunglobulin-A-Mangels ist bei der überwiegenden Mehrzahl der Betroffenen sehr gut, da die Erkrankung meist folgenlos und ohne wesentliche Beeinträchtigung der Lebensqualität verläuft. Bei einem kleineren Teil der Betroffenen mit wiederkehrenden Infektionen kann sich die Lebensqualität durch die Häufigkeit der Erkrankungen beeinträchtigt zeigen, wobei sich der Immundefekt bei manchen Betroffenen im Laufe des Lebens auch teilweise zurückbilden kann. Das erhöhte Risiko für Autoimmunerkrankungen sowie Allergien erfordert eine gewisse Wachsamkeit gegenüber entsprechenden Symptomen im Verlauf des Lebens. Eine regelmäßige ärztliche Verlaufskontrolle wird insbesondere bei symptomatischen Betroffenen empfohlen, um eine mögliche Verschlechterung oder das Auftreten begleitender Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Ist der selektive IgA-Mangel immer mit Beschwerden verbunden?

Nein, die überwiegende Mehrzahl der Betroffenen zeigt keine oder nur geringfügige Beschwerden und führt ein normales, gesundes Leben.

Warum ist der IgA-Mangel bei Bluttransfusionen von besonderer Bedeutung?

Weil manche Betroffene Antikörper gegen das ihnen fehlende Immunglobulin A entwickeln können, was zu einer schweren allergischen Reaktion bei der Gabe bluthaltiger Blutprodukte führen kann.

Welche Autoimmunerkrankungen sind bei selektivem IgA-Mangel häufiger?

Insbesondere eine Zöliakie sowie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen treten bei Betroffenen etwas häufiger auf.

Wird der IgA-Mangel mit Antikörperpräparaten behandelt?

In der Regel nicht, da handelsübliche Antikörperpräparate selbst geringe Mengen an Immunglobulin A enthalten können, gegen das manche Betroffene Antikörper entwickelt haben.

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