Retinopathia praematurorum (Frühgeborenenretinopathie)
Die Retinopathia praematurorum, auch als Frühgeborenenretinopathie bezeichnet, ist eine Erkrankung der noch unreifen Netzhautgefäße, die überwiegend sehr früh geborene sowie mit sehr niedrigem Geburtsgewicht geborene Kinder betrifft, deren Netzhautgefäße zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht vollständig ausgereift sind. Bei diesen besonders vulnerablen Kindern kann sich das weitere Wachstum der noch unreifen Netzhautgefäße nach der Geburt krankhaft fehlgeleitet fortsetzen, wodurch sich abnorme, leicht blutende Gefäßneubildungen bilden können, die unbehandelt über eine narbige Schrumpfung des umliegenden Gewebes zu einer Ablösung der Netzhaut sowie einer schweren, dauerhaften Sehbehinderung bis hin zur vollständigen Erblindung führen können. Da die Erkrankung im frühen Verlauf durch eine gezielte Behandlung gut aufgehalten werden kann, ist eine systematische augenärztliche Vorsorgeuntersuchung aller entsprechend gefährdeten Frühgeborenen von großer Bedeutung.
Ursachen
Die Retinopathia praematurorum entsteht dadurch, dass sich die Blutgefäße der Netzhaut beim ungeborenen Kind erst in der späten Schwangerschaft vollständig entwickeln, sodass die Netzhautgefäße bei einer sehr frühen Geburt zum Geburtszeitpunkt noch deutlich unreif sind und sich außerhalb der schützenden Gebärmutterumgebung unter veränderten Sauerstoffbedingungen weiterentwickeln müssen. Diese veränderten Sauerstoffbedingungen nach der Geburt, insbesondere eine im Rahmen der notwendigen intensivmedizinischen Behandlung häufig erforderliche zusätzliche Sauerstoffgabe, können das weitere Wachstum der noch unreifen Netzhautgefäße empfindlich stören und zu einer krankhaften, fehlgeleiteten Gefäßneubildung anregen. Das Risiko für die Entstehung sowie den Schweregrad der Erkrankung steigt dabei deutlich, je früher ein Kind geboren wird sowie je niedriger sein Geburtsgewicht ausfällt.
Symptome
Die Retinopathia praematurorum verursacht in ihrem frühen Stadium bei den betroffenen Frühgeborenen keinerlei äußerlich erkennbare Symptome oder Beschwerden, weshalb die Erkrankung ausschließlich durch eine gezielte augenärztliche Untersuchung des Augenhintergrunds erkannt werden kann. Erst bei einem bereits fortgeschrittenen, unbehandelten Krankheitsverlauf können sich Anzeichen einer beginnenden Netzhautablösung zeigen, die sich bei älteren Kindern durch eine auffällige, meist weißlich erscheinende Pupille sowie ein zunehmend unkoordiniertes, schielendes Blickverhalten äußern können. Da diese späten Anzeichen bereits auf eine erhebliche, oft irreversible Schädigung der Netzhaut hinweisen, wird eine systematische Früherkennung durch regelmäßige augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen bei allen gefährdeten Frühgeborenen dringend empfohlen.
Diagnostik
Die Diagnose der Retinopathia praematurorum wird durch eine gezielte augenärztliche Untersuchung des Augenhintergrunds bei allen entsprechend gefährdeten Frühgeborenen gestellt, die nach einem festgelegten zeitlichen Schema, beginnend einige Wochen nach der Geburt und in regelmäßigen Abständen wiederholt, durchgeführt wird, um das Fortschreiten der noch unreifen Netzhautgefäße engmaschig zu überwachen. Bei dieser Untersuchung wird der Augenhintergrund des Frühgeborenen mit speziellen Instrumenten sorgfältig auf krankhafte, fehlgeleitete Gefäßneubildungen sowie auf beginnende narbige Veränderungen untersucht, wobei der genaue Befund nach einem international standardisierten System in verschiedene Stadien sowie Zonen eingeteilt wird. Diese genaue Stadieneinteilung ist für die Entscheidung über die Notwendigkeit sowie den optimalen Zeitpunkt einer Behandlung von zentraler Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung der Retinopathia praematurorum wird bei Erreichen bestimmter, genau definierter Krankheitsstadien eingeleitet, wobei eine gezielte Laserbehandlung der äußeren, noch unreifen Netzhautbereiche die etablierte Standardbehandlung darstellt, die das weitere krankhafte Wachstum der abnormen Gefäßneubildungen wirksam stoppen kann. Als modernere Behandlungsalternative steht zudem eine gezielt in das Auge injizierte medikamentöse Behandlung zur Verfügung, die das Wachstum der krankhaften Gefäße auf andere Weise hemmt und bei bestimmten Verlaufsformen der Erkrankung Vorteile gegenüber der klassischen Laserbehandlung bieten kann. Bei bereits eingetretener, fortgeschrittener Netzhautablösung kann eine aufwendigere operative Behandlung notwendig werden, um die Netzhaut wieder an ihre ursprüngliche Position anzulegen, wobei die Erfolgsaussichten in diesem fortgeschrittenen Stadium deutlich geringer ausfallen.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Retinopathia praematurorum ist bei rechtzeitiger Erkennung im Rahmen der systematischen Vorsorgeuntersuchungen sowie konsequent durchgeführter Behandlung bei der überwiegenden Mehrheit der betroffenen Frühgeborenen gut, wobei sich viele leichtere Verlaufsformen der Erkrankung sogar ohne jede Behandlung von selbst zurückbilden. Bei einem kleineren Teil der Betroffenen mit besonders ausgeprägtem oder rasch fortschreitendem Krankheitsverlauf kann es trotz zeitgerecht eingeleiteter Behandlung zu einer bleibenden Sehbeeinträchtigung kommen, weshalb eine engmaschige augenärztliche Weiterbetreuung auch nach abgeschlossener Akutbehandlung über die gesamte Kindheit hinweg empfohlen wird. Betroffene Kinder tragen zudem ein erhöhtes Risiko für weitere Sehstörungen im späteren Leben, insbesondere für eine ausgeprägte Kurzsichtigkeit sowie ein erhöhtes Risiko für eine spätere Netzhautablösung, weshalb regelmäßige augenärztliche Kontrollen auch im weiteren Verlauf des Lebens empfohlen werden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Retinopathia praematurorum (Frühgeborenenretinopathie): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Welche Kinder sind besonders gefährdet?
Sehr früh geborene sowie mit sehr niedrigem Geburtsgewicht geborene Kinder, deren Netzhautgefäße noch unreif sind.
Verursacht die Erkrankung im frühen Stadium Symptome?
Nein, sie ist im frühen Stadium äußerlich nicht erkennbar und wird ausschließlich durch gezielte augenärztliche Untersuchungen erfasst.
Wie wird die Erkrankung standardmäßig behandelt?
Mit einer gezielten Laserbehandlung der äußeren, noch unreifen Netzhautbereiche.
Bilden sich leichtere Verlaufsformen manchmal von selbst zurück?
Ja, viele leichtere Verlaufsformen bilden sich auch ohne Behandlung von selbst zurück.
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