Quincke-Ödem (Angioneurotisches Ödem)
Das Quincke-Ödem, auch als angioneurotisches Ödem bezeichnet, beschreibt eine plötzlich auftretende, tief in der Haut oder den Schleimhäuten gelegene Schwellung, die durch einen Austritt von Flüssigkeit aus den kleinsten Blutgefäßen in das umliegende Gewebe entsteht sowie sich im Unterschied zur oberflächlichen Nesselsucht durch ihre tiefere Lokalisation sowie das meist fehlende Jucken auszeichnet. Die besondere Gefährlichkeit dieser Schwellung ergibt sich aus ihrer möglichen Beteiligung der Zunge, des Rachens oder des Kehlkopfs, wo bereits eine mäßige Schwellung durch eine erhebliche Verengung der Atemwege zu einer lebensbedrohlichen Erstickungsgefahr führen kann. Das Quincke-Ödem kann sowohl im Rahmen einer klassischen allergischen Reaktion als auch, deutlich seltener, im Rahmen einer erblichen oder durch bestimmte Medikamente, insbesondere ACE-Hemmer, ausgelösten Form auftreten, deren Behandlungsansätze sich grundlegend unterscheiden.
Veröffentlicht: 15. Sep. 2026 · Redaktion: Personal Paramedic e.K.
Ursachen
Das Quincke-Ödem entsteht am häufigsten im Rahmen einer klassischen allergischen Reaktion auf Nahrungsmittel, Insektenstiche oder Arzneimittel, bei der bestimmte Botenstoffe des Immunsystems eine Erweiterung sowie eine erhöhte Durchlässigkeit der kleinen Blutgefäße bewirken. Eine wichtige, nicht allergisch bedingte Ursache stellt die Einnahme von blutdrucksenkenden ACE-Hemmern dar, bei denen die Schwellung mitunter erst Monate nach Behandlungsbeginn erstmals auftritt sowie durch einen anderen, nicht allergischen Wirkmechanismus bedingt ist. Eine deutlich seltenere, erbliche Form des Quincke-Ödems beruht auf einem angeborenen Mangel eines bestimmten Eiweißstoffes, der normalerweise die übermäßige Gefäßerweiterung hemmt, weshalb diese Form nicht auf die bei allergischen Reaktionen wirksamen Behandlungsansätze anspricht.
Symptome
Das Quincke-Ödem äußert sich durch eine plötzlich auftretende, meist über mehrere Stunden anhaltende, prall-elastische Schwellung vor allem der Lippen, der Augenlider, der Zunge oder des Rachens, die im Unterschied zur oberflächlichen Nesselsucht in aller Regel nicht juckt. Bei einer Beteiligung des Rachens oder des Kehlkopfs treten zunehmende Atembeschwerden, eine veränderte, kloßige Stimme sowie ein zunehmend hörbares, pfeifendes Atemgeräusch auf, die als dringende Warnzeichen einer drohenden Verlegung der Atemwege gewertet werden müssen. Bei der allergisch bedingten Form können zusätzlich Symptome einer begleitenden Nesselsucht sowie, bei schwerem Verlauf, Zeichen einer vollständigen Anaphylaxie mit Kreislaufversagen auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose des Quincke-Ödems wird überwiegend klinisch anhand der charakteristischen, tiefen, meist nicht juckenden Schwellung gestellt, wobei eine sorgfältige Befragung nach einem möglichen Auslöser, insbesondere einer neu begonnenen ACE-Hemmer-Behandlung, einer wiederholt aufgetretenen Familienanamnese oder einem möglichen allergenen Kontakt, für die Einordnung der zugrunde liegenden Ursache entscheidend ist. Bei Verdacht auf eine allergische Ursache kann eine spätere allergologische Abklärung mittels Hauttestungen den auslösenden Stoff identifizieren. Bei Verdacht auf die erbliche Form wird eine spezifische Bestimmung des zugrunde liegenden Eiweißstoffes im Blut durchgeführt.
Behandlung
Die Behandlung des Quincke-Ödems richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache, wobei die allergisch bedingte Form mit Antihistaminika sowie Kortisonpräparaten, bei schwerer Beteiligung der Atemwege oder begleitender Anaphylaxie mit der unverzüglichen Gabe von Adrenalin behandelt wird. Bei der durch ACE-Hemmer ausgelösten Form ist das sofortige, dauerhafte Absetzen dieses Medikaments entscheidend, da Antihistaminika sowie Kortisonpräparate bei dieser Form in aller Regel nicht wirksam sind. Bei der seltenen, erblichen Form kommen spezifische, gezielt auf den zugrunde liegenden Eiweißmangel abgestimmte Arzneimittel zum Einsatz. Bei jeder Beteiligung der Atemwege ist unverzüglich der Notruf zu verständigen, da eine notfallmäßige Sicherung der Atemwege notwendig werden kann.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Quincke-Ödems ist bei rechtzeitigem Erkennen sowie einer der jeweiligen Ursache angepassten Behandlung insgesamt gut, wobei die Schwellung bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen innerhalb weniger Tage vollständig zurückgeht. Eine unbehandelt fortschreitende Beteiligung der Atemwege stellt dagegen eine unmittelbar lebensbedrohliche Situation dar, die ohne rasche notfallmedizinische Versorgung zum Ersticken führen kann. Nach einer erstmaligen, ungeklärten Episode wird stets eine weiterführende Abklärung der zugrunde liegenden Ursache empfohlen, um eine gezielte, auf den jeweiligen Auslösemechanismus abgestimmte Vorbeugung künftiger Episoden zu ermöglichen.
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Häufige Fragen
Was unterscheidet das Quincke-Ödem von der Nesselsucht?
Es ist tiefer gelegen und juckt im Unterschied zur oberflächlichen Nesselsucht in aller Regel nicht.
Warum ist eine Beteiligung des Rachens besonders gefährlich?
Weil sie durch eine Verengung der Atemwege zu einer lebensbedrohlichen Erstickungsgefahr führen kann.
Welches Medikament kann ein Quincke-Ödem auslösen, ohne allergisch zu sein?
Blutdrucksenkende ACE-Hemmer, bei denen die Schwellung mitunter erst Monate nach Behandlungsbeginn auftritt.
Was ist bei der ACE-Hemmer-bedingten Form entscheidend?
Das sofortige, dauerhafte Absetzen des Medikaments, da Antihistaminika hier meist nicht wirksam sind.
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