Phthiriasis (Filzläusebefall)
Die Phthiriasis, umgangssprachlich als Filzläusebefall bezeichnet, ist eine parasitäre Erkrankung der Haut, die durch die Filzlaus, eine an die grobe Körperbehaarung angepasste Lausart, verursacht wird und sich vorwiegend im Bereich der Schambehaarung, seltener auch in anderen behaarten Körperregionen wie Achselhaaren, Augenbrauen oder Wimpern, ansiedelt. Filzläuse unterscheiden sich in ihrer Körperform deutlich von Kopf- oder Kleiderläusen und sind speziell an das Festhalten an den weit auseinanderstehenden, groben Haaren dieser Körperregionen angepasst. Da die Übertragung überwiegend durch engen Körperkontakt, insbesondere im Rahmen sexueller Aktivität, erfolgt, wird die Phthiriasis zu den durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Erkrankungen gezählt, kann jedoch auch, deutlich seltener, durch das gemeinsame Nutzen von Handtüchern oder Bettwäsche übertragen werden.
Ursachen
Die Phthiriasis entsteht durch den Befall mit Filzläusen, die überwiegend durch engen körperlichen Kontakt, insbesondere im Rahmen sexueller Aktivität, von einer infizierten auf eine andere Person übertragen werden, da die Läuse selbst nicht springen oder fliegen können und für ihre Übertragung direkten Kontakt zwischen den behaarten Körperregionen benötigen. Eine Übertragung durch das gemeinsame Nutzen von Handtüchern, Bettwäsche oder Kleidung ist grundsätzlich möglich, jedoch aufgrund der begrenzten Überlebensfähigkeit der Läuse außerhalb des menschlichen Körpers deutlich seltener als der direkte Körperkontakt. Da Filzläuse speziell an grobe, weit auseinanderstehende Haare angepasst sind, siedeln sie sich bevorzugt im Bereich der Schambehaarung an, können sich jedoch bei ausgeprägtem Befall auch auf andere behaarte Körperregionen wie Achselhaare, Wimpern, Augenbrauen oder, insbesondere bei Kindern, Kopfhaare ausbreiten.
Symptome
Das führende Symptom der Phthiriasis ist ein ausgeprägter, meist nachts verstärkter Juckreiz im Bereich der befallenen Körperregion, der durch die Speichelinjektion der Läuse beim Blutsaugen ausgelöst wird. Bei genauer Betrachtung der befallenen Haare lassen sich die kleinen, bräunlich-grauen, krabbenähnlichen Läuse sowie ihre an den Haarschäften fest anhaftenden, weißlichen Nissen mit bloßem Auge oder unter Zuhilfenahme einer Lupe erkennen. Durch anhaltendes Kratzen können sich kleine Hauteinblutungen sowie sekundäre bakterielle Infektionen der Haut entwickeln. Manche Betroffene bemerken zudem charakteristische, bläulich-graue Hautverfärbungen im befallenen Bereich, sogenannte Taches bleues, die durch einen Bestandteil des Lausspeichels verursacht werden.
Diagnostik
Die Diagnose der Phthiriasis wird durch die direkte Betrachtung der befallenen Haare gestellt, bei der sich die charakteristischen Läuse sowie ihre fest an den Haaren anhaftenden Nissen mit bloßem Auge oder mithilfe einer Lupe nachweisen lassen. Eine dermatoskopische Untersuchung mit einer speziellen vergrößernden Lupe kann die Diagnosestellung zusätzlich erleichtern und eine Abgrenzung von anderen Ursachen eines Juckreizes im Genitalbereich unterstützen. Da die Phthiriasis zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen zählt, wird bei Diagnosestellung eine Untersuchung auf weitere sexuell übertragbare Infektionen sowie eine Information und Mitbehandlung des Sexualpartners oder der Sexualpartnerin empfohlen. Bei Kindern mit Filzläusebefall im Augenbrauen- oder Wimpernbereich sollte an eine mögliche sexuelle Übertragung durch Missbrauch gedacht und entsprechend sensibel abgeklärt werden.
Behandlung
Die Behandlung der Phthiriasis erfolgt mit speziellen, örtlich anzuwendenden Präparaten, die die Läuse und ihre Eier abtöten und in der Regel über mehrere Tage auf die befallenen Körperregionen aufgetragen werden. Ein sorgfältiges Auskämmen der behandelten Haare mit einem feinzinkigen Kamm unterstützt die vollständige Entfernung abgetöteter Läuse und Nissen. Bei Befall der Wimpern, bei dem die üblichen Läusemittel aufgrund der Nähe zum Auge nicht angewendet werden dürfen, kommt eine vorsichtige mechanische Entfernung der Läuse mit einer feinen Pinzette sowie das Auftragen von speziellem, augenverträglichem Vaseline-Gel zum Einsatz, das die Läuse erstickt. Eine gleichzeitige Behandlung aller Sexualpartner sowie das Waschen von Bettwäsche und Handtüchern bei ausreichend hoher Temperatur werden zur Vorbeugung einer erneuten Ansteckung empfohlen.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Phthiriasis ist bei konsequenter, sachgerechter Behandlung sehr gut, wobei die Läuse und ihre Nissen in der Regel vollständig entfernt werden können und der Juckreiz innerhalb weniger Tage nach erfolgreicher Behandlung deutlich nachlässt. Wird nur eine betroffene Person behandelt, während der Sexualpartner oder die Sexualpartnerin unbehandelt bleibt, kommt es häufig zu einer erneuten Ansteckung, weshalb die gleichzeitige Behandlung aller Kontaktpersonen von großer Bedeutung für den dauerhaften Behandlungserfolg ist. Bakterielle Superinfektionen der Haut durch anhaltendes Kratzen heilen nach entsprechender Behandlung in der Regel folgenlos ab. Eine regelmäßige Kontrolle nach Abschluss der Behandlung wird empfohlen, um ein mögliches Fortbestehen des Befalls frühzeitig zu erkennen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Phthiriasis (Filzläusebefall): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie wird die Phthiriasis am häufigsten übertragen?
Überwiegend durch engen körperlichen Kontakt im Rahmen sexueller Aktivität, seltener durch das gemeinsame Nutzen von Handtüchern oder Bettwäsche.
Wo befallen Filzläuse bevorzugt?
Vor allem die Schambehaarung, seltener auch Achselhaare, Wimpern, Augenbrauen oder bei Kindern die Kopfhaare.
Wie werden Filzläuse an den Wimpern behandelt?
Da übliche Läusemittel dort nicht angewendet werden dürfen, erfolgt eine vorsichtige mechanische Entfernung mit einer feinen Pinzette sowie augenverträgliches Vaseline-Gel.
Warum ist die Mitbehandlung des Sexualpartners wichtig?
Weil sonst häufig eine erneute Ansteckung erfolgt, wenn nur eine betroffene Person behandelt wird.
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