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Innere Medizin

Malzarbeiter-Lunge

Die Malzarbeiter-Lunge ist eine allergische Entzündung des Lungengewebes, die durch das Einatmen von Schimmelpilzsporen bei der Verarbeitung von Gerste zu Malz entsteht, einem wichtigen Rohstoff für die Herstellung von Bier und bestimmten Spirituosen. Sie betrifft vor allem Beschäftigte in Mälzereien und Brauereien, die im Rahmen des Mälzungsprozesses, bei dem die Gerste zum Keimen gebracht und anschließend getrocknet wird, mit den dabei entstehenden Schimmelpilzsporen in Kontakt kommen. Während des feuchten Keimungsprozesses der Gerste können sich unter bestimmten Bedingungen bestimmte Schimmelpilze stark vermehren, deren Sporen beim Wenden oder Umschichten des keimenden Malzes in erheblichem Ausmaß freigesetzt werden und bei entsprechend sensibilisierten Beschäftigten die charakteristische allergische Lungenreaktion auslösen können.

Ursachen

Die Malzarbeiter-Lunge entsteht durch eine immunologische Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber Sporen bestimmter Schimmelpilze, die sich während des Mälzungsprozesses auf der feucht gehaltenen, keimenden Gerste ansiedeln und vermehren können. Beim regelmäßigen Wenden des keimenden Malzes, das notwendig ist, um eine gleichmäßige Keimung und Belüftung zu gewährleisten, werden erhebliche Mengen dieser Sporen in die Atemluft freigesetzt und von den Beschäftigten eingeatmet. Diese Sensibilisierung entwickelt sich meist erst nach wiederholtem, teils jahrelangem Kontakt mit den auslösenden Sporen. Besonders betroffen sind Beschäftigte in traditionellen Mälzereien mit manueller Wendung des Malzes, während moderne, automatisierte Mälzungsverfahren mit geschlossenen Systemen das Expositionsrisiko deutlich reduzieren können.

Symptome

Die akute Malzarbeiter-Lunge äußert sich typischerweise vier bis acht Stunden nach intensivem Kontakt mit dem sporenbelasteten Malz durch plötzlich einsetzendes Fieber, Schüttelfrost, trockenen Husten sowie Atemnot, begleitet von einem ausgeprägten allgemeinen Krankheitsgefühl mit Muskel- und Gliederschmerzen, das dem Beschwerdebild eines grippalen Infekts ähnelt. Diese Beschwerden klingen bei einmaligem Kontakt meist innerhalb weniger Tage von selbst wieder ab, treten jedoch bei erneuter Exposition regelmäßig wieder auf. Bei wiederholter, langjähriger Belastung ohne ausreichende Schutzmaßnahmen kann sich eine chronische Form mit fortschreitender Atemnot, anhaltendem Husten sowie einem allmählichen Gewichtsverlust entwickeln, die auf eine zunehmende, bleibende Vernarbung des Lungengewebes zurückzuführen ist.

Diagnostik

Die Diagnose der Malzarbeiter-Lunge stützt sich auf die charakteristische berufliche Vorgeschichte mit Tätigkeit in einer Mälzerei oder Brauerei sowie auf die typische zeitliche Beziehung zwischen dem Kontakt mit dem keimenden Malz und dem verzögerten Auftreten der grippeähnlichen Beschwerden. Eine Blutuntersuchung zum Nachweis spezifischer Antikörper gegen die auslösenden Schimmelpilze sowie eine hochauflösende Computertomographie der Lunge, die bei der akuten Form charakteristische milchglasartige Trübungen und bei der chronischen Form zunehmend narbige Veränderungen zeigt, ergänzen die Diagnostik. Eine Lungenfunktionsprüfung dient der Beurteilung des Ausmaßes einer bereits eingetretenen Funktionseinschränkung. In unklaren Fällen kann eine Lungenspiegelung mit Gewinnung von Spülflüssigkeit zur weiteren Diagnosesicherung beitragen.

Behandlung

Die wichtigste Behandlungsmaßnahme bei der Malzarbeiter-Lunge ist die konsequente Vermeidung des weiteren Kontakts mit sporenbelastetem Malz, was durch technische Verbesserungen des Mälzungsprozesses, etwa den Übergang zu geschlossenen, automatisierten Systemen, sowie durch das Tragen geeigneter Atemschutzmasken bei unvermeidbarem Kontakt erreicht werden kann. Bei akuten Krankheitsschüben werden entzündungshemmende Kortisonpräparate eingesetzt, um die Entzündungsreaktion des Lungengewebes rasch zu kontrollieren. Bei chronischer Form mit fortschreitender Vernarbung des Lungengewebes kann eine längerfristige Kortisonbehandlung notwendig werden, wobei bereits eingetretene narbige Veränderungen durch die Behandlung nicht rückgängig gemacht werden können. Eine Sauerstofftherapie kann bei fortgeschrittener Erkrankung mit deutlicher Einschränkung der Lungenfunktion erforderlich werden.

Verlauf und Prognose

Bei konsequenter Meidung der auslösenden Sporenbelastung sowie rechtzeitiger Diagnosestellung ist die Prognose der akuten Malzarbeiter-Lunge gut, wobei sich die Beschwerden meist deutlich bessern oder vollständig zurückbilden. Wird die Erkrankung jedoch nicht erkannt oder besteht die Exposition trotz wiederkehrender Beschwerden über Jahre fort, kann sich eine chronische, fortschreitende Vernarbung des Lungengewebes mit dauerhafter Einschränkung der Lungenfunktion entwickeln, die auch nach Beendigung der Exposition nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Der zunehmende Übergang zu automatisierten, geschlossenen Mälzungsverfahren in der modernen Brauindustrie hat die Häufigkeit der Erkrankung in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert. Eine regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung exponierter Beschäftigter unterstützt die Früherkennung.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Wie entstehen die auslösenden Schimmelpilzsporen bei der Malzarbeiter-Lunge?

Sie entstehen während des feuchten Keimungsprozesses der Gerste im Rahmen der Malzherstellung und werden beim Wenden des Malzes in die Atemluft freigesetzt.

Wer ist besonders gefährdet?

Vor allem Beschäftigte in traditionellen Mälzereien mit manueller Wendung des Malzes, während moderne automatisierte Verfahren das Risiko deutlich reduzieren.

Bildet sich die akute Form von selbst zurück?

Bei einmaligem Kontakt klingen die Beschwerden meist innerhalb weniger Tage von selbst ab, kehren jedoch bei erneutem Kontakt regelmäßig wieder.

Warum ist die Erkrankung heute seltener geworden?

Weil der zunehmende Übergang zu automatisierten, geschlossenen Mälzungsverfahren in der modernen Brauindustrie die Sporenexposition der Beschäftigten deutlich reduziert hat.

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