Hämolytisch-urämisches Syndrom
Das hämolytisch-urämische Syndrom ist eine schwere Erkrankung, die durch die charakteristische Kombination aus einer hämolytischen, also durch Blutzerfall bedingten Anämie, einem Mangel an Blutplättchen sowie einem akuten Nierenversagen gekennzeichnet ist. Die weitaus häufigste Form betrifft überwiegend Kleinkinder und entsteht als schwere Komplikation einer Darminfektion mit bestimmten, giftbildenden Stämmen des Bakteriums Escherichia coli, die über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel, insbesondere unzureichend erhitztes Rindfleisch oder rohe Milchprodukte, aufgenommen werden. Das von diesen Bakterien gebildete Gift gelangt über den geschädigten Darm in die Blutbahn und schädigt dort die innere Auskleidung kleiner Blutgefäße, insbesondere in den Nieren, was die charakteristische Kombination der drei Hauptsymptome verursacht. Eine deutlich seltenere, oft schwerer verlaufende Form kann auch ohne vorausgegangene Darminfektion auftreten.
Ursachen
Die häufigste Form des hämolytisch-urämischen Syndroms entsteht als Komplikation einer Darminfektion mit bestimmten, giftbildenden Escherichia-coli-Stämmen, die über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel, insbesondere unzureichend erhitztes Rindfleisch, rohe Milchprodukte oder kontaminiertes Gemüse, aufgenommen werden. Das von diesen Bakterien gebildete sogenannte Shiga-Toxin gelangt über die geschädigte Darmschleimhaut in die Blutbahn und schädigt dort gezielt die innere Auskleidung kleiner Blutgefäße, besonders ausgeprägt in den Nieren, wodurch sich dort kleine Blutgerinnsel bilden, die roten Blutkörperchen bei der Passage mechanisch schädigen und die Blutplättchen verbrauchen. Eine deutlich seltenere Form des hämolytisch-urämischen Syndroms entsteht ohne vorausgegangene Darminfektion durch eine angeborene oder erworbene Störung der körpereigenen Regulation des Komplementsystems, eines Teils der körpereigenen Immunabwehr, wodurch dieses überschießend aktiviert wird und die Blutgefäße schädigt.
Symptome
Das hämolytisch-urämische Syndrom beginnt bei der häufigeren, durch Escherichia coli bedingten Form meist mit einer vorausgehenden, oft blutigen Durchfallerkrankung, die sich nach einigen Tagen scheinbar bessert, bevor sich die eigentliche schwere Erkrankung entwickelt. Charakteristisch ist die dann auftretende Kombination aus ausgeprägter Blässe durch die einsetzende hämolytische Anämie, punktförmigen Hauteinblutungen durch den Mangel an Blutplättchen sowie einer deutlich verminderten oder ausbleibenden Urinausscheidung als Zeichen des akuten Nierenversagens. Begleitend können Ödeme durch die gestörte Nierenfunktion, Bluthochdruck sowie ein ausgeprägtes allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Bei schwerem Verlauf kann sich zusätzlich eine Beteiligung des Nervensystems mit Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen entwickeln, die auf eine besonders bedrohliche Verlaufsform hinweist.
Diagnostik
Die Diagnose des hämolytisch-urämischen Syndroms wird durch eine Kombination aus dem charakteristischen klinischen Bild sowie gezielten Blutuntersuchungen gestellt, die eine hämolytische Anämie mit typischen, mechanisch verformten roten Blutkörperchen im Blutausstrich, einen deutlichen Mangel an Blutplättchen sowie erhöhte Nierenwerte als Zeichen des akuten Nierenversagens nachweisen. Bei Verdacht auf die häufigere, durch Escherichia coli bedingte Form wird eine Stuhlprobe zum Nachweis der giftbildenden Bakterien sowie des von ihnen gebildeten Shiga-Toxins untersucht. Bei fehlendem Nachweis einer vorausgegangenen Darminfektion sowie bei atypischem Verlauf wird eine weiterführende Diagnostik zur Abklärung einer möglichen Störung des Komplementsystems eingeleitet, da diese seltenere Form eine andere, gezieltere Behandlung erfordert.
Behandlung
Die Behandlung des hämolytisch-urämischen Syndroms erfolgt überwiegend unterstützend, mit sorgfältigem Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes sowie einer Behandlung des häufig begleitenden Bluthochdrucks. Bei ausgeprägtem Nierenversagen mit erheblich eingeschränkter Urinausscheidung wird häufig vorübergehend eine Dialysebehandlung notwendig, um die Nierenfunktion zu überbrücken, bis sich diese im Verlauf der Erkrankung wieder erholt. Bei ausgeprägter Anämie kann eine Bluttransfusion notwendig werden, während eine Transfusion von Blutplättchen aufgrund des Risikos, die Bildung weiterer schädigender Blutgerinnsel zu begünstigen, nur bei aktiver Blutung eingesetzt wird. Bei der selteneren, durch eine Komplementstörung bedingten Form kommen gezielte, gegen das überaktive Komplementsystem gerichtete Medikamente zum Einsatz, die den Krankheitsverlauf deutlich verbessern können.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der häufigeren, durch Escherichia coli bedingten Form des hämolytisch-urämischen Syndroms ist bei den meisten betroffenen Kindern gut, wobei sich die Nierenfunktion bei der überwiegenden Mehrheit im Verlauf mehrerer Wochen vollständig oder weitgehend erholt, wenngleich ein Teil der Betroffenen eine langfristig verminderte Nierenfunktion behält, die eine regelmäßige nephrologische Nachsorge erfordert. Die seltenere, durch eine Komplementstörung bedingte Form verläuft ohne gezielte Behandlung häufig deutlich schwerer, mit einem erhöhten Risiko für ein bleibendes, dialysepflichtiges Nierenversagen, kann jedoch durch die gezielte medikamentöse Behandlung des überaktiven Komplementsystems heute deutlich besser kontrolliert werden. Eine gute Küchenhygiene sowie das ausreichende Erhitzen von Fleisch, insbesondere Rindfleisch, stellen wichtige vorbeugende Maßnahmen gegen die häufigere Form der Erkrankung dar.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hämolytisch-urämisches Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was löst die häufigste Form des hämolytisch-urämischen Syndroms aus?
Eine Darminfektion mit bestimmten, giftbildenden Escherichia-coli-Bakterien, die meist über kontaminierte Lebensmittel wie unzureichend erhitztes Rindfleisch aufgenommen werden.
Welche drei Hauptsymptome kennzeichnen die Erkrankung?
Eine hämolytische Anämie, ein Mangel an Blutplättchen sowie ein akutes Nierenversagen.
Warum erhalten Betroffene meist keine Blutplättchentransfusion?
Weil diese das Risiko birgt, die Bildung weiterer schädigender Blutgerinnsel zu begünstigen, weshalb sie nur bei aktiver Blutung eingesetzt wird.
Wie kann der häufigeren Form vorgebeugt werden?
Durch gute Küchenhygiene sowie ausreichendes Erhitzen von Fleisch, insbesondere Rindfleisch.
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