Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Innere Medizin

Genitalprolaps bei der Frau

Als Genitalprolaps bei der Frau wird ein Absinken oder teilweises beziehungsweise vollständiges Vortreten von Gebärmutter, Scheide oder benachbarten Beckenorganen wie Blase oder Enddarm aus ihrer normalen anatomischen Position bezeichnet, das durch eine Schwächung des Beckenbodens sowie der stützenden Bänder und Bindegewebsstrukturen im kleinen Becken entsteht. Der Beckenboden trägt normalerweise das Gewicht der Beckenorgane und hält diese in ihrer regelrechten Position, wobei eine Überdehnung oder Schwächung dieser Strukturen, insbesondere im Rahmen von Geburten sowie im Zuge des natürlichen Alterungsprozesses, zu einem allmählichen Absinken der betroffenen Organe führen kann. Ein Genitalprolaps kann von einer geringgradigen, kaum spürbaren Absenkung bis zu einem vollständigen Vortreten der Gebärmutter aus der Scheide reichen.

Ursachen

Die Hauptursache eines Genitalprolaps ist eine Schwächung des Beckenbodens sowie der stützenden Bänder und Bindegewebsstrukturen, die die Beckenorgane normalerweise in ihrer Position halten. Vaginale Geburten, insbesondere mehrere Geburten sowie Geburten mit einem sehr großen Kind oder einer besonders langen Austreibungsphase, zählen zu den bedeutsamsten Risikofaktoren, da der Beckenboden während der Geburt erheblich überdehnt wird. Auch der natürliche Alterungsprozess mit nachlassender Bindegewebsfestigkeit sowie ein Absinken des Östrogenspiegels nach den Wechseljahren tragen zu einer Schwächung der stützenden Strukturen bei. Übergewicht, chronischer Husten sowie schweres, wiederholtes Heben, die alle mit einer dauerhaft erhöhten Druckbelastung des Beckenbodens einhergehen, begünstigen die Entstehung eines Genitalprolaps zusätzlich, ebenso wie eine familiäre Veranlagung zu einer allgemeinen Bindegewebsschwäche.

Symptome

Ein geringgradiger Genitalprolaps verursacht häufig keine oder nur geringe Beschwerden und wird mitunter zufällig bei einer gynäkologischen Untersuchung festgestellt. Bei einem ausgeprägteren Prolaps berichten Betroffene häufig über ein Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide, das sich im Tagesverlauf, insbesondere bei längerem Stehen oder körperlicher Anstrengung, verstärken kann, sowie über ein Ziehen im unteren Rücken oder Bereich des Kreuzbeins. Bei einem ausgeprägten Vortreten der Gebärmutter oder benachbarter Organe kann eine sichtbare oder tastbare Vorwölbung im Bereich des Scheideneingangs bestehen. Je nachdem, welche Beckenorgane mitbetroffen sind, können zusätzlich Beschwerden beim Wasserlassen, etwa eine unvollständige Blasenentleerung, oder Beschwerden beim Stuhlgang auftreten. Auch Beschwerden beim Geschlechtsverkehr sind möglich.

Diagnostik

Die Diagnose eines Genitalprolaps wird durch eine gynäkologische Untersuchung gestellt, bei der das Ausmaß der Absenkung der betroffenen Beckenorgane sowohl in Ruhe als auch unter Pressen, das die Beschwerden im Alltag simuliert, beurteilt wird. Anhand standardisierter Klassifikationssysteme wird der Schweregrad des Prolaps eingeteilt, was für die Wahl der geeigneten Behandlung von Bedeutung ist. Bei begleitenden Beschwerden der Blasenfunktion kann eine spezielle urologische oder urogynäkologische Funktionsuntersuchung sinnvoll sein, um das Ausmaß einer möglichen Blasenentleerungsstörung zu erfassen. Eine sorgfältige Erfassung der individuellen Beschwerden im Alltag hilft, die Auswirkungen des Prolaps auf die Lebensqualität der betroffenen Frau besser einzuschätzen.

Behandlung

Die Behandlung eines Genitalprolaps richtet sich nach dessen Ausmaß sowie den individuellen Beschwerden. Bei einem geringgradigen Prolaps stehen zunächst konservative Maßnahmen im Vordergrund, insbesondere ein gezieltes Beckenbodentraining, das die verbliebene Muskulatur stärken und das weitere Fortschreiten verlangsamen kann. Bei Frauen nach den Wechseljahren kann eine lokale Hormonbehandlung mit östrogenhaltigen Präparaten die Elastizität des Scheidengewebes unterstützen. Bei ausgeprägterem Prolaps kann das Einlegen eines sogenannten Pessars, eines speziellen, in die Scheide eingebrachten Stützrings, die abgesunkenen Organe mechanisch anheben und die Beschwerden lindern. Bei einem stark ausgeprägten, die Lebensqualität erheblich beeinträchtigenden Prolaps oder bei unzureichendem Ansprechen auf konservative Maßnahmen wird eine operative Korrektur erwogen, bei der die abgesunkenen Strukturen wieder in ihre normale Position gebracht und stabilisiert werden.

Verlauf und Prognose

Ein geringgradiger Genitalprolaps bleibt bei vielen Frauen über lange Zeit stabil oder lässt sich durch konsequentes Beckenbodentraining in seinem Fortschreiten deutlich verlangsamen. Ein bereits ausgeprägter Prolaps schreitet ohne Behandlung häufig weiter fort, insbesondere wenn begünstigende Faktoren wie Übergewicht oder chronischer Husten fortbestehen. Ein Pessar kann bei vielen Frauen über Jahre eine wirksame, nichtoperative Möglichkeit zur Beschwerdelinderung darstellen, wobei regelmäßige Kontrollen notwendig sind. Nach einer operativen Korrektur bessern sich die Beschwerden bei einem erheblichen Teil der betroffenen Frauen deutlich, wobei ein gewisses Risiko für ein erneutes Absinken im weiteren Lebensverlauf besteht. Eine konsequente Umsetzung vorbeugender Maßnahmen, insbesondere regelmäßiges Beckenbodentraining, trägt wesentlich zur langfristigen Stabilität bei.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum tritt ein Genitalprolaps häufig nach Geburten auf?

Weil der Beckenboden während vaginaler Geburten, insbesondere bei mehreren Geburten, einem großen Kind oder einer langen Austreibungsphase, erheblich überdehnt wird, was die stützenden Strukturen der Beckenorgane schwächen kann.

Kann Beckenbodentraining einen Genitalprolaps rückgängig machen?

Bei einem geringgradigen Prolaps kann gezieltes Beckenbodentraining die verbliebene Muskulatur stärken und das weitere Fortschreiten deutlich verlangsamen, eine bereits eingetretene stärkere Absenkung lässt sich dadurch jedoch nicht vollständig rückgängig machen.

Was ist ein Pessar?

Ein spezieller, in die Scheide eingebrachter Stützring, der abgesunkene Beckenorgane mechanisch anhebt und die damit verbundenen Beschwerden lindern kann, ohne dass eine Operation notwendig ist.

Wann wird eine Operation bei Genitalprolaps empfohlen?

Bei einem stark ausgeprägten, die Lebensqualität erheblich beeinträchtigenden Prolaps oder bei unzureichendem Ansprechen auf konservative Maßnahmen wie Beckenbodentraining oder ein Pessar.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen