Geburtshindernis durch ungewöhnlich großen Fetus
Ein Geburtshindernis durch ungewöhnlich großen Fetus liegt vor, wenn das Geburtsgewicht des Kindes deutlich über dem durchschnittlichen Bereich liegt und dadurch den natürlichen Geburtsweg besonders beansprucht. Ein überdurchschnittlich großes Kind kann, muss aber nicht zwangsläufig zu einem tatsächlichen Missverhältnis zwischen kindlicher Größe und mütterlichem Becken führen, da das Zusammenspiel beider Faktoren sowie die individuelle Beckenform der Mutter für den letztendlichen Geburtsverlauf entscheidend sind. Dieses Geburtshindernis erfordert daher stets eine individuelle Einschätzung, ob eine vaginale Geburt unter besonderer Vorsicht weiterhin möglich ist oder ob eine operative Entbindung die sicherere Wahl darstellt.
Ursachen
Ein ungewöhnlich hohes Geburtsgewicht des Kindes kann verschiedene Ursachen haben, wobei ein mütterlicher Diabetes, insbesondere ein nicht optimal eingestellter Schwangerschaftsdiabetes, zu den häufigsten begünstigenden Faktoren zählt, da ein erhöhter mütterlicher Blutzuckerspiegel das kindliche Wachstum zusätzlich anregen kann. Auch ein bereits vor der Schwangerschaft bestehendes deutliches Übergewicht der Mutter, eine ausgeprägte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft sowie eine überdurchschnittliche Schwangerschaftsdauer können zu einem überdurchschnittlichen kindlichen Geburtsgewicht beitragen. Bei einem Teil der betroffenen Schwangerschaften lässt sich zudem eine erbliche Veranlagung zu einem höheren Geburtsgewicht innerhalb der Familie feststellen.
Symptome
Ein überdurchschnittlich großer Fetus verursacht bei der Mutter außerhalb der Geburt selbst in der Regel keine eigenen, spezifischen Beschwerden, wird jedoch häufig bereits im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge durch eine über dem Durchschnitt liegende Ultraschallschätzung des kindlichen Gewichts vermutet. Während der Geburt kann sich ein tatsächliches Geburtshindernis durch einen ungewöhnlich großen Fetus durch einen fehlenden oder deutlich verzögerten Geburtsfortschritt trotz kräftiger Wehentätigkeit zeigen, insbesondere in der Austreibungsphase, wenn der kindliche Kopf trotz guter mütterlicher Mitarbeit nicht ausreichend tiefer tritt.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt durch eine Ultraschallschätzung des voraussichtlichen kindlichen Geburtsgewichts im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge, wobei diese Schätzung insbesondere bei sehr großen Kindern mit einer gewissen Ungenauigkeit behaftet sein kann. Bei Verdacht auf ein überdurchschnittliches Geburtsgewicht wird zusätzlich nach möglichen begünstigenden Faktoren wie einem Schwangerschaftsdiabetes gesucht, sofern dieser nicht bereits bekannt ist. Während der Geburt selbst liefert die kontinuierliche Beobachtung des Geburtsfortschritts die entscheidenden Informationen darüber, ob tatsächlich ein relevantes Geburtshindernis vorliegt.
Behandlung
Bei einem im Vorfeld vermuteten, deutlich überdurchschnittlichen kindlichen Gewicht wird gemeinsam mit der werdenden Mutter besprochen, ob eine geplante Schnittentbindung sinnvoll erscheint oder ob unter besonders engmaschiger Überwachung ein Versuch einer vaginalen Geburt unternommen werden kann. Zeigt sich während einer bereits begonnenen Geburt ein tatsächliches Missverhältnis durch die kindliche Größe, kann je nach genauer Situation eine instrumentelle Unterstützung der Geburt erwogen werden, wobei bei einem echten Missverhältnis häufig eine Schnittentbindung die sicherere Wahl darstellt, insbesondere um das Risiko einer Schulterdystokie zu vermeiden.
Verlauf und Prognose
Bei sorgfältiger Einschätzung und individuell angepasster Geburtsplanung ist die Prognose für Mutter und Kind bei einem ungewöhnlich großen Fetus in aller Regel gut. Da die vorgeburtliche Gewichtsschätzung mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist, gelingt bei einem Teil der betroffenen Frauen trotz vermutetem hohen Geburtsgewicht dennoch eine unkomplizierte vaginale Geburt. Bei einem tatsächlich bestehenden Missverhältnis während der Geburt ermöglicht eine rechtzeitige Entscheidung für eine Schnittentbindung, ernsthafte Komplikationen wie eine Schulterdystokie zu vermeiden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Geburt: Ablauf, Phasen und Betreuung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Welche Faktoren begünstigen ein ungewöhnlich hohes Geburtsgewicht?
Insbesondere ein mütterlicher Schwangerschaftsdiabetes, ein bereits vor der Schwangerschaft bestehendes Übergewicht sowie eine erbliche Veranlagung innerhalb der Familie.
Ist die vorgeburtliche Gewichtsschätzung immer genau?
Nein, insbesondere bei sehr großen Kindern kann die Ultraschallschätzung des Geburtsgewichts mit einer gewissen Ungenauigkeit behaftet sein.
Führt ein vermutetes hohes Geburtsgewicht immer zu einer Schnittentbindung?
Nicht zwangsläufig, bei einem Teil der betroffenen Frauen gelingt trotz vermutetem hohen Gewicht dennoch eine unkomplizierte vaginale Geburt.
Warum wird bei einem echten Missverhältnis häufig eine Schnittentbindung bevorzugt?
Um das Risiko einer Schulterdystokie sowie weiterer Komplikationen durch ein echtes Missverhältnis zwischen kindlicher Größe und mütterlichem Becken zu vermeiden.
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