Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Innere Medizin

Extraintestinale Yersiniose

Die extraintestinale Yersiniose bezeichnet eine Infektion mit Bakterien der Gattung Yersinia, bei der sich die Erreger, anders als bei der deutlich häufigeren, auf den Darm begrenzten Form, außerhalb des Magen-Darm-Trakts ausbreiten und dort verschiedene Organe befallen können. Sie entsteht meist als Komplikation einer ursprünglich im Darm lokalisierten Yersinien-Infektion, bei der die Bakterien über die Blutbahn in andere Körperregionen gestreut werden. Besonders gefährdet für einen schweren, extraintestinalen Verlauf sind Menschen mit einer erhöhten Eisenbelastung des Körpers, etwa im Rahmen einer Eisenüberladungskrankheit oder bei wiederholten Bluttransfusionen, da Yersinien für ihr Wachstum in besonderem Maße auf Eisen angewiesen sind und von einem eisenreichen Milieu im Körper profitieren.

Ursachen

Die extraintestinale Yersiniose entsteht durch eine Streuung von Yersinien-Bakterien über die Blutbahn, ausgehend von einer ursprünglich im Darm lokalisierten Infektion, die üblicherweise durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel, insbesondere unzureichend gegartes Schweinefleisch, entsteht. Bei den meisten Menschen bleibt eine Yersinien-Infektion auf den Darm begrenzt, bei bestimmten Risikogruppen kann es jedoch zu einer Ausbreitung der Bakterien in andere Organe kommen. Menschen mit einer erhöhten Eisenbelastung des Körpers, etwa bei der erblichen Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose oder bei wiederholten Bluttransfusionen im Rahmen bestimmter Bluterkrankungen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen extraintestinalen Verlauf, da Yersinien ein eisenreiches Milieu für ihr Wachstum benötigen. Auch ein allgemein geschwächtes Immunsystem sowie bestimmte chronische Lebererkrankungen begünstigen eine Streuung der Bakterien.

Symptome

Die Symptome der extraintestinalen Yersiniose hängen von den betroffenen Organen ab und können sehr vielfältig sein. Bei einer Streuung der Bakterien über die Blutbahn kann sich eine Blutvergiftung mit hohem Fieber, Schüttelfrost und ausgeprägtem Krankheitsgefühl entwickeln, die insbesondere bei Menschen mit Eisenüberladung einen besonders schweren Verlauf nehmen kann. Abszesse in Leber oder Milz können sich als lokale Schmerzen im entsprechenden Körperbereich sowie anhaltendes Fieber bemerkbar machen. Eine Beteiligung der Gelenke äußert sich durch Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung der betroffenen Gelenke, während eine Beteiligung der Augen zu einer Entzündung mit Rötung und Schmerzen führen kann. Diese vielfältigen Erscheinungsformen erschweren mitunter die rasche Zuordnung der Beschwerden zur zugrunde liegenden Yersinien-Infektion.

Diagnostik

Die Diagnose der extraintestinalen Yersiniose wird durch den kulturellen oder molekularbiologischen Nachweis von Yersinien-Bakterien aus Blut, Abszessmaterial oder Gelenkflüssigkeit gestellt, je nachdem, welches Organ betroffen ist. Eine gezielte Blutuntersuchung auf spezifische Antikörper gegen Yersinien kann ergänzend zur Diagnosesicherung beitragen, insbesondere wenn ein direkter Erregernachweis nicht gelingt. Bei Verdacht auf eine Eisenüberladung als begünstigenden Faktor wird der Eisenstoffwechsel im Blut zusätzlich untersucht. Bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder Computertomographie des Bauchraums helfen dabei, mögliche Abszesse in Leber oder Milz zu erkennen und ihre Ausdehnung zu beurteilen.

Behandlung

Die Behandlung der extraintestinalen Yersiniose erfolgt mit einer gezielten, meist intravenösen antibiotischen Therapie, die je nach Schwere des Krankheitsbildes über mehrere Wochen fortgeführt wird. Bei Menschen mit begleitender Eisenüberladung ist zusätzlich eine Behandlung der zugrunde liegenden Eisenstoffwechselstörung von Bedeutung, um das für das Bakterienwachstum begünstigende eisenreiche Milieu im Körper zu reduzieren. Vorhandene Abszesse in Leber oder Milz müssen mitunter durch eine gezielte Punktion oder operative Entlastung zusätzlich behandelt werden, da eine antibiotische Behandlung allein bei größeren Abszessen häufig nicht ausreichend wirksam ist. Bei septischem Verlauf mit Kreislaufinstabilität ist eine intensivmedizinische Betreuung notwendig.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der extraintestinalen Yersiniose hängt entscheidend von den betroffenen Organen sowie vom Vorliegen begünstigender Risikofaktoren wie einer Eisenüberladung ab. Bei rechtzeitiger Diagnosestellung und gezielter antibiotischer Behandlung ist die Prognose bei den meisten Betroffenen gut, wobei die Behandlung bei ausgedehntem Organbefall über mehrere Wochen fortgeführt werden muss. Bei Menschen mit vorbestehender Eisenüberladung und daraus resultierendem besonders schwerem Verlauf ist die Sterblichkeit trotz Behandlung erhöht, weshalb bei dieser Risikogruppe eine besonders rasche und konsequente Behandlung von großer Bedeutung ist. Nach überstandener Erkrankung sollte bei bislang unbekannter Eisenüberladung eine entsprechende Abklärung erfolgen, um das Risiko für zukünftige schwere Infektionen zu reduzieren.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum haben Menschen mit Eisenüberladung ein höheres Risiko für schwere Verläufe?

Weil Yersinien-Bakterien für ihr Wachstum in besonderem Maße auf Eisen angewiesen sind und von einem eisenreichen Milieu im Körper profitieren.

Wie unterscheidet sich die extraintestinale von der häufigeren intestinalen Yersiniose?

Bei der extraintestinalen Form breiten sich die Bakterien über die Blutbahn außerhalb des Darms aus und können verschiedene Organe wie Leber, Milz oder Gelenke befallen, während die intestinale Form auf den Darm begrenzt bleibt.

Wodurch wird eine Yersinien-Infektion meist ausgelöst?

Meist durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel, insbesondere unzureichend gegartes Schweinefleisch.

Was sollte nach einer schweren extraintestinalen Yersiniose zusätzlich abgeklärt werden?

Bei bislang unbekannter Eisenüberladung sollte eine entsprechende Abklärung des Eisenstoffwechsels erfolgen, um das Risiko künftiger schwerer Infektionen zu reduzieren.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen