Essentieller Tremor
Der essenzielle Tremor ist eine der häufigsten neurologischen Bewegungsstörungen und die häufigste Ursache für ein anhaltendes Zittern. Er zeigt sich typischerweise als Halte- und Aktionstremor, der bei bestimmten Positionen oder gezielten Bewegungen der Hände auftritt, im Gegensatz zum Ruhetremor bei Parkinson. Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen, ihre Häufigkeit nimmt jedoch mit zunehmendem Lebensalter deutlich zu.
Ursachen
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, es wird eine Funktionsstörung bestimmter Nervenbahnen im Kleinhirn und den damit verbundenen Hirnregionen angenommen, die für die Feinabstimmung von Bewegungen zuständig sind. Bei einem erheblichen Teil der Betroffenen besteht eine familiäre Häufung mit vermutlich genetischer Grundlage, auch wenn kein einzelnes verantwortliches Gen bei den meisten Betroffenen identifiziert werden konnte.
Symptome
Kennzeichnend ist ein meist symmetrisches Zittern der Hände, das beim Halten einer Position, etwa beim Ausstrecken der Arme, oder bei gezielten Bewegungen wie Schreiben oder Trinken aus einem Glas auftritt und in Ruhe typischerweise nachlässt. Seltener sind Kopf, Stimme oder Beine betroffen. Die Beschwerden verstärken sich häufig bei Stress, Müdigkeit oder Koffeinkonsum und können langsam über Jahre an Ausprägung zunehmen, ohne dass weitere neurologische Symptome hinzukommen.
Diagnostik
Die Diagnose wird überwiegend klinisch anhand des charakteristischen Erscheinungsbilds und Bewegungsmusters des Zitterns gestellt. Eine sorgfältige Unterscheidung von anderen Tremorformen, insbesondere dem Parkinson-typischen Ruhetremor, ist wichtig, da sich Verlauf und Behandlung deutlich unterscheiden. Bluttests, etwa zum Ausschluss einer Schilddrüsenüberfunktion als behandelbare Ursache von Zittern, und gegebenenfalls eine Bildgebung des Gehirns dienen dem Ausschluss anderer Erkrankungen.
Behandlung
Bei leichtem, wenig störendem Zittern ist häufig keine Behandlung notwendig. Bei beeinträchtigendem Tremor werden Betablocker oder das Antiepileptikum Primidon eingesetzt, die bei einem Teil der Betroffenen eine deutliche Linderung bringen. Bei starkem, auf Medikamente nicht ausreichend ansprechendem Tremor können fokussierter Ultraschall oder eine tiefe Hirnstimulation in spezialisierten Zentren erwogen werden. Der Verzicht auf Koffein und eine gute Stressbewältigung können die Beschwerden zusätzlich lindern.
Verlauf und Prognose
Der essenzielle Tremor verläuft meist langsam fortschreitend über viele Jahre bis Jahrzehnte, ohne die Lebenserwartung zu beeinträchtigen. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Ausprägung über lange Zeit mild, bei anderen nimmt das Zittern so stark zu, dass alltägliche Tätigkeiten wie Essen oder Schreiben erheblich erschwert werden. Mit den verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten lässt sich die Lebensqualität bei den meisten Betroffenen deutlich verbessern.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Essenzieller Tremor: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet man essenziellen Tremor von Parkinson?
Der essenzielle Tremor tritt vor allem bei Bewegung oder Halten einer Position auf und lässt in Ruhe nach, während der Parkinson-Tremor typischerweise gerade in Ruhe auftritt und bei Bewegung abnimmt.
Ist essenzieller Tremor erblich?
Bei einem großen Teil der Betroffenen besteht eine familiäre Häufung, was auf eine genetische Komponente hindeutet, auch wenn nicht bei jedem Betroffenen ein direkter Erbgang nachweisbar ist.
Verkürzt essenzieller Tremor die Lebenserwartung?
Nein, es handelt sich um eine rein die Bewegung betreffende Störung ohne Einfluss auf die Lebenserwartung.
Hilft der Verzicht auf Kaffee?
Bei manchen Betroffenen ja, da Koffein das Zittern verstärken kann, der Effekt ist jedoch individuell unterschiedlich ausgeprägt.
Weiterlesen
Prostatitis
Die Entzündung der Prostata reicht von einer akuten, fieberhaften bakteriellen Infektion bis zu einem chronischen Schmerzsyndrom ohne nachweisbare Erreger.
Weiterlesen →Nervensystem & GehirnPolyneuropathie
Polyneuropathie: wenn viele periphere Nerven gleichzeitig geschädigt sind.
Weiterlesen →Nervensystem & GehirnMuskeldystrophie Duchenne
Muskeldystrophie Duchenne: die häufigste erbliche Muskelerkrankung im Kindesalter.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.