Enteroptose
Die Enteroptose, auch als Eingeweidesenkung bezeichnet, beschreibt ein abnormes Tiefertreten oder Absinken der Darmschlingen sowie mitunter weiterer Bauchorgane innerhalb der Bauchhöhle, das durch eine Schwäche der normalerweise stützenden Bindegewebsstrukturen des Bauchraums entsteht. Diese Bindegewebsstrukturen, insbesondere das den Darm im Bauchraum aufhängende Gewebe, halten die Baucheingeweide normalerweise in ihrer anatomisch korrekten Position, wobei eine Schwächung dieser Strukturen zu einem allmählichen Absinken der betroffenen Organe in Richtung des unteren Bauchraums führen kann. Die Enteroptose wurde in früheren Jahrzehnten häufiger als eigenständige Ursache verschiedener Bauchbeschwerden angesehen, wird heute jedoch überwiegend als anatomischer Befund verstanden, dessen tatsächliche klinische Bedeutung sowie Zusammenhang mit möglichen Beschwerden im Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss.
Ursachen
Die Enteroptose entsteht durch eine Schwächung der Bindegewebsstrukturen, die den Darm sowie weitere Baucheingeweide normalerweise in ihrer anatomisch korrekten Position innerhalb der Bauchhöhle halten, wobei diese Schwächung durch verschiedene Faktoren begünstigt werden kann. Ein ausgeprägter, insbesondere rascher Gewichtsverlust, wie er etwa nach einer schweren Erkrankung oder einer starken Diät auftreten kann, führt zu einem Verlust des stützenden Fettgewebes im Bauchraum und kann dadurch die Neigung zu einer Enteroptose begünstigen. Eine allgemeine, konstitutionelle Bindegewebsschwäche, wie sie bei manchen Menschen, insbesondere bei einem schlanken, asthenischen Körperbau, von Natur aus vorliegt, sowie eine Erschlaffung der Bauchmuskulatur nach mehreren Schwangerschaften oder im höheren Lebensalter tragen ebenfalls zur Entstehung einer Enteroptose bei.
Symptome
Die Enteroptose verläuft bei einem erheblichen Teil der Betroffenen völlig beschwerdefrei und wird lediglich als anatomischer Zufallsbefund im Rahmen einer bildgebenden Untersuchung aus anderem Anlass festgestellt, ohne dass ein eindeutiger Zusammenhang mit bestehenden Beschwerden hergestellt werden kann. Bei einem Teil der Betroffenen werden jedoch unspezifische Bauchbeschwerden wie ein Ziehen oder Druckgefühl im Unterbauch, das sich insbesondere im Stehen verstärkt und im Liegen bessert, sowie gelegentliche Verdauungsstörungen wie ein Völlegefühl oder eine veränderte Stuhlgewohnheit mit der Enteroptose in Verbindung gebracht, wobei ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen unspezifischen Beschwerden und dem bildgebend festgestellten Absinken der Darmschlingen im Einzelfall oft schwer zu beweisen ist.
Diagnostik
Die Diagnose der Enteroptose wird durch eine bildgebende Untersuchung des Bauchraums, insbesondere eine Röntgenkontrastuntersuchung des Darms oder eine Computertomographie, gestellt, in der sich das abnorme Tiefertreten der Darmschlingen innerhalb der Bauchhöhle darstellen lässt, wobei die Untersuchung sowohl im Liegen als auch im Stehen erfolgen kann, um das lageabhängige Ausmaß der Senkung zu beurteilen. Da die Enteroptose bei vielen Menschen ohne jegliche Beschwerden vorliegt, ist eine sorgfältige klinische Einordnung des bildgebenden Befundes im Zusammenhang mit den tatsächlich geschilderten Beschwerden von großer Bedeutung, um eine übermäßige, nicht gerechtfertigte Zuschreibung unspezifischer Bauchbeschwerden zu diesem anatomischen Befund zu vermeiden. Andere, häufigere Ursachen ähnlicher Beschwerden werden im Rahmen der Diagnostik sorgfältig mitbedacht und gegebenenfalls ausgeschlossen.
Behandlung
Bei beschwerdefreier Enteroptose ist keine spezifische Behandlung notwendig, da es sich um einen anatomischen Befund ohne eigenständigen Krankheitswert handelt. Bei Betroffenen mit tatsächlich damit in Verbindung gebrachten Beschwerden steht eine konservative Behandlung im Vordergrund, die eine gezielte Stärkung der Bauchmuskulatur durch entsprechendes körperliches Training sowie in ausgewählten Fällen das Tragen einer stützenden Bauchbinde umfassen kann, die die abgesunkenen Baucheingeweide von außen unterstützt und die Beschwerden bei manchen Betroffenen lindert. Eine operative Behandlung der Enteroptose selbst wird heute nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen erwogen, da der Nutzen eines solchen Eingriffs angesichts der meist unspezifischen Beschwerdesymptomatik sowie des unsicheren ursächlichen Zusammenhangs kritisch hinterfragt wird.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Enteroptose ist bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen sehr gut, da es sich um einen gutartigen, in den meisten Fällen folgenlosen anatomischen Befund handelt, der keine ernsthaften gesundheitlichen Risiken mit sich bringt. Bei Betroffenen mit tatsächlich zugeordneten Beschwerden kann eine gezielte konservative Behandlung, insbesondere eine Kräftigung der Bauchmuskulatur, zu einer Linderung der Beschwerden beitragen, wobei die Erwartungen an eine vollständige Beschwerdefreiheit angesichts der oft unspezifischen Symptomatik realistisch eingeschätzt werden sollten. Der Verlauf ist in der Regel chronisch-stabil, ohne ein Fortschreiten zu ernsteren Komplikationen, sodass eine regelmäßige, engmaschige ärztliche Verlaufskontrolle bei dieser Erkrankung üblicherweise nicht erforderlich ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Enteroptose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist eine Enteroptose immer krankhaft?
Nein, sie verläuft bei einem erheblichen Teil der Betroffenen völlig beschwerdefrei und wird oft nur als Zufallsbefund entdeckt.
Welche Faktoren begünstigen eine Enteroptose?
Ein ausgeprägter Gewichtsverlust, eine konstitutionelle Bindegewebsschwäche sowie eine Erschlaffung der Bauchmuskulatur nach Schwangerschaften oder im höheren Alter.
Wie wird eine beschwerdeverursachende Enteroptose behandelt?
Konservativ, mit gezieltem Training der Bauchmuskulatur sowie gegebenenfalls einer stützenden Bauchbinde.
Wird die Enteroptose operiert?
Nur in äußerst seltenen Ausnahmefällen, da der Nutzen einer Operation angesichts der meist unspezifischen Beschwerden kritisch hinterfragt wird.
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