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Psyche & Nervensystem

Emotionale Störung mit Geschwisterrivalität

Die emotionale Störung mit Geschwisterrivalität ist eine kinderpsychiatrische Störung, die typischerweise nach der Geburt eines jüngeren Geschwisterkindes auftritt und durch ausgeprägte emotionale Auffälligkeiten sowie Verhaltensänderungen des älteren Kindes gekennzeichnet ist, die deutlich über das übliche Maß kindlicher Eifersucht oder Anpassungsschwierigkeiten hinausgehen. Ein gewisses Maß an Rivalitätsgefühlen gegenüber einem neuen Geschwisterkind gilt als normaler Bestandteil der kindlichen Entwicklung, bei der emotionalen Störung mit Geschwisterrivalität sind die emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten jedoch deutlich stärker ausgeprägt, halten über einen längeren Zeitraum an und führen zu erheblichem Leidensdruck sowie Beeinträchtigungen im familiären Alltag.

Ursachen

Die Entstehung der emotionalen Störung mit Geschwisterrivalität wird vor allem im Zusammenhang mit der veränderten familiären Situation nach der Geburt eines jüngeren Geschwisterkindes gesehen, insbesondere mit der damit verbundenen Verschiebung elterlicher Aufmerksamkeit und Zuwendung. Kinder, die die Geburt eines Geschwisterkindes als Bedrohung ihrer bisherigen besonderen Stellung in der Familie erleben, können mit ausgeprägten Eifersuchtsgefühlen, Ängsten vor Liebesentzug oder dem Gefühl, weniger wichtig zu sein, reagieren. Ein von früh an eher ängstliches oder emotional sensibles Temperament sowie ein geringes Alter des älteren Kindes zum Zeitpunkt der Geburt des Geschwisterkindes gelten als begünstigende Faktoren. Auch eine unzureichende Vorbereitung und Einbindung des älteren Kindes in die veränderte familiäre Situation kann zur Entstehung der Störung beitragen.

Symptome

Betroffene Kinder zeigen nach der Geburt des Geschwisterkindes ausgeprägte emotionale Auffälligkeiten wie vermehrtes Weinen, Reizbarkeit, Rückzug oder aggressives Verhalten, das sich sowohl gegen das Geschwisterkind als auch gegen die Eltern richten kann. Häufig treten regressive Verhaltensweisen auf, bei denen das Kind zu bereits überwundenen früheren Entwicklungsstufen zurückkehrt, etwa erneutes Einnässen, kindlichere Sprache oder verstärktes Bedürfnis nach körperlicher Nähe und Aufmerksamkeit. Auch Schlafstörungen, vermehrtes Anklammern an die Eltern sowie eine ablehnende oder eifersüchtige Haltung gegenüber dem Geschwisterkind gehören zum typischen Symptombild. Die Symptomatik kann sich zudem in schulischen oder sozialen Bereichen zeigen, etwa durch verminderte Konzentration oder vermehrte Konflikte mit Gleichaltrigen.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch ein ausführliches kinderpsychiatrisches oder entwicklungspsychologisches Gespräch, in dem der zeitliche Zusammenhang zwischen der Geburt des Geschwisterkindes und dem Auftreten der emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten sowie deren Ausmaß und Dauer sorgfältig erfasst werden. Wichtig ist die Einbeziehung der Eltern, um sowohl die familiäre Situation als auch das Verhalten des Kindes in unterschiedlichen Alltagssituationen umfassend zu erfassen. Entscheidend für die Diagnose ist, dass die emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten deutlich über das übliche Maß kindlicher Geschwisterrivalität hinausgehen, über einen bedeutsamen Zeitraum anhalten und zu erheblichem Leidensdruck oder Beeinträchtigungen im familiären Alltag führen.

Behandlung

Die Behandlung der emotionalen Störung mit Geschwisterrivalität stützt sich vor allem auf eine Beratung der Eltern, wie sie dem älteren Kind gezielt zusätzliche Aufmerksamkeit und Sicherheit vermitteln können, etwa durch bewusst eingeplante gemeinsame Zeit ohne das Geschwisterkind sowie eine aktive Einbindung des älteren Kindes in die Versorgung des jüngeren Geschwisterkindes, soweit altersgemäß möglich. Eine kindgerechte, einfühlsame Kommunikation über die Gefühle des Kindes sowie die Bestätigung, dass die elterliche Liebe durch das Geschwisterkind nicht geschmälert wird, ist von zentraler Bedeutung. Bei ausgeprägter oder anhaltender Symptomatik kann eine begleitende kinderpsychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein, um dem Kind zu helfen, seine Gefühle zu verarbeiten und einen konstruktiven Umgang mit der veränderten familiären Situation zu entwickeln.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der emotionalen Störung mit Geschwisterrivalität ist bei einfühlsamer Unterstützung durch die Eltern insgesamt sehr günstig, bei den meisten betroffenen Kindern bilden sich die emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten innerhalb weniger Wochen bis Monate zurück, sobald sich das Kind in der veränderten familiären Situation sicherer fühlt. Ohne ausreichende Unterstützung kann die Symptomatik jedoch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben und die Geschwisterbeziehung sowie das familiäre Klima nachhaltig belasten. Eine frühzeitige, einfühlsame Begleitung durch die Eltern sowie gegebenenfalls zusätzliche therapeutische Unterstützung bei ausgeprägter Symptomatik verbessern die langfristige Prognose deutlich.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Ist Eifersucht auf ein Geschwisterkind normal?

Ein gewisses Maß an Rivalitätsgefühlen gilt als normaler Bestandteil der kindlichen Entwicklung; eine Störung liegt erst vor, wenn die emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten deutlich stärker ausgeprägt sind und über längere Zeit anhalten.

Was bedeutet regressives Verhalten in diesem Zusammenhang?

Regressives Verhalten beschreibt die Rückkehr zu bereits überwundenen früheren Entwicklungsstufen, etwa erneutes Einnässen oder kindlichere Sprache, als Reaktion auf die veränderte familiäre Situation.

Wie können Eltern ihrem älteren Kind helfen?

Bewusst eingeplante gemeinsame Zeit ohne das Geschwisterkind, die aktive Einbindung in die Versorgung des Geschwisterkindes sowie eine einfühlsame Kommunikation über die Gefühle des Kindes können hilfreich sein.

Wann sollte therapeutische Unterstützung in Anspruch genommen werden?

Bei ausgeprägter oder anhaltender Symptomatik, die sich nicht innerhalb weniger Wochen bis Monate von selbst bessert, kann eine begleitende kinderpsychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein.

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