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Innere Medizin

Bagassose

Die Bagassose ist eine allergische Entzündung des Lungengewebes, die durch das Einatmen von Schimmelpilzsporen aus verschimmeltem Bagasse, also den nach dem Auspressen des Zuckerrohrs verbleibenden Faserresten, entsteht. Sie zählt ebenfalls zu den exogen-allergischen Alveolitiden und betrifft vor allem Beschäftigte in der zuckerverarbeitenden Industrie, die mit der Lagerung, dem Transport oder der Weiterverarbeitung von Bagasse zu tun haben, welche unter anderem als Rohstoff für die Papier- und Pappenherstellung sowie als Brennstoff eingesetzt wird. Wird die feuchte Bagasse nicht ausreichend getrocknet gelagert, können sich darin hitzeliebende Bakterien und Schimmelpilze stark vermehren, deren Sporen beim Umschichten oder Verarbeiten des Materials in großen Mengen freigesetzt werden und bei entsprechend sensibilisierten Personen die charakteristische allergische Lungenreaktion auslösen.

Ursachen

Die Bagassose entsteht durch eine immunologische Überempfindlichkeitsreaktion gegenüber Bestandteilen hitzeliebender Mikroorganismen, die sich in feucht gelagerter, nicht ausreichend getrockneter Bagasse stark vermehren, dem faserigen Rückstand, der nach dem Auspressen von Zuckerrohr zur Gewinnung des Zuckersafts übrig bleibt. Beim Umschichten, Transportieren oder Weiterverarbeiten des verschimmelten Materials werden feinste Sporen freigesetzt, die tief in die Lungenbläschen eingeatmet werden und dort bei entsprechend veranlagten Personen eine ausgeprägte Entzündungsreaktion auslösen. Diese Sensibilisierung entwickelt sich meist erst nach wiederholtem Kontakt mit dem auslösenden Material über einen längeren Zeitraum. Besonders betroffen sind Beschäftigte in Zuckerfabriken sowie in nachgeschalteten Industriezweigen, die Bagasse als Rohstoff für die Herstellung von Papier, Pappe oder als Brennstoff weiterverarbeiten, insbesondere in tropischen und subtropischen Anbauregionen von Zuckerrohr.

Symptome

Die akute Bagassose äußert sich typischerweise vier bis acht Stunden nach intensivem Kontakt mit verschimmelter Bagasse durch plötzlich einsetzendes Fieber, Schüttelfrost, trockenen Husten sowie Atemnot, begleitet von einem ausgeprägten allgemeinen Krankheitsgefühl mit Muskel- und Gliederschmerzen, das einem grippalen Infekt ähnelt und dem Beschwerdebild anderer exogen-allergischer Alveolitiden entspricht. Diese Beschwerden klingen bei einmaligem Kontakt meist innerhalb weniger Tage von selbst wieder ab, treten jedoch bei erneutem Kontakt mit dem auslösenden Material regelmäßig erneut auf. Bei wiederholter, langjähriger Exposition ohne ausreichende Schutzmaßnahmen kann sich eine chronische Form mit fortschreitender Atemnot, anhaltendem Husten sowie einem allmählichen Gewichtsverlust entwickeln, die auf eine zunehmende, bleibende Vernarbung des Lungengewebes zurückzuführen ist.

Diagnostik

Die Diagnose der Bagassose stützt sich auf die charakteristische berufliche Vorgeschichte mit Kontakt zu verschimmelter Bagasse sowie auf die typische zeitliche Beziehung zwischen der Exposition und dem verzögerten Auftreten der grippeähnlichen Beschwerden. Eine Blutuntersuchung zum Nachweis spezifischer Antikörper gegen die auslösenden Mikroorganismen sowie eine hochauflösende Computertomographie der Lunge, die bei der akuten Form charakteristische milchglasartige Trübungen und bei der chronischen Form zunehmend narbige Veränderungen zeigt, ergänzen die Diagnostik. Eine Lungenfunktionsprüfung dient der Beurteilung des Ausmaßes einer bereits eingetretenen Funktionseinschränkung. In unklaren Fällen kann eine Lungenspiegelung mit Gewinnung von Spülflüssigkeit zur weiteren Diagnosesicherung beitragen.

Behandlung

Die wichtigste Behandlungsmaßnahme bei der Bagassose ist die konsequente Vermeidung des weiteren Kontakts mit verschimmelter Bagasse, was durch verbesserte Trocknungs- und Lagerungsmethoden des Materials sowie durch das Tragen geeigneter Atemschutzmasken bei unvermeidbarem Kontakt erreicht werden kann. Bei akuten Krankheitsschüben werden entzündungshemmende Kortisonpräparate eingesetzt, um die Entzündungsreaktion des Lungengewebes rasch zu kontrollieren und die Beschwerden zu lindern. Bei chronischer Form mit fortschreitender Vernarbung des Lungengewebes kann eine längerfristige Kortisonbehandlung notwendig werden, wobei bereits eingetretene narbige Veränderungen durch die Behandlung nicht rückgängig gemacht werden können. Eine Sauerstofftherapie kann bei fortgeschrittener Erkrankung mit deutlicher Einschränkung der Lungenfunktion erforderlich werden.

Verlauf und Prognose

Bei konsequenter Meidung des auslösenden verschimmelten Materials sowie rechtzeitiger Diagnosestellung ist die Prognose der akuten Bagassose gut, wobei sich die Beschwerden meist deutlich bessern oder vollständig zurückbilden. Wird die Erkrankung jedoch nicht erkannt oder besteht die Exposition trotz wiederkehrender Beschwerden über Jahre fort, kann sich eine chronische, fortschreitende Vernarbung des Lungengewebes mit dauerhafter Einschränkung der Lungenfunktion entwickeln, die auch nach Beendigung der Exposition nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Eine sachgerechte Lagerung und Trocknung von Bagasse in den betroffenen Industriezweigen sowie eine regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung exponierter Beschäftigter tragen wesentlich zur Vorbeugung und Früherkennung bei.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist Bagasse?

Der faserige Rückstand, der nach dem Auspressen von Zuckerrohr zur Gewinnung des Zuckersafts übrig bleibt und unter anderem für die Papierherstellung verwendet wird.

Wer ist besonders von der Bagassose betroffen?

Vor allem Beschäftigte in Zuckerfabriken sowie in Industriezweigen, die Bagasse als Rohstoff weiterverarbeiten, insbesondere in Anbauregionen von Zuckerrohr.

Bildet sich die akute Bagassose von selbst zurück?

Bei einmaligem Kontakt klingen die Beschwerden meist innerhalb weniger Tage von selbst ab, kehren jedoch bei erneutem Kontakt regelmäßig wieder.

Wie lässt sich der Erkrankung vorbeugen?

Durch sachgerechte Trocknung und Lagerung der Bagasse sowie durch das Tragen geeigneter Atemschutzmasken bei unvermeidbarem Kontakt mit dem Material.

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