Asbestose (Pneumokoniose durch Asbest)
Die Asbestose ist eine berufsbedingte Lungenerkrankung, die durch die langjährige Einatmung feiner Asbestfasern entsteht und zu einer fortschreitenden Vernarbung des Lungengewebes führt. Asbest wurde über Jahrzehnte in zahlreichen Bau- und Industrieprodukten aufgrund seiner hitze- und feuerbeständigen Eigenschaften verwendet, bevor sein gesundheitsschädigendes Potenzial umfassend erkannt und seine Verwendung in vielen Ländern schließlich verboten wurde. Die eingeatmeten, mikroskopisch feinen Asbestfasern verbleiben aufgrund ihrer Beschaffenheit über sehr lange Zeit im Lungengewebe und lösen dort eine anhaltende Entzündungsreaktion mit fortschreitender Vernarbung aus. Über die eigentliche Lungenvernarbung hinaus erhöht eine Asbestexposition zusätzlich deutlich das Risiko für bestimmte, besonders aggressive Krebserkrankungen des Rippen- und Lungenfells.
Ursachen
Die Asbestose entsteht durch die langjährige, wiederholte Einatmung feiner Asbestfasern, wie sie insbesondere bei Tätigkeiten im Bauwesen, bei der Isolierung von Rohrleitungen, im Schiffbau sowie bei der Herstellung und Verarbeitung asbesthaltiger Materialien auftreten konnte, bevor die Verwendung von Asbest in vielen Ländern verboten wurde. Die eingeatmeten Asbestfasern gelangen bis in die feinsten Verästelungen der Lunge, wo sie aufgrund ihrer besonderen, nadelförmigen Struktur nur sehr schwer wieder abgebaut werden können und über Jahrzehnte im Lungengewebe verbleiben, was eine anhaltende, chronische Entzündungsreaktion mit fortschreitender Vernarbung zur Folge hat. Auch Menschen, die nicht selbst direkt mit Asbest arbeiteten, jedoch in unmittelbarer Umgebung entsprechender Arbeiten tätig waren, können durch die Belastung der Umgebungsluft betroffen sein.
Symptome
Die Asbestose entwickelt sich meist schleichend über Jahrzehnte nach Beginn der Asbestexposition und äußert sich durch eine langsam zunehmende Atemnot, zunächst bei körperlicher Belastung, später auch in Ruhe, begleitet von einem trockenen, anhaltenden Husten. Viele Betroffene bemerken zudem eine rasche Ermüdbarkeit sowie eine zunehmende Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit. Da zwischen der ersten Asbestexposition und dem Auftreten spürbarer Beschwerden häufig mehrere Jahrzehnte vergehen können, wird die Erkrankung mitunter erst lange nach Beendigung der beruflichen Tätigkeit diagnostiziert. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung mit ausgedehnter Lungenvernarbung kann sich zusätzlich eine Belastung des rechten Herzens entwickeln.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine ausführliche Arbeitsanamnese mit genauer Erfassung der Art und Dauer einer möglichen Asbestexposition, häufig auch weit zurückliegender Tätigkeiten, sowie durch eine Computertomographie der Lunge gestellt, die die charakteristischen Vernarbungsmuster sowie mögliche Verkalkungen des Rippenfells sichtbar machen kann. Eine Lungenfunktionsprüfung erfasst das Ausmaß einer bereits eingetretenen Beeinträchtigung der Atemfunktion. Aufgrund des erhöhten Risikos für bestimmte Krebserkrankungen bei asbestexponierten Personen werden regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen empfohlen, die auch der frühzeitigen Erkennung solcher Folgeerkrankungen dienen. Eine sorgfältige Dokumentation der beruflichen Exposition ist zudem für eine mögliche Anerkennung als Berufskrankheit von Bedeutung.
Behandlung
Eine ursächliche Behandlung, die die bereits eingetretene Lungenvernarbung rückgängig machen könnte, steht nicht zur Verfügung. Die Behandlung zielt daher auf eine Linderung der Symptome sowie die Vermeidung eines weiteren Fortschreitens ab, wobei die wichtigste Maßnahme die vollständige Beendigung jeder weiteren Asbestexposition ist. Ein konsequenter Rauchverzicht ist von besonderer Bedeutung, da Rauchen in Kombination mit einer Asbestexposition das Risiko für Lungenkrebs um ein Vielfaches erhöht. Bei bestehender Atemnot können bronchialerweiternde Medikamente sowie, bei fortgeschrittener Erkrankung, eine Sauerstofftherapie eingesetzt werden. Regelmäßige Grippe- und Pneumokokkenimpfungen werden empfohlen, um das Risiko zusätzlicher, die vorgeschädigte Lunge belastender Atemwegsinfektionen zu senken.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der Asbestose ist meist langsam fortschreitend über viele Jahre, wobei sich die Erkrankung auch nach vollständiger Beendigung der Asbestexposition mitunter noch weiter verschlechtern kann, da die bereits im Lungengewebe eingelagerten Asbestfasern über Jahrzehnte verbleiben. Über die eigentliche Lungenvernarbung hinaus tragen asbestexponierte Personen ein deutlich erhöhtes, lebenslanges Risiko für die Entwicklung von Lungenkrebs sowie eines seltenen, besonders aggressiven Tumors des Rippen- oder Bauchfells, weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen von großer Bedeutung sind. Eine frühzeitige Diagnose sowie konsequenter Rauchverzicht tragen wesentlich dazu bei, das Gesamtrisiko für Folgeerkrankungen zu senken und die verbleibende Lungenfunktion möglichst lange zu erhalten.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Asbestose (Pneumokoniose durch Asbest): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum können zwischen Asbestexposition und ersten Beschwerden Jahrzehnte vergehen?
Weil die nadelförmigen Asbestfasern aufgrund ihrer besonderen Struktur nur sehr schwer abgebaut werden können und über Jahrzehnte im Lungengewebe verbleiben, wobei sich die daraus resultierende Vernarbung erst allmählich entwickelt.
Warum ist Rauchen bei Asbestexposition besonders gefährlich?
Weil Rauchen in Kombination mit einer Asbestexposition das Risiko für Lungenkrebs um ein Vielfaches erhöht, deutlich stärker, als es bei jedem der beiden Faktoren allein der Fall wäre.
Erhöht Asbest nur das Risiko für Lungenvernarbung?
Nein, eine Asbestexposition erhöht zusätzlich deutlich das Risiko für Lungenkrebs sowie für einen seltenen, besonders aggressiven Tumor des Rippen- oder Bauchfells, weshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig sind.
Kann man noch heute an Asbestose erkranken, obwohl Asbest verboten ist?
Ja, da die Erkrankung sich erst Jahrzehnte nach der Exposition zeigen kann, werden auch heute noch Fälle bei Menschen diagnostiziert, die vor dem Verbot beruflich mit Asbest in Kontakt kamen.
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