Angiodysplasie des Kolons
Die Angiodysplasie des Kolons bezeichnet eine erworbene, gutartige Fehlbildung kleiner Blutgefäße innerhalb der Dickdarmschleimhaut, bei der sich erweiterte, fragile Gefäßknäuel bilden, die zu wiederkehrenden, mitunter schwer lokalisierbaren Darmblutungen führen können. Diese Gefäßveränderungen entstehen vermutlich als Folge altersbedingter Abnutzungsprozesse der Darmwandgefäße und betreffen daher überwiegend ältere Menschen, wobei die rechte Seite des Dickdarms besonders häufig betroffen ist. Die Angiodysplasie zählt zu den häufigeren Ursachen unklarer, wiederkehrender Darmblutungen bei älteren Menschen und stellt aufgrund ihrer oft kleinen Größe sowie ihrer unregelmäßigen Blutungsaktivität eine besondere diagnostische Herausforderung dar.
Ursachen
Die genaue Ursache der Angiodysplasie des Kolons wird auf altersbedingte, degenerative Veränderungen der kleinen Blutgefäße innerhalb der Darmwand zurückgeführt, bei denen sich im Laufe der Jahre durch wiederholte, geringfügige Verlegungen der venösen Abflussgefäße im Bereich der Darmmuskulatur erweiterte, dünnwandige Gefäßknäuel in der Schleimhaut bilden. Diese erworbene Gefäßfehlbildung tritt daher überwiegend bei älteren Menschen auf und wird mit zunehmendem Lebensalter häufiger festgestellt. Eine Assoziation mit bestimmten Herzklappenerkrankungen, insbesondere einer Verengung der Aortenklappe, wird seit langem diskutiert, wobei der genaue Zusammenhang zwischen diesen beiden Erkrankungen nicht vollständig verstanden ist. Auch bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung sowie bei bestimmten Gerinnungsstörungen wird die Angiodysplasie gehäuft beobachtet.
Symptome
Die Angiodysplasie des Kolons äußert sich durch wiederkehrende Darmblutungen, die von einer geringfügigen, nur durch spezielle Stuhltests nachweisbaren Blutbeimengung bis zu einer deutlich sichtbaren, teils erheblichen Blutung mit blutigem oder dunkel gefärbtem Stuhl reichen können. Charakteristisch für diese Erkrankung ist die Unvorhersehbarkeit sowie der wiederkehrende, episodenhafte Charakter der Blutungen, die sich über Wochen bis Monate immer wieder ereignen können, ohne dass ein eindeutiger auslösender Faktor erkennbar ist. Bei chronischem, über längere Zeit anhaltendem, geringgradigem Blutverlust entwickelt sich bei vielen Betroffenen eine Blutarmut mit entsprechender Müdigkeit, Blässe sowie verminderter Leistungsfähigkeit, ohne dass eine einzelne, deutlich sichtbare Blutungsepisode aufgefallen wäre.
Diagnostik
Die Diagnose der Angiodysplasie des Kolons wird durch eine Darmspiegelung gestellt, in der sich die charakteristischen, meist mehrere Millimeter großen, rötlichen, spinnenartig verzweigten Gefäßveränderungen der Darmschleimhaut direkt darstellen lassen. Da diese Gefäßveränderungen jedoch nicht kontinuierlich bluten, kann eine Darmspiegelung außerhalb einer akuten Blutungsepisode die tatsächliche Blutungsquelle mitunter übersehen, weshalb bei unklaren, wiederkehrenden Blutungen ergänzende Untersuchungen wie eine Kapselendoskopie, bei der eine kleine Kamera in Kapselform den gesamten Verdauungstrakt passiert, oder eine spezielle Gefäßdarstellung mittels Computertomographie eingesetzt werden können. Bei akuter, ausgeprägter Blutung kann zudem eine Katheteruntersuchung der Darmgefäße zur gezielten Lokalisation der aktiven Blutungsquelle durchgeführt werden.
Behandlung
Die Behandlung der Angiodysplasie des Kolons erfolgt bei entdeckten, blutenden Gefäßveränderungen bevorzugt endoskopisch im Rahmen der Darmspiegelung, bei der die betroffenen Gefäßknäuel mittels verschiedener Verfahren, etwa einer thermischen Verödung, gezielt verschlossen werden, um weitere Blutungen an dieser Stelle zu verhindern. Bei ausgeprägtem, akutem Blutverlust wird zusätzlich eine Kreislaufstabilisierung mit intravenöser Flüssigkeitszufuhr sowie bei Bedarf einer Bluttransfusion eingeleitet. Bei wiederholten, schwer zu lokalisierenden oder endoskopisch nicht ausreichend beherrschbaren Blutungen kann in ausgewählten Fällen eine gezielte Gefäßverödung mittels Katheterverfahren oder, selten, eine operative Entfernung des betroffenen Darmabschnitts erwogen werden. Bei chronischer Blutarmut durch wiederholte, geringfügige Blutungen wird zudem eine Eisensubstitution sowie gegebenenfalls eine Bluttransfusion notwendig.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Angiodysplasie des Kolons ist bei den meisten Betroffenen insgesamt gut, wobei die Erkrankung selten lebensbedrohlich verläuft, jedoch durch ihre wiederkehrende Natur eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie wiederholte medizinische Abklärungen und Behandlungen zur Folge haben kann. Nach erfolgreicher endoskopischer Verödung entdeckter Gefäßveränderungen bleibt ein gewisses Risiko für die Bildung neuer, bislang unentdeckter Angiodysplasien an anderer Stelle des Darms bestehen, weshalb Rezidive der Blutung im weiteren Verlauf nicht ungewöhnlich sind. Eine regelmäßige gastroenterologische Nachsorge mit Kontrolle der Blutwerte sowie erneuten Untersuchungen bei wiederkehrenden Blutungszeichen wird für Betroffene mit dieser Erkrankung empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Angiodysplasie des Kolons: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wer ist am häufigsten von einer Angiodysplasie betroffen?
Überwiegend ältere Menschen, da die Erkrankung auf altersbedingte, degenerative Veränderungen der Darmgefäße zurückgeführt wird.
Warum ist die Blutungsquelle mitunter schwer zu finden?
Weil die Gefäßveränderungen nicht kontinuierlich bluten und eine Darmspiegelung außerhalb einer akuten Blutungsepisode die Blutungsquelle übersehen kann.
Mit welcher Herzerkrankung wird ein Zusammenhang diskutiert?
Mit einer Verengung der Aortenklappe, wobei der genaue Zusammenhang nicht vollständig verstanden ist.
Wie werden entdeckte Gefäßveränderungen behandelt?
Bevorzugt endoskopisch im Rahmen der Darmspiegelung mittels gezielter thermischer Verödung.
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