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Psyche & Nervensystem

Andere Intelligenzminderung

Andere Intelligenzminderung ist eine diagnostische Restkategorie, die für Fälle von Intelligenzminderung verwendet wird, bei denen eine Einordnung in eine der klassischen Schweregradstufen von leicht bis schwerst mit den üblichen diagnostischen Verfahren nicht zuverlässig möglich ist. Dies betrifft insbesondere Situationen, in denen begleitende Beeinträchtigungen wie eine ausgeprägte Seh- oder Hörstörung, eine schwere körperliche Behinderung, eine zusätzliche schwere Sprach- oder Kommunikationsstörung oder eine tiefgreifende Entwicklungsstörung die standardisierte Testung der intellektuellen Fähigkeiten erheblich erschweren oder unmöglich machen. Die Diagnose macht deutlich, dass eine klinisch bedeutsame intellektuelle Beeinträchtigung vorliegt, deren genauer Schweregrad jedoch aufgrund methodischer Einschränkungen nicht sicher bestimmt werden kann.

Ursachen

Die Ursachen einer zugrunde liegenden Intelligenzminderung, die unter der Kategorie andere Intelligenzminderung erfasst wird, entsprechen im Wesentlichen den Ursachen der übrigen Schweregradstufen und können genetische Veränderungen, Fehlbildungen des Gehirns, Stoffwechselerkrankungen oder Komplikationen während Schwangerschaft, Geburt oder früher Kindheit umfassen. Charakteristisch für diese diagnostische Kategorie ist jedoch nicht eine spezifische Ursache der Intelligenzminderung selbst, sondern das zusätzliche Vorliegen begleitender Beeinträchtigungen, etwa einer ausgeprägten Sinnesbehinderung, einer schweren körperlichen Behinderung oder einer zusätzlichen tiefgreifenden Entwicklungsstörung, die eine zuverlässige Erfassung des intellektuellen Schweregrads mit standardisierten Verfahren erschweren. Diese begleitenden Beeinträchtigungen können eigenständige zusätzliche Ursachen haben oder mit der der Intelligenzminderung zugrunde liegenden Erkrankung in Zusammenhang stehen.

Symptome

Die Symptomatik entspricht grundsätzlich der einer Intelligenzminderung mit entsprechenden Einschränkungen kognitiver und alltagspraktischer Fähigkeiten, wird jedoch durch die zusätzlich bestehenden begleitenden Beeinträchtigungen überlagert und in ihrer genauen Ausprägung erschwert einschätzbar. Bei einer zusätzlichen schweren Hör- oder Sehbeeinträchtigung etwa kann die Fähigkeit zur sprachlichen oder visuellen Verständigung zusätzlich eingeschränkt sein, unabhängig vom eigentlichen Ausmaß der intellektuellen Beeinträchtigung. Bei einer begleitenden schweren körperlichen Behinderung können motorische Einschränkungen die Durchführung standardisierter Testverfahren erheblich erschweren, obwohl die zugrunde liegenden kognitiven Fähigkeiten davon unabhängig zu bewerten wären. Die individuelle Symptomatik ist daher stark von der Art und dem Ausmaß der jeweils zusätzlich bestehenden Beeinträchtigung geprägt.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfordert ein besonders sorgfältiges, individuell angepasstes Vorgehen, da die üblichen standardisierten Intelligenztests aufgrund der begleitenden Beeinträchtigungen nicht zuverlässig durchführbar oder interpretierbar sind. Häufig kommen spezialisierte, an die jeweilige Beeinträchtigung angepasste Testverfahren zum Einsatz, etwa nonverbale Testverfahren bei begleitenden Sprach- oder Hörstörungen, wobei auch diese angepassten Verfahren die tatsächlichen intellektuellen Fähigkeiten nicht immer vollständig zuverlässig erfassen können. Die Diagnose andere Intelligenzminderung wird gestellt, wenn eine klinisch bedeutsame intellektuelle Beeinträchtigung erkennbar ist, der genaue Schweregrad jedoch aufgrund der methodischen Einschränkungen nicht sicher einer der klassischen Kategorien zugeordnet werden kann. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen ist bei dieser Diagnostik besonders wichtig.

Behandlung

Die Behandlung und Förderung orientiert sich an den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der betroffenen Person und berücksichtigt sowohl die intellektuelle Beeinträchtigung als auch die begleitenden Sinnes-, Sprach- oder körperlichen Einschränkungen gleichermaßen. Häufig ist eine besonders individuell angepasste, interdisziplinäre Förderung notwendig, die spezialisierte Angebote für die jeweilige begleitende Beeinträchtigung, etwa Hör- oder Sehförderung, mit einer allgemeinen entwicklungsfördernden Betreuung kombiniert. Auch angepasste Kommunikationshilfen, etwa Gebärden- oder Bildkommunikation bei begleitenden Sprachbeeinträchtigungen, können eine wichtige Rolle spielen. Eine enge, kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen spezialisierten Fachkräften ist für eine bestmögliche, auf die individuelle Gesamtsituation abgestimmte Förderung von zentraler Bedeutung.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf hängt maßgeblich von der Art und Schwere sowohl der zugrunde liegenden intellektuellen Beeinträchtigung als auch der begleitenden Sinnes-, Sprach- oder körperlichen Einschränkungen ab und ist daher besonders individuell unterschiedlich. Mit einer frühzeitigen, umfassenden und interdisziplinär abgestimmten Förderung, die sowohl die intellektuelle Beeinträchtigung als auch die begleitenden Einschränkungen berücksichtigt, können viele Betroffene innerhalb ihrer individuellen Möglichkeiten bedeutsame Fortschritte erzielen. Die genaue langfristige Prognose lässt sich aufgrund der methodisch erschwerten Einschätzung des intellektuellen Schweregrads oft weniger präzise vorhersagen als bei den klassischen Schweregradstufen, weshalb eine kontinuierliche, individuell angepasste Verlaufsbeobachtung besonders wichtig ist.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Warum lässt sich der Schweregrad in manchen Fällen nicht genau bestimmen?

Begleitende Beeinträchtigungen wie eine ausgeprägte Seh- oder Hörstörung, eine schwere körperliche Behinderung oder eine zusätzliche Sprachstörung können die standardisierte Testung der intellektuellen Fähigkeiten erheblich erschweren oder unmöglich machen.

Welche Testverfahren kommen in solchen Fällen zum Einsatz?

Häufig werden spezialisierte, an die jeweilige begleitende Beeinträchtigung angepasste, oft nonverbale Testverfahren eingesetzt, auch diese können die tatsächlichen Fähigkeiten jedoch nicht immer vollständig zuverlässig erfassen.

Bedeutet diese Diagnose, dass keine sinnvolle Förderung möglich ist?

Nein, auch bei dieser Diagnose ist eine individuell angepasste, interdisziplinäre Förderung sinnvoll und wichtig, sie berücksichtigt sowohl die intellektuelle Beeinträchtigung als auch die begleitenden Einschränkungen.

Warum ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit hier besonders wichtig?

Da mehrere Beeinträchtigungen gleichzeitig vorliegen, ist die Expertise unterschiedlicher Fachrichtungen notwendig, um sowohl die Diagnostik als auch die Förderung bestmöglich auf die individuelle Gesamtsituation abzustimmen.

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