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Psyche & Nervensystem

Akute vorübergehende psychotische Störungen

Akute vorübergehende psychotische Störungen bezeichnen ein plötzlich, innerhalb weniger Tage einsetzendes psychotisches Zustandsbild mit Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen oder einer stark veränderten, verwirrten Wahrnehmung der Realität, das sich deutlich von der schleichenderen Entwicklung anderer psychotischer Erkrankungen wie der Schizophrenie unterscheidet. Charakteristisch für diese Störungsgruppe ist neben dem raschen Beginn auch die häufig rasche, innerhalb weniger Wochen bis Monate eintretende vollständige Rückbildung der Symptome, ohne dass sich zwangsläufig eine chronische, langfristig verlaufende psychotische Erkrankung entwickelt. Bei einem Teil der Betroffenen lässt sich ein unmittelbar vorausgegangenes belastendes Lebensereignis identifizieren, bei anderen tritt die Störung ohne erkennbaren äußeren Auslöser auf.

Ursachen

Die genauen Ursachen akuter vorübergehender psychotischer Störungen sind nicht vollständig geklärt, es wird jedoch von einem Zusammenspiel einer erhöhten individuellen Vulnerabilität sowie akuter, das psychische Gleichgewicht erheblich belastender Faktoren ausgegangen. Bei einem Teil der Betroffenen geht der Störung ein unmittelbar vorausgegangenes, stark belastendes Lebensereignis voraus, etwa der plötzliche Verlust einer nahestehenden Person, eine traumatische Erfahrung oder eine extreme, anhaltende Stresssituation. Schlafentzug, körperliche Erschöpfung sowie der Konsum bestimmter psychoaktiver Substanzen können das Auftreten einer solchen Episode ebenfalls begünstigen. Bei anderen Betroffenen lässt sich trotz sorgfältiger Abklärung kein eindeutiger auslösender Faktor identifizieren, was auf eine möglicherweise stärker biologisch bedingte Vulnerabilität hinweisen kann.

Symptome

Das Leitmerkmal akuter vorübergehender psychotischer Störungen ist der plötzliche, innerhalb weniger Tage auftretende Beginn ausgeprägter psychotischer Symptome, die von Wahnvorstellungen über Sinnestäuschungen, meist akustischer oder optischer Natur, bis zu einer stark veränderten, desorganisierten Wahrnehmung der Umgebung reichen können. Betroffene wirken häufig deutlich verwirrt, ängstlich oder emotional stark bewegt, wobei sich die Symptomatik von Tag zu Tag oder sogar innerhalb eines Tages wechselhaft verändern kann. Das Verhalten kann für Außenstehende schwer nachvollziehbar und mitunter beunruhigend wirken, insbesondere wenn die betroffene Person auf ihre Wahnvorstellungen oder Sinnestäuschungen reagiert. Im Gegensatz zu länger anhaltenden psychotischen Erkrankungen bleibt bei vielen Betroffenen ein gewisses Bewusstsein für die Ungewöhnlichkeit des eigenen Erlebens teilweise erhalten.

Diagnostik

Die Diagnose wird durch eine ausführliche psychiatrische Untersuchung gestellt, bei der insbesondere der rasche zeitliche Verlauf des Beginns der Symptome von großer diagnostischer Bedeutung ist. Eine sorgfältige körperliche und neurologische Untersuchung sowie Blutuntersuchungen dienen dem Ausschluss körperlicher Ursachen einer akuten Psychose, etwa einer Stoffwechselentgleisung, einer Infektion des Gehirns oder einer Vergiftung. Eine Untersuchung auf den Konsum psychoaktiver Substanzen ist ebenfalls wichtiger Bestandteil der Abklärung, da bestimmte Substanzen ähnliche akute psychotische Zustandsbilder verursachen können. Eine bildgebende Untersuchung des Gehirns kann bei entsprechendem Verdacht sinnvoll sein, um strukturelle Ursachen auszuschließen. Die endgültige diagnostische Einordnung erfolgt häufig erst im weiteren Verlauf, abhängig davon, ob sich die Symptome wie für diese Störungsgruppe typisch rasch zurückbilden.

Behandlung

Die akute Behandlung erfolgt meist stationär in einer psychiatrischen Einrichtung, um eine sichere Umgebung sowie eine engmaschige Beobachtung während der akuten, mitunter unvorhersehbaren Symptomatik zu gewährleisten. Zur raschen Linderung der psychotischen Symptome kommen antipsychotisch wirksame Medikamente zum Einsatz, die häufig bereits innerhalb weniger Tage zu einer deutlichen Besserung führen. Eine ausreichende Erholung durch Schlaf sowie eine Reduktion äußerer Stressfaktoren unterstützen die Genesung zusätzlich. Nach Abklingen der akuten Symptomatik wird eine begleitende psychotherapeutische Aufarbeitung angeboten, insbesondere wenn ein belastendes Lebensereignis der Episode vorausgegangen war, um die Verarbeitung des Erlebten zu unterstützen und das Risiko für eine erneute Episode zu verringern.

Verlauf und Prognose

Die Prognose akuter vorübergehender psychotischer Störungen ist im Vergleich zu länger anhaltenden psychotischen Erkrankungen überwiegend günstig, da sich die Symptome bei einem erheblichen Teil der Betroffenen innerhalb weniger Wochen bis Monate vollständig zurückbilden, ohne dass eine dauerhafte psychotische Erkrankung zurückbleibt. Bei einem kleineren Teil der Betroffenen kann sich im weiteren Verlauf jedoch eine chronischere psychotische Erkrankung, etwa eine Schizophrenie, entwickeln, weshalb eine sorgfältige Nachbeobachtung auch nach vollständiger Rückbildung der akuten Symptome empfohlen wird. Ein erneutes Auftreten einer akuten Episode ist bei einem Teil der Betroffenen möglich, insbesondere wenn erneut vergleichbare belastende Lebensumstände auftreten, weshalb eine begleitende psychotherapeutische Aufarbeitung sowie der Aufbau geeigneter Bewältigungsstrategien für die langfristige Prognose von Bedeutung sind.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was unterscheidet eine akute vorübergehende psychotische Störung von einer Schizophrenie?

Vor allem der plötzliche, innerhalb weniger Tage auftretende Beginn sowie die häufig rasche, innerhalb weniger Wochen bis Monate eintretende vollständige Rückbildung der Symptome, während sich eine Schizophrenie meist schleichender entwickelt und chronischer verläuft.

Muss jede akute vorübergehende psychotische Störung stationär behandelt werden?

Die akute Behandlung erfolgt meist stationär, um eine sichere Umgebung sowie eine engmaschige Beobachtung während der akuten, mitunter unvorhersehbaren Symptomatik zu gewährleisten, insbesondere wenn die Situation für die betroffene Person selbst oder ihr Umfeld eine Belastung darstellt.

Kann sich aus dieser Störung eine dauerhafte psychotische Erkrankung entwickeln?

Bei einem kleineren Teil der Betroffenen kann sich im weiteren Verlauf tatsächlich eine chronischere psychotische Erkrankung entwickeln, weshalb eine sorgfältige Nachbeobachtung auch nach vollständiger Rückbildung der akuten Symptome empfohlen wird.

Welche Rolle spielt ein belastendes Lebensereignis bei dieser Störung?

Bei einem Teil der Betroffenen geht der Störung ein unmittelbar vorausgegangenes, stark belastendes Lebensereignis voraus, dessen psychotherapeutische Aufarbeitung nach Abklingen der akuten Symptome wichtiger Bestandteil der weiteren Behandlung ist.

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