Vesikuläre Pharyngitis durch Enteroviren
Die vesikuläre Pharyngitis durch Enteroviren, auch als Herpangina bezeichnet, ist eine akute, durch Coxsackieviren aus der Gruppe der Enteroviren verursachte Entzündung des Rachenraums, die durch charakteristische, schmerzhafte Bläschen am weichen Gaumen und in der hinteren Rachenregion gekennzeichnet ist. Trotz ihres Namens hat die Erkrankung nichts mit einer Infektion durch Herpesviren zu tun, sondern wird durch eine ganz andere Virusfamilie verursacht, was bei der Namensgebung historisch zu Verwechslungen geführt hat. Die Erkrankung betrifft überwiegend Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter und tritt gehäuft in den Sommer- und frühen Herbstmonaten auf, wenn sich Enterovirus-Infektionen aufgrund des engen Kontakts in Gemeinschaftseinrichtungen besonders leicht ausbreiten. Die vesikuläre Pharyngitis verläuft in aller Regel gutartig und heilt innerhalb weniger Tage von selbst ab.
Ursachen
Die vesikuläre Pharyngitis wird durch verschiedene Typen von Coxsackieviren aus der Gruppe der Enteroviren verursacht, die überwiegend über eine Tröpfcheninfektion sowie über eine fäkal-orale Übertragung, etwa durch kontaminierte Hände oder Gegenstände, weitergegeben werden. Die Übertragung erfolgt besonders leicht in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten und Grundschulen, in denen Kinder engen körperlichen Kontakt miteinander haben und Hygienemaßnahmen altersbedingt noch nicht konsequent umgesetzt werden können. Die Erkrankung tritt gehäuft in den warmen Sommer- und frühen Herbstmonaten auf, was mit dem saisonalen Auftreten von Enterovirus-Infektionen im Allgemeinen zusammenhängt. Nach durchgemachter Infektion mit einem bestimmten Virustyp besteht eine Immunität gegen diesen spezifischen Typ, jedoch keine generelle Immunität gegen alle Enterovirus-Typen, weshalb eine erneute Erkrankung durch einen anderen Virustyp möglich ist.
Symptome
Die vesikuläre Pharyngitis beginnt typischerweise plötzlich mit hohem Fieber, Halsschmerzen sowie Schluckbeschwerden, gefolgt vom Auftreten mehrerer kleiner, schmerzhafter Bläschen und Geschwüre am weichen Gaumen sowie in der hinteren Rachenregion, während die vordere Mundhöhle im Gegensatz zur Gingivostomatitis herpetica meist ausgespart bleibt. Die betroffenen Kinder klagen häufig über starke Schluckschmerzen, die zu einer verminderten Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme führen können. Begleitend können Kopfschmerzen, Bauchschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Die Bläschen platzen innerhalb weniger Tage auf und hinterlassen kleine, schmerzhafte Geschwüre, die sich jedoch meist innerhalb einer Woche folgenlos zurückbilden. Bei manchen Kindern tritt die Erkrankung gemeinsam mit einer Hand-Fuß-Mund-Krankheit auf, wenn zusätzlich Bläschen an Händen und Füßen bestehen.
Diagnostik
Die Diagnose der vesikulären Pharyngitis wird in aller Regel klinisch anhand des charakteristischen Erscheinungsbildes mit den typischen Bläschen am weichen Gaumen sowie dem plötzlichen Beginn mit hohem Fieber gestellt, ohne dass eine weiterführende Labordiagnostik notwendig ist. Bei untypischem oder besonders schwerem Verlauf, insbesondere zur Abgrenzung von einer Gingivostomatitis herpetica oder anderen Ursachen einer Rachenentzündung, kann ein Rachenabstrich zur molekularbiologischen Erregerbestimmung entnommen werden. Die Unterscheidung von einer bakteriellen Rachenentzündung, etwa durch Streptokokken, ist von Bedeutung, da diese im Unterschied zur viralen Ursache eine antibiotische Behandlung erfordert.
Behandlung
Die Behandlung der vesikulären Pharyngitis erfolgt ausschließlich symptomatisch, da es sich um eine virale Erkrankung handelt, die einer antibiotischen Behandlung nicht zugänglich ist. Fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente helfen, die Beschwerden zu lindern und die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zu erleichtern. Kühle, weiche Speisen und Getränke werden während der akuten Phase meist besser vertragen als warme oder säurehaltige Kost, die die schmerzhaften Schleimhautbereiche zusätzlich reizen kann. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr steht im Vordergrund der Behandlung, wobei bei ausgeprägter Trinkverweigerung insbesondere bei jungen Kindern auf Anzeichen einer beginnenden Austrocknung geachtet werden sollte.
Verlauf und Prognose
Die vesikuläre Pharyngitis verläuft in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle gutartig und heilt innerhalb von etwa einer Woche vollständig folgenlos ab, wobei das Fieber meist bereits nach wenigen Tagen zurückgeht. Komplikationen sind insgesamt selten, können jedoch in Ausnahmefällen eine Beteiligung des Nervensystems umfassen, weshalb bei ungewöhnlich schwerem Krankheitsverlauf, anhaltend hohem Fieber oder neurologischen Auffälligkeiten eine erneute ärztliche Vorstellung angezeigt ist. Da eine durchgemachte Infektion nur gegen den jeweiligen Virustyp Immunität verleiht, können Kinder im Laufe mehrerer Saisons wiederholt an einer vesikulären Pharyngitis durch unterschiedliche Virustypen erkranken. Eine gute Handhygiene in Gemeinschaftseinrichtungen trägt zur Reduktion der Übertragungswahrscheinlichkeit bei.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Vesikuläre Pharyngitis durch Enteroviren: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Hat die vesikuläre Pharyngitis trotz ihres Namens etwas mit Herpesviren zu tun?
Nein, sie wird durch Coxsackieviren aus der Gruppe der Enteroviren verursacht und hat trotz der historischen Namensgebung nichts mit einer Herpesinfektion zu tun.
Wie unterscheidet sich die Erkrankung von der Gingivostomatitis herpetica?
Bei der vesikulären Pharyngitis sind die Bläschen vor allem am weichen Gaumen und im hinteren Rachen lokalisiert, während die vordere Mundhöhle meist ausgespart bleibt, anders als bei der Gingivostomatitis herpetica.
Muss die Erkrankung antibiotisch behandelt werden?
Nein, da es sich um eine virale Erkrankung handelt, erfolgt die Behandlung ausschließlich symptomatisch mit fiebersenkenden und schmerzlindernden Maßnahmen.
Kann man mehrmals an einer vesikulären Pharyngitis erkranken?
Ja, da eine durchgemachte Infektion nur gegen den jeweiligen Virustyp Immunität verleiht, ist eine erneute Erkrankung durch einen anderen Enterovirus-Typ möglich.
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