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Innere Medizin

Transcobalamin-II-Mangel-Anämie

Die Transcobalamin-II-Mangel-Anämie ist eine seltene, erblich bedingte Störung des Vitamin-B12-Stoffwechsels, bei der ein Mangel des Transportproteins Transcobalamin II dazu führt, dass das über die Nahrung aufgenommene und im Darm resorbierte Vitamin B12 nicht ausreichend zu den Körperzellen, insbesondere zu den blutbildenden Zellen des Knochenmarks sowie zu den Nervenzellen, transportiert werden kann. Anders als bei den meisten anderen Formen eines Vitamin-B12-Mangels, die durch eine unzureichende Aufnahme oder Resorption des Vitamins entstehen, liegt bei der Transcobalamin-II-Mangel-Anämie ein funktioneller Mangel trotz ausreichend vorhandenen Vitamin B12 im Blut vor, da dieses aufgrund des fehlenden Transportproteins die Zielzellen nicht erreichen kann. Die Erkrankung manifestiert sich meist bereits in den ersten Lebenswochen nach der Geburt und erfordert eine rasche Diagnosestellung, um bleibende Entwicklungsschäden zu verhindern.

Ursachen

Die Transcobalamin-II-Mangel-Anämie wird durch eine erbliche, autosomal-rezessiv vererbte Veränderung des Gens verursacht, das die Bauanleitung für das Transportprotein Transcobalamin II enthält, welches normalerweise für den Transport von Vitamin B12 aus dem Blut in die Körperzellen zuständig ist. Fehlt dieses Transportprotein oder ist es in seiner Funktion erheblich eingeschränkt, kann das im Blut vorhandene Vitamin B12 die Zielzellen, insbesondere die blutbildenden Zellen des Knochenmarks sowie die Nervenzellen, nicht in ausreichendem Maße erreichen, obwohl die Aufnahme des Vitamins über die Nahrung sowie dessen Resorption im Darm normal funktionieren. Da die Erkrankung autosomal-rezessiv vererbt wird, müssen beide Elternteile Träger der veränderten Genkopie sein, damit ein Kind erkrankt, wobei die Eltern selbst als Träger einer einzelnen veränderten Genkopie in der Regel keine Beschwerden zeigen.

Symptome

Säuglinge mit Transcobalamin-II-Mangel-Anämie fallen meist bereits in den ersten Lebenswochen durch eine ausgeprägte Blutarmut, eine deutliche Gedeihstörung mit unzureichender Gewichtszunahme sowie eine allgemeine Trinkschwäche und Antriebslosigkeit auf. Da Vitamin B12 auch für die normale Entwicklung des Nervensystems von zentraler Bedeutung ist, können sich bei unbehandelten oder verspätet diagnostizierten Kindern zusätzlich neurologische Auffälligkeiten wie eine verzögerte motorische Entwicklung sowie eine verminderte Muskelspannung entwickeln. Wiederkehrende Infektionen können auftreten, da Vitamin B12 auch für die normale Funktion des Immunsystems wichtig ist. Ohne rechtzeitige Behandlung schreitet die Erkrankung fort und kann zu schwerwiegenden, teils bleibenden Entwicklungsstörungen führen.

Diagnostik

Die Diagnose der Transcobalamin-II-Mangel-Anämie stellt eine besondere diagnostische Herausforderung dar, da der Vitamin-B12-Spiegel im Blut bei dieser Erkrankung häufig im Normbereich liegt, obwohl funktionell ein erheblicher Mangel in den Zielzellen besteht, da das Vitamin ohne das fehlende Transportprotein nicht ausreichend in die Zellen gelangen kann. Wegweisend für die Diagnose sind daher spezialisierte Laboruntersuchungen, die die Konzentration des Transcobalamin-II-Proteins selbst sowie bestimmte, im Rahmen des gestörten Vitamin-B12-Stoffwechsels erhöhte Stoffwechselprodukte im Blut und Urin messen. Die endgültige Diagnosesicherung erfolgt durch eine molekulargenetische Untersuchung, bei der die zugrunde liegende Veränderung im Transcobalamin-II-Gen nachgewiesen wird. Aufgrund der Seltenheit und der unspezifischen Symptomatik wird die Diagnose häufig erst nach einer gewissen Verzögerung gestellt.

Behandlung

Die Behandlung der Transcobalamin-II-Mangel-Anämie besteht in der regelmäßigen, meist lebenslang notwendigen Verabreichung hochdosierter Vitamin-B12-Injektionen, die deutlich höher dosiert werden müssen als bei anderen Formen des Vitamin-B12-Mangels, um trotz des gestörten Transportmechanismus eine ausreichende Versorgung der Zielzellen mit dem Vitamin zu gewährleisten. Diese Behandlung muss so früh wie möglich nach Diagnosestellung begonnen werden, um eine Normalisierung der Blutbildung sowie eine ungestörte weitere Entwicklung des Nervensystems zu ermöglichen. Eine regelmäßige Kontrolle des Blutbildes sowie der kindlichen Entwicklung ist notwendig, um die Wirksamkeit der Behandlung zu überwachen und die Injektionsdosis bei Bedarf anzupassen. Eine genetische Beratung betroffener Familien wird empfohlen, um das Wiederholungsrisiko bei weiteren Kindern einzuschätzen.

Verlauf und Prognose

Bei früher Diagnosestellung und konsequenter, ausreichend hochdosierter Vitamin-B12-Behandlung ist die Prognose der Transcobalamin-II-Mangel-Anämie gut, wobei sich die Blutarmut sowie die Gedeihstörung unter der Behandlung meist deutlich bessern und sich eine normale kindliche Entwicklung erreichen lässt. Verzögert sich die Diagnosestellung und Behandlung, besteht ein erhebliches Risiko für bleibende neurologische Entwicklungsstörungen, die auch durch eine später begonnene Behandlung nicht mehr vollständig rückgängig gemacht werden können. Da es sich um eine lebenslange Stoffwechselstörung handelt, ist eine dauerhafte, konsequente Fortführung der Vitamin-B12-Behandlung über das gesamte Leben notwendig, um einen erneuten funktionellen Vitaminmangel zu verhindern. Eine gute Aufklärung der betroffenen Familien über die Notwendigkeit der lebenslangen Behandlung ist von großer Bedeutung für den langfristigen Behandlungserfolg.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum ist der Vitamin-B12-Spiegel im Blut trotz Mangel oft normal?

Weil der eigentliche Mangel funktionell in den Körperzellen besteht, da das Vitamin ohne das fehlende Transportprotein Transcobalamin II nicht ausreichend in die Zellen gelangen kann.

Wann fallen betroffene Kinder meist auf?

Meist bereits in den ersten Lebenswochen durch eine ausgeprägte Blutarmut, eine Gedeihstörung sowie allgemeine Trinkschwäche und Antriebslosigkeit.

Wie wird die Erkrankung behandelt?

Durch regelmäßige, meist lebenslang notwendige, hochdosierte Vitamin-B12-Injektionen, die deutlich höher dosiert werden als bei anderen Formen des Vitamin-B12-Mangels.

Was passiert bei verzögerter Diagnosestellung?

Es besteht ein erhebliches Risiko für bleibende, auch durch spätere Behandlung nicht mehr vollständig rückgängig zu machende neurologische Entwicklungsstörungen.

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