Torsion des Ovars, des Ovarstieles und der Tuba uterina
Die Torsion des Ovars, des Ovarstieles und der Tuba uterina bezeichnet eine akute Verdrehung des Eierstocks zusammen mit dem Eileiter um die eigene Gefäßachse, wodurch die Blutversorgung des betroffenen Organs unterbrochen wird. Diese Verdrehung stellt einen akuten gynäkologischen Notfall dar, da das betroffene Gewebe bei anhaltender Unterbrechung der Durchblutung innerhalb weniger Stunden irreversibel geschädigt werden kann. Eine Torsion tritt besonders häufig bei Vorliegen einer Zyste oder eines gutartigen Tumors des Eierstocks auf, die durch ihr zusätzliches Gewicht sowie ihre Größe die Wahrscheinlichkeit einer Verdrehung erhöhen, kann jedoch auch bei anatomisch normal großen Eierstöcken auftreten, insbesondere bei Kindern und jungen Frauen mit besonders beweglichen Aufhängebändern der inneren Geschlechtsorgane.
Ursachen
Die häufigste begünstigende Ursache einer Ovartorsion ist eine bestehende Zyste oder ein gutartiger Tumor des Eierstocks, dessen zusätzliches Gewicht und Größe die Wahrscheinlichkeit einer Verdrehung um die eigene Gefäßachse erhöhen, insbesondere bei plötzlichen Bewegungen oder körperlicher Anstrengung. Bei Kindern und jungen Frauen können jedoch auch anatomisch normal große Eierstöcke eine Torsion erleiden, was auf eine im Vergleich zu älteren Frauen größere Beweglichkeit und Länge der Aufhängebänder der inneren Geschlechtsorgane in dieser Altersgruppe zurückgeführt wird. Eine Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Ovartorsion zusätzlich, da sich die Eierstöcke während dieser Zeit durch hormonelle Einflüsse vergrößern und die Bänder gelockert sind. Auch nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung mit medikamentöser Stimulation der Eierstöcke, die zu einer deutlichen Größenzunahme der Eierstöcke führen kann, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Torsion.
Symptome
Die Torsion des Eierstocks äußert sich durch einen plötzlich einsetzenden, sehr starken, einseitigen Unterbauchschmerz, der sich typischerweise wellenartig verstärkt, wenn sich die Verdrehung im Verlauf zunehmend verstärkt oder teilweise wieder löst und erneut auftritt. Begleitend treten häufig Übelkeit und Erbrechen auf, die durch den ausgeprägten Schmerzreiz bedingt sind. Der Schmerz kann in den Rücken oder die Leistengegend ausstrahlen und wird von den betroffenen Frauen häufig als der schlimmste bisher erlebte Unterbauchschmerz beschrieben. Ein leichtes Fieber kann sich im Verlauf entwickeln, wenn sich das betroffene Gewebe durch die unterbrochene Durchblutung entzündlich verändert. Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich eine ausgeprägte, einseitige Druckempfindlichkeit des Unterbauchs, häufig mit einer tastbaren, schmerzhaften Vorwölbung im Bereich des betroffenen Eierstocks.
Diagnostik
Die Diagnose der Ovartorsion wird durch eine Ultraschalluntersuchung des Beckens mit gleichzeitiger Dopplersonographie gestellt, bei der die Durchblutung des betroffenen Eierstocks beurteilt werden kann, wobei eine fehlende oder deutlich verminderte Durchblutung stark auf eine Torsion hinweist. Wichtig ist jedoch, dass eine noch normal nachweisbare Durchblutung eine Torsion nicht sicher ausschließt, da die Blutzufuhr zu Beginn der Erkrankung noch teilweise erhalten sein kann. Aufgrund der hohen Dringlichkeit einer möglichen Torsion wird bei entsprechendem klinischem Verdacht häufig bereits vor einer abschließenden bildgebenden Bestätigung eine Bauchspiegelung durchgeführt, die sowohl der endgültigen Diagnosesicherung als auch der unmittelbaren Behandlung dient. Laborchemische Entzündungswerte im Blut können bei fortgeschrittener Torsion erhöht sein, sind jedoch für die Diagnosestellung selbst nicht ausschlaggebend.
Behandlung
Die Behandlung der Ovartorsion erfordert eine umgehende operative Intervention, meist im Rahmen einer Bauchspiegelung, bei der der verdrehte Eierstock unter direkter Sicht wieder in seine normale Position zurückgedreht wird, um die Blutversorgung so rasch wie möglich wiederherzustellen. Zeigt sich nach der Rückdrehung eine gute Erholung der Durchblutung, wird der Eierstock in aller Regel erhalten, auch wenn er zunächst bläulich-livide verfärbt erscheint, da sich das Gewebe nach der Entlastung häufig noch deutlich erholen kann. Eine zugrunde liegende Zyste oder ein gutartiger Tumor, die die Torsion begünstigt haben, werden im Rahmen desselben Eingriffs entfernt, um ein erneutes Auftreten zu verhindern. Nur bei bereits irreversibel abgestorbenem Gewebe ohne jegliche Erholung der Durchblutung wird der betroffene Eierstock operativ entfernt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Ovartorsion hängt entscheidend von der Zeitspanne zwischen dem Auftreten der Beschwerden und der operativen Behandlung ab, weshalb ein rasches Erkennen und Handeln von zentraler Bedeutung ist. Bei zügiger operativer Rückdrehung innerhalb weniger Stunden kann der betroffene Eierstock bei einem erheblichen Teil der Betroffenen erfolgreich erhalten werden und seine normale Funktion, einschließlich der Fruchtbarkeit, im weiteren Verlauf wiedererlangen. Verzögert sich die Behandlung erheblich, steigt das Risiko für einen irreversiblen Untergang des Eierstockgewebes mit der Notwendigkeit einer operativen Entfernung deutlich an. Nach dem Verlust eines Eierstocks bleibt die Fruchtbarkeit bei den meisten Frauen dennoch erhalten, da der verbliebene, gesunde Eierstock die Funktion in der Regel vollständig übernehmen kann.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Torsion des Ovars, des Ovarstieles und der Tuba uterina: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum haben Kinder und junge Frauen ein erhöhtes Risiko für eine Ovartorsion?
Weil ihre Aufhängebänder der inneren Geschlechtsorgane im Vergleich zu älteren Frauen beweglicher und länger sind, auch ohne dass eine Zyste oder ein Tumor vorliegt.
Warum muss die Behandlung so schnell erfolgen?
Weil das betroffene Gewebe bei anhaltender Unterbrechung der Durchblutung innerhalb weniger Stunden irreversibel geschädigt werden kann.
Kann der Eierstock nach einer Torsion erhalten werden?
Ja, bei zügiger operativer Rückdrehung kann der Eierstock bei einem erheblichen Teil der Betroffenen erfolgreich erhalten werden, auch wenn er zunächst bläulich verfärbt erscheint.
Beeinträchtigt der Verlust eines Eierstocks die Fruchtbarkeit?
In der Regel nicht wesentlich, da der verbliebene, gesunde Eierstock die Funktion meist vollständig übernehmen kann.
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