Sichelzellenkrankheiten
Die Sichelzellenkrankheiten bezeichnen eine Gruppe erblicher Erkrankungen des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, bei denen eine genetisch veränderte Form dieses Blutfarbstoffs dazu führt, dass sich rote Blutkörperchen unter bestimmten Bedingungen, insbesondere bei Sauerstoffmangel, in eine charakteristische, sichelartige Form verformen. Diese verformten Blutkörperchen sind weniger flexibel als normale rote Blutkörperchen sowie können kleine Blutgefäße verschließen, wodurch es zu schmerzhaften Durchblutungsstörungen sowie Organschäden kommen kann. Sichelzellenkrankheiten kommen besonders häufig bei Menschen afrikanischer, mediterraner sowie nahöstlicher Abstammung vor.
Ursachen
Die Sichelzellenkrankheiten entstehen durch eine erblich bedingte Veränderung des Gens, das für die Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin verantwortlich ist, wodurch eine veränderte Form dieses Blutfarbstoffs gebildet wird. Diese veränderte Hämoglobinform neigt unter bestimmten Bedingungen, insbesondere bei niedrigem Sauerstoffgehalt, zu einer Verklumpung innerhalb der roten Blutkörperchen, wodurch diese ihre normale, runde Form verlieren sowie eine starre, sichelartige Gestalt annehmen. Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt, weshalb sie nur bei Erbe der veränderten Genkopie von beiden Elternteilen zur vollen Ausprägung kommt.
Symptome
Die Sichelzellenkrankheiten äußern sich durch wiederkehrende, akute Schmerzkrisen, die durch den Verschluss kleiner Blutgefäße mit sichelförmig verformten roten Blutkörperchen verursacht werden sowie praktisch jedes Organ betreffen können. Eine chronische Blutarmut, eine erhöhte Infektanfälligkeit durch eine funktionell beeinträchtigte Milz sowie, bei wiederholten Gefäßverschlüssen, eine fortschreitende Schädigung verschiedener Organe, insbesondere Nieren, Lunge sowie Gehirn, können die Erkrankung im weiteren Verlauf begleiten.
Diagnostik
Die Diagnose der Sichelzellenkrankheiten wird durch eine spezielle Blutuntersuchung, die sogenannte Hämoglobin-Elektrophorese, gestellt, die die veränderte Form des Blutfarbstoffs nachweist. In vielen Ländern wird ein Screening auf Sichelzellenkrankheiten bereits routinemäßig im Neugeborenenalter durchgeführt, um eine frühzeitige Diagnosestellung sowie Behandlung zu ermöglichen. Eine molekulargenetische Untersuchung kann die Diagnose zusätzlich bestätigen.
Behandlung
Die Behandlung der Sichelzellenkrankheiten umfasst vorbeugende Maßnahmen, insbesondere eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie das Vermeiden von Auslösern akuter Schmerzkrisen wie Kälte oder Sauerstoffmangel, eine gezielte Schmerzbehandlung während akuter Krisen sowie, bei häufigen oder schweren Krisen, eine vorbeugende medikamentöse Behandlung, die die Bildung sichelförmiger Blutkörperchen vermindert. Bei besonders schwerem Verlauf kann eine Stammzelltransplantation als einzige, potenziell heilende Behandlungsoption erwogen werden.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Sichelzellenkrankheiten hat sich durch verbesserte Behandlungsmöglichkeiten sowie eine frühzeitige, konsequente Betreuung in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert, wobei viele Betroffene heute eine deutlich höhere Lebenserwartung erreichen als früher. Eine unzureichend behandelte Erkrankung kann jedoch zu wiederholten, schmerzhaften Krisen sowie einer fortschreitenden, bleibenden Schädigung mehrerer Organe führen, weshalb eine lebenslange, spezialisierte hämatologische Betreuung von erheblicher Bedeutung ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Sichelzellenkrankheiten: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was passiert mit den roten Blutkörperchen bei Sichelzellenkrankheiten?
Sie verformen sich unter bestimmten Bedingungen in eine sichelartige Form.
Wer ist besonders häufig betroffen?
Menschen afrikanischer, mediterraner sowie nahöstlicher Abstammung.
Was verursachen die verformten Blutkörperchen?
Schmerzhafte Durchblutungsstörungen durch Gefäßverschlüsse.
Welche Behandlung gilt als potenziell heilend?
Eine Stammzelltransplantation bei besonders schwerem Verlauf.
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