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Psyche & Nervensystem

Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen

Psychische und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen sind eine übergeordnete diagnostische Kategorie, die für Fälle verwendet wird, in denen Betroffene mehrere verschiedene psychoaktive Substanzen gleichzeitig oder in wechselndem Muster konsumieren, ohne dass sich der Beitrag einzelner Substanzen zum klinischen Gesamtbild eindeutig auseinanderhalten lässt. Diese Kategorie wird zudem für psychische und verhaltensbezogene Störungen durch den Konsum sonstiger psychotroper Substanzen verwendet, die keiner der spezifischen Substanzkategorien wie Alkohol, Cannabinoide, Kokain oder Tabak zugeordnet werden können. Der Konsum mehrerer Substanzen gleichzeitig oder im Wechsel führt häufig zu einem komplexeren, schwerer einzuordnenden klinischen Bild als der Konsum einer einzelnen Substanz und erschwert sowohl die Diagnostik als auch die Behandlungsplanung erheblich.

Ursachen

Der gleichzeitige oder wechselnde Konsum mehrerer psychoaktiver Substanzen entwickelt sich häufig aus einem anfänglichen Konsum einer einzelnen Substanz heraus, wobei im Verlauf zusätzliche Substanzen hinzukommen, etwa um bestimmte Wirkungen zu verstärken, unerwünschte Effekte einer Substanz auszugleichen oder aufgrund veränderter Verfügbarkeit. Risikofaktoren für die Entwicklung eines multiplen Substanzgebrauchs umfassen eine ausgeprägte genetische Veranlagung zu Suchterkrankungen, ein soziales Umfeld mit hoher Verfügbarkeit unterschiedlicher Substanzen, belastende Lebensumstände sowie eine geringe Impulskontrolle. Häufig liegt diesem Konsummuster eine besonders ausgeprägte Suchtproblematik zugrunde, bei der die betroffene Person kontinuierlich nach neuen oder zusätzlichen Wirkstoffen sucht, um gewünschte psychische Effekte zu erzielen oder Entzugserscheinungen zu lindern.

Symptome

Die Symptomatik ist aufgrund der Vielzahl konsumierter Substanzen besonders komplex und vielgestaltig und kann Merkmale unterschiedlicher substanzspezifischer Störungsbilder gleichzeitig umfassen, etwa stimulierende und dämpfende Effekte im Wechsel, unterschiedliche Entzugssymptome sowie ein besonders ausgeprägtes, auf verschiedene Substanzen gerichtetes Verlangen. Betroffene zeigen häufig einen ausgeprägten Kontrollverlust über Art, Menge und Kombination der konsumierten Substanzen sowie eine erhebliche Vernachlässigung anderer Lebensbereiche zugunsten des Substanzkonsums. Aufgrund der Kombination verschiedener, teils gegensätzlich wirkender Substanzen können unvorhersehbare und besonders belastende psychische und körperliche Symptome auftreten, die schwerer einzuordnen sind als bei dem Konsum einer einzelnen Substanz.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfordert eine besonders sorgfältige und detaillierte Erfassung aller konsumierten Substanzen, ihrer jeweiligen Mengen, der Konsummuster sowie der zeitlichen Abfolge des Konsums. Aufgrund der Vielzahl beteiligter Substanzen gestaltet sich die eindeutige Zuordnung einzelner Symptome zu bestimmten Substanzen häufig schwierig, weshalb die übergeordnete Diagnose des multiplen Substanzgebrauchs gewählt wird, wenn sich der Beitrag einzelner Substanzen zum Gesamtbild nicht eindeutig auseinanderhalten lässt. Laborchemische Untersuchungen können ergänzend Hinweise auf die tatsächlich konsumierten Substanzen liefern. Eine umfassende Erfassung begleitender körperlicher und psychischer Folgeerscheinungen ist angesichts der Komplexität des Konsummusters besonders wichtig.

Behandlung

Die Behandlung des multiplen Substanzgebrauchs erfordert einen besonders umfassenden, individuell angepassten Behandlungsansatz, der die Komplexität des Konsummusters berücksichtigt. Ein kontrollierter, ärztlich begleiteter Entzug ist angesichts der möglichen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Substanzen und den damit verbundenen komplexen Entzugssymptomen besonders sorgfältig zu planen. Im Anschluss steht eine intensive psychotherapeutische Behandlung im Vordergrund, die auf die zugrunde liegende Suchtproblematik insgesamt abzielt, statt sich auf eine einzelne Substanz zu konzentrieren. Suchtberatungsstellen und spezialisierte Behandlungseinrichtungen für Mehrfachabhängigkeit bieten zusätzliche, auf die besondere Komplexität dieser Störung abgestimmte Unterstützung.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf psychischer und Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch ist häufig komplexer und die Prognose vorsichtiger einzuschätzen als bei der Abhängigkeit von einer einzelnen Substanz, da mehrere Suchtproblematiken gleichzeitig bewältigt werden müssen und das Rückfallrisiko durch die Vielzahl verfügbarer Substanzen erhöht sein kann. Unbehandelt besteht ein erhebliches Risiko für schwerwiegende körperliche und psychische Folgeschäden sowie für eine fortschreitende Chronifizierung der Suchtproblematik. Mit intensiver, auf die Gesamtsituation abgestimmter Behandlung sowie kontinuierlicher Nachsorge erreichen jedoch auch bei dieser komplexen Konstellation viele Betroffene eine deutliche Verbesserung. Eine langfristige, spezialisierte Begleitung ist angesichts der Komplexität dieser Störung von besonderer Bedeutung für einen stabilen Behandlungserfolg.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Warum wird bei mehreren konsumierten Substanzen eine übergeordnete Diagnose gestellt?

Wenn sich der Beitrag einzelner Substanzen zum klinischen Gesamtbild nicht eindeutig auseinanderhalten lässt, wird die übergeordnete Kategorie des multiplen Substanzgebrauchs verwendet, statt jede Substanz einzeln zu diagnostizieren.

Ist ein Entzug bei mehreren konsumierten Substanzen komplizierter?

Ja, aufgrund möglicher Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Substanzen und komplexer Entzugssymptome muss ein Entzug bei multiplem Substanzgebrauch besonders sorgfältig ärztlich geplant und begleitet werden.

Ist die Prognose bei multiplem Substanzgebrauch schlechter?

Die Prognose ist aufgrund der gleichzeitig bestehenden mehreren Suchtproblematiken vorsichtiger einzuschätzen, mit intensiver, umfassender Behandlung erreichen jedoch viele Betroffene eine deutliche Verbesserung.

Welche Behandlung wird empfohlen?

Eine intensive psychotherapeutische Behandlung, die auf die gesamte zugrunde liegende Suchtproblematik abzielt, in Kombination mit spezialisierter Unterstützung für Mehrfachabhängigkeit, gilt als wichtigster Behandlungsbaustein.

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