Polyneuritis
Die Polyneuritis ist eine entzündliche Erkrankung mehrerer peripherer Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark, die zu Gefühlsstörungen, Schmerzen und Muskelschwäche führt. Im Unterschied zu einer einzelnen betroffenen Nervenwurzel sind bei der Polyneuritis typischerweise mehrere Nerven gleichzeitig und meist symmetrisch an beiden Körperseiten betroffen.
Ursachen
Eine Polyneuritis kann durch verschiedene Infektionen, insbesondere Viruserkrankungen, autoimmune Prozesse, bei denen sich das körpereigene Immunsystem gegen die Nervenhüllen richtet, sowie durch bestimmte Medikamente oder Giftstoffe ausgelöst werden. Auch im Rahmen von Autoimmunerkrankungen oder als Begleiterscheinung bestimmter Krebserkrankungen kann sich eine Polyneuritis entwickeln. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die genaue Ursache trotz Abklärung unklar.
Symptome
Kennzeichnend sind Kribbeln, Taubheitsgefühl und Schmerzen, die typischerweise symmetrisch an beiden Händen oder Füßen beginnen und sich im Verlauf strumpf- oder handschuhförmig weiter ausbreiten können. Begleitend kann sich eine zunehmende Muskelschwäche entwickeln, die je nach Schwere der Erkrankung von einer leichten Kraftminderung bis zu einer ausgeprägten Lähmung reichen kann. Bei schweren, rasch fortschreitenden Formen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein.
Diagnostik
Eine Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit sowie eine Elektromyografie zeigen das Ausmaß und die Verteilung der Nervenschädigung und helfen, zwischen verschiedenen Formen der Polyneuritis zu unterscheiden. Bluttests suchen nach zugrunde liegenden Ursachen wie Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder Stoffwechselstörungen. Bei Verdacht auf eine autoimmune Ursache kann zusätzlich eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit sinnvoll sein.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache: Bei autoimmun bedingten Formen kommen Medikamente zum Einsatz, die das Immunsystem gezielt dämpfen, etwa intravenöse Immunglobuline oder eine Blutwäsche (Plasmapherese). Bei einer zugrunde liegenden Infektion oder Stoffwechselstörung steht deren gezielte Behandlung im Vordergrund. Physiotherapie unterstützt den Erhalt der Muskelkraft und Beweglichkeit während der Erholungsphase.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache ab: Bei rechtzeitig behandelten, autoimmun bedingten Formen bessern sich die Beschwerden bei einem großen Teil der Betroffenen innerhalb von Wochen bis Monaten deutlich. Bei Formen mit anhaltender Ursache, etwa bestimmten Stoffwechselerkrankungen, kann der Verlauf chronisch sein. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung der Ursache verbessert die langfristige Prognose erheblich.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Polyneuritis: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum sind bei einer Polyneuritis meist beide Körperseiten betroffen?
Weil die zugrunde liegenden Ursachen, etwa Infektionen oder Autoimmunprozesse, in der Regel gleichmäßig auf mehrere periphere Nerven im ganzen Körper wirken, statt nur einen einzelnen Nerv zu betreffen.
Ist eine Polyneuritis immer heilbar?
Das hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab; bei rechtzeitig behandelten autoimmun bedingten Formen ist die Prognose meist gut, bei anhaltender Ursache kann der Verlauf chronisch sein.
Kann die Atmung bei einer Polyneuritis betroffen sein?
Bei schweren, rasch fortschreitenden Formen ja, weshalb eine engmaschige Überwachung insbesondere zu Beginn der Erkrankung wichtig ist.
Welche Untersuchung zeigt das Ausmaß der Nervenschädigung am besten?
Eine Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit zusammen mit einer Elektromyografie liefert die wichtigsten Informationen über Ausmaß und Verteilung der Schädigung.
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