Makulaforamen und vitreomakuläre Traktion
Das Makulaforamen sowie die vitreomakuläre Traktion sind eng miteinander verwandte Erkrankungen der Makula, der zentralen Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, die durch eine abnorme Zugwirkung des Glaskörpers auf diese empfindliche Netzhautregion entstehen. Der Glaskörper, die gelartige Substanz, die den Innenraum des Auges ausfüllt, ist bei jüngeren Menschen fest mit der Netzhautoberfläche verbunden und löst sich normalerweise im Laufe des Lebens allmählich und vollständig von ihr ab. Geschieht diese Ablösung unvollständig oder ungleichmäßig, kann der Glaskörper punktuell weiterhin an der Makula haften und dabei einen anhaltenden Zug ausüben, der je nach Ausmaß zunächst zu einer vitreomakulären Traktion mit strukturellen Veränderungen der Makula und im weiteren Verlauf, bei fortschreitendem Zug, zu einem tatsächlichen Loch in der Netzhautmitte, dem Makulaforamen, führen kann.
Ursachen
Die zugrunde liegende Ursache sowohl der vitreomakulären Traktion als auch des daraus mitunter entstehenden Makulaforamens ist eine altersbedingte, unvollständige oder ungleichmäßige Ablösung des Glaskörpers von der Netzhautoberfläche, die typischerweise im höheren Lebensalter auftritt. Während sich der Glaskörper bei den meisten Menschen im Laufe des Lebens gleichmäßig und vollständig von der Netzhaut löst, bleibt bei einem Teil der Menschen eine punktuelle, besonders feste Verbindung im Bereich der Makula bestehen, die bei der weiteren, natürlichen Schrumpfung des Glaskörpers zu einer anhaltenden Zugbelastung dieser empfindlichen Netzhautregion führt. Frauen sind von dieser Erkrankung etwas häufiger betroffen als Männer. Eine ausgeprägte Kurzsichtigkeit sowie bestimmte vorausgegangene Augenerkrankungen können das Risiko für die Entstehung eines Makulaforamens zusätzlich erhöhen.
Symptome
Die vitreomakuläre Traktion sowie ein beginnendes Makulaforamen äußern sich durch eine zunehmende Verzerrung des zentralen Sehens, bei der gerade Linien, etwa Türrahmen oder Fensterkanten, wellenförmig verbogen wahrgenommen werden, sowie durch eine allmähliche Verschlechterung der Sehschärfe beim Lesen oder bei der Erkennung feiner Details. Bei einem vollständig ausgebildeten Makulaforamen entwickelt sich häufig ein zentraler, dunkler oder grauer Fleck im Blickfeld, der das Erkennen von Gesichtern oder das Lesen erheblich erschwert, während das äußere, periphere Gesichtsfeld von der Erkrankung nicht betroffen ist und erhalten bleibt. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend über Wochen bis Monate, können sich bei fortschreitendem Zug des Glaskörpers jedoch auch rascher verschlechtern.
Diagnostik
Die Diagnose des Makulaforamens sowie der vitreomakulären Traktion wird durch eine spezielle, hochauflösende bildgebende Untersuchung der Netzhaut, die sogenannte optische Kohärenztomographie, gestellt, mit der sich die einzelnen Netzhautschichten im Bereich der Makula detailliert darstellen und das genaue Ausmaß der Zugbelastung oder eines bereits entstandenen Lochs präzise beurteilen lassen. Diese Untersuchung ermöglicht zudem eine genaue Einteilung des Schweregrades sowie eine Verlaufsbeobachtung, um ein mögliches Fortschreiten von einer reinen Zugbelastung zu einem tatsächlichen Loch frühzeitig zu erkennen. Ein sogenannter Amsler-Gitter-Test, bei dem Betroffene ein aus geraden Linien bestehendes Testraster betrachten, kann bereits selbstständig zu Hause zur Verlaufskontrolle sowie zur Selbstwahrnehmung neu auftretender Verzerrungen eingesetzt werden.
Behandlung
Bei einer geringgradigen vitreomakulären Traktion ohne wesentliche Beeinträchtigung der Sehschärfe kann zunächst eine abwartende Beobachtung mit regelmäßigen Kontrollen erfolgen, da sich der Zug bei einem Teil der Betroffenen von selbst löst, ohne dass ein Makulaforamen entsteht. Bei stärkerer Zugbelastung oder bereits bestehenden Sehbeschwerden kann eine medikamentöse Injektionsbehandlung in den Glaskörper erwogen werden, die eine gezielte Auflösung der abnormen Verbindung zwischen Glaskörper und Netzhaut bewirken kann. Bei einem bereits vollständig ausgebildeten Makulaforamen ist in aller Regel eine operative Behandlung notwendig, bei der der Glaskörper entfernt sowie eine dünne, an der Netzhautoberfläche haftende Membran vorsichtig abgezogen wird, um den anhaltenden Zug zu beseitigen und dem Loch die Möglichkeit zum Verschluss zu geben, wobei anschließend häufig eine Gasfüllung in das Auge eingebracht wird, um den Verschluss zu unterstützen.
Verlauf und Prognose
Die Prognose nach einer erfolgreichen operativen Behandlung eines Makulaforamens ist bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen gut, wobei sich das Loch bei den meisten Operierten anatomisch vollständig verschließt und sich die Sehschärfe im Verlauf mehrerer Monate deutlich, wenn auch nicht immer vollständig auf das ursprüngliche Niveau, verbessert. Je kleiner das Makulaforamen sowie je kürzer es bereits bestanden hat, desto besser sind die Erfolgsaussichten der operativen Behandlung, weshalb eine rechtzeitige Diagnosestellung und Behandlung von Bedeutung sind. Eine unbehandelte vitreomakuläre Traktion kann sich im Verlauf entweder von selbst lösen, unverändert bestehen bleiben oder zu einem vollständigen Makulaforamen fortschreiten, weshalb eine regelmäßige augenärztliche Verlaufskontrolle bei dieser Vorstufe empfohlen wird.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Makulaforamen und vitreomakuläre Traktion: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen vitreomakulärer Traktion und Makulaforamen?
Die Traktion ist eine anhaltende Zugbelastung der Makula durch den Glaskörper, die bei Fortschreiten zu einem tatsächlichen Loch, dem Makulaforamen, führen kann.
Wie äußert sich die Erkrankung typischerweise?
Durch verzerrtes Sehen gerader Linien sowie eine zunehmende Verschlechterung der zentralen Sehschärfe, während das periphere Gesichtsfeld erhalten bleibt.
Muss jede vitreomakuläre Traktion behandelt werden?
Nein, bei geringgradiger Ausprägung ohne wesentliche Beschwerden kann zunächst abgewartet werden, da sich der Zug bei einem Teil der Betroffenen von selbst löst.
Wie wird ein ausgebildetes Makulaforamen behandelt?
In der Regel operativ durch Entfernung des Glaskörpers sowie Abziehen einer haftenden Membran, häufig gefolgt von einer unterstützenden Gasfüllung des Auges.
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