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Psyche & Nervensystem

Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens

Die hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens ist eine kombinierte kinderpsychiatrische Diagnose, bei der die charakteristischen Symptome einer hyperkinetischen Störung, also ausgeprägte Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, gemeinsam mit einer eigenständig diagnostizierbaren, ausgeprägten Störung des Sozialverhaltens auftreten, etwa in Form von aggressivem, regelverletzendem oder dissozialem Verhalten. Diese Kombination zweier eigenständiger Störungsbilder unterscheidet sich von einer reinen hyperkinetischen Störung ohne ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten sowie von einer reinen Störung des Sozialverhaltens ohne die charakteristischen Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssymptome, und weist auf eine besonders komplexe, in mehreren Bereichen bestehende Beeinträchtigung hin, die häufig mit einem erhöhten Bedarf an intensiver, multimodaler Unterstützung einhergeht.

Ursachen

Die Entstehung der hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens wird als Zusammenspiel genetischer, neurobiologischer und Umweltfaktoren verstanden, die sowohl zur Entwicklung einer hyperkinetischen Störung als auch zur Entwicklung einer Störung des Sozialverhaltens beitragen. Eine ausgeprägte genetische Veranlagung zu Aufmerksamkeits- und Impulskontrollstörungen kann das Risiko für beide Störungsbilder gemeinsam erhöhen. Belastende familiäre Umstände wie inkonsistente Erziehung, häufige Konflikte, Vernachlässigung oder eine instabile familiäre Situation gelten als bedeutsame zusätzliche Risikofaktoren für die Entwicklung der begleitenden Störung des Sozialverhaltens. Häufig verstärken sich die Symptome beider Störungsbilder gegenseitig: Die durch die hyperkinetische Störung bedingte Impulsivität und geringe Verhaltenskontrolle können die Entwicklung aggressiven oder regelverletzenden Verhaltens begünstigen, während wiederholte negative soziale Erfahrungen aufgrund der hyperkinetischen Symptomatik zusätzlich zur Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten beitragen können.

Symptome

Betroffene Kinder und Jugendliche zeigen sowohl die charakteristischen Symptome einer hyperkinetischen Störung, etwa ausgeprägte Unaufmerksamkeit, motorische Unruhe, Impulsivität und Schwierigkeiten, Aufgaben zu Ende zu bringen, als auch deutliche Merkmale einer Störung des Sozialverhaltens, etwa häufige aggressive Ausbrüche, Regelverstöße, Lügen oder destruktives Verhalten. Diese Kombination führt häufig zu besonders ausgeprägten Schwierigkeiten in Familie, Schule und sozialem Umfeld, da sowohl die Aufmerksamkeits- und Impulskontrollprobleme als auch das aggressive oder regelverletzende Verhalten gleichzeitig bewältigt werden müssen. Betroffene Kinder erleben häufig überdurchschnittlich viele Konflikte mit Gleichaltrigen, Lehrkräften und Familienmitgliedern, was zu erheblichem Leidensdruck und sozialer Ausgrenzung führen kann.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch eine ausführliche kinder- und jugendpsychiatrische Untersuchung, die sowohl die charakteristischen Symptome der hyperkinetischen Störung als auch die Merkmale einer Störung des Sozialverhaltens sorgfältig und getrennt voneinander erfasst. Neben dem Gespräch mit dem Kind oder Jugendlichen selbst werden in der Regel auch Eltern, Bezugspersonen und die Schule in die Diagnostik einbezogen, um ein vollständiges Bild des Verhaltens in unterschiedlichen Lebensbereichen zu erhalten. Standardisierte Fragebögen und strukturierte Interviews unterstützen die Erfassung sowohl der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssymptomatik als auch der Verhaltensauffälligkeiten. Entscheidend für die Diagnose ist das gemeinsame, jeweils deutlich ausgeprägte Vorliegen beider Störungsbilder.

Behandlung

Die Behandlung der hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens erfordert einen multimodalen Ansatz, der sowohl die hyperkinetische Symptomatik als auch die Verhaltensauffälligkeiten berücksichtigt. Verhaltenstherapeutische Verfahren zielen sowohl auf die Verbesserung von Aufmerksamkeit und Impulskontrolle als auch auf den Abbau aggressiven und regelverletzenden Verhaltens sowie den Aufbau alternativer, sozial verträglicher Verhaltensweisen ab. Elterntrainings, die eine konsistente, strukturierte Erziehung fördern, sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Bei ausgeprägter hyperkinetischer Symptomatik kann ergänzend eine medikamentöse Behandlung erwogen werden, die häufig auch positive Effekte auf die Verhaltenskontrolle zeigen kann. Eine enge, koordinierte Zusammenarbeit zwischen Familie, Schule und therapeutischen Fachkräften ist angesichts der Komplexität dieser kombinierten Störung von besonderer Bedeutung.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens ist aufgrund der Kombination zweier eigenständiger Störungsbilder häufig komplexer und die Prognose vorsichtiger einzuschätzen als bei einer reinen hyperkinetischen Störung oder einer reinen Störung des Sozialverhaltens allein. Unbehandelt besteht ein erhöhtes Risiko für eine Fortsetzung der Verhaltensauffälligkeiten sowie der Aufmerksamkeitsprobleme bis ins Jugend- und Erwachsenenalter, verbunden mit einem erhöhten Risiko für schulisches Scheitern, soziale Ausgrenzung und weitere psychische Erkrankungen. Mit frühzeitiger, konsequenter und multimodaler Behandlung, die beide Störungsbilder gleichzeitig berücksichtigt, zeigen jedoch viele betroffene Kinder und Jugendliche eine deutliche Verbesserung sowohl der Aufmerksamkeits- und Impulskontrollsymptomatik als auch des Sozialverhaltens.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich diese Störung von einer reinen hyperkinetischen Störung?

Bei dieser kombinierten Störung treten zusätzlich zu den Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssymptomen ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression oder Regelverstöße auf, die bei einer reinen hyperkinetischen Störung nicht im gleichen Ausmaß bestehen.

Warum verstärken sich die beiden Störungsbilder gegenseitig?

Die durch die hyperkinetische Störung bedingte Impulsivität kann aggressives Verhalten begünstigen, während negative soziale Erfahrungen durch die hyperkinetische Symptomatik zusätzlich zur Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten beitragen können.

Kann eine medikamentöse Behandlung helfen?

Bei ausgeprägter hyperkinetischer Symptomatik kann eine medikamentöse Behandlung erwogen werden, die häufig auch positive Effekte auf die Verhaltenskontrolle zeigt, sie ersetzt jedoch nicht die begleitende Verhaltenstherapie.

Ist die Prognose ungünstiger als bei den einzelnen Störungen?

Aufgrund der Komplexität der kombinierten Symptomatik ist die Prognose vorsichtiger einzuschätzen, mit frühzeitiger, multimodaler Behandlung lässt sich der Verlauf jedoch deutlich positiv beeinflussen.

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