Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Psyche & Nervensystem

Fütterstörung im frühen Kindesalter

Die Fütterstörung im frühen Kindesalter ist eine Störung des Essverhaltens, die typischerweise im Säuglings- und frühen Kleinkindalter auftritt und durch anhaltende, deutliche Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme gekennzeichnet ist, ohne dass sich hierfür eine ausreichende körperliche Ursache finden lässt. Betroffene Kinder zeigen etwa eine ausgeprägte Verweigerung angebotener Nahrung, extreme Wählerigkeit hinsichtlich bestimmter Nahrungsmittel, -konsistenzen oder -texturen, oder ein sonstiges problematisches Essverhalten, das über das übliche Maß kindlicher Essprobleme hinausgeht. Die Fütterstörung führt bei einem Teil der betroffenen Kinder zu einer unzureichenden Nahrungsaufnahme mit der Folge von Gewichtsstillstand oder -verlust sowie einer beeinträchtigten körperlichen Entwicklung, was eine zeitnahe fachliche Abklärung und Unterstützung erforderlich macht.

Ursachen

Die Ursachen der Fütterstörung im frühen Kindesalter sind vielfältig und werden als Zusammenspiel kindlicher, elterlicher und interaktionsbezogener Faktoren verstanden. Bei manchen Kindern liegt zunächst eine körperliche Ursache zugrunde, etwa eine belastende Erfahrung im Zusammenhang mit dem Essen, wie Verschlucken oder eine schmerzhafte Erkrankung, die zu einer erlernten Abneigung gegenüber dem Essen führen kann, auch wenn die ursprüngliche körperliche Ursache selbst nicht mehr fortbesteht. Auch ein schwieriges kindliches Temperament mit ausgeprägter sensorischer Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Konsistenzen oder Geschmacksrichtungen kann zur Entstehung beitragen. Zusätzlich können belastete Eltern-Kind-Interaktionen rund um die Mahlzeiten, etwa durch übermäßigen Druck, Zwang oder Angst der Eltern vor unzureichender Nahrungsaufnahme, den Verlauf der Fütterproblematik ungünstig beeinflussen und aufrechterhalten.

Symptome

Betroffene Kinder zeigen anhaltende Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, die sich in unterschiedlicher Form äußern können, etwa als ausgeprägte Verweigerung angebotener Nahrung, starkes Würgen oder Erbrechen bei bestimmten Nahrungsmitteln, extreme Wählerigkeit mit Akzeptanz nur weniger Nahrungsmittel oder -konsistenzen, oder eine auffällig geringe Nahrungsmenge im Vergleich zum altersgemäßen Bedarf. Mahlzeiten werden von Kind und Eltern häufig als belastend, konfliktreich oder angstbesetzt erlebt. Bei einem Teil der betroffenen Kinder führt die unzureichende Nahrungsaufnahme zu einem Gewichtsstillstand, Gewichtsverlust oder einer beeinträchtigten körperlichen und teils auch kognitiven Entwicklung, was auf eine sogenannte Gedeihstörung hinweisen kann und eine besonders aufmerksame Abklärung erfordert.

Anzeige

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch eine ausführliche kinderärztliche und entwicklungspsychologische Untersuchung, in der das Essverhalten des Kindes, die Gewichts- und Wachstumsentwicklung sowie die Eltern-Kind-Interaktion rund um die Mahlzeiten sorgfältig erfasst werden. Ein wesentlicher Bestandteil der Abklärung ist der Ausschluss körperlicher Ursachen für die Essprobleme, etwa Schluckstörungen, Fehlbildungen im Mund-Rachen-Bereich oder Magen-Darm-Erkrankungen, durch eine kinderärztliche Untersuchung. Erst wenn eine ausreichende organische Erklärung fehlt und die Essprobleme über einen bedeutsamen Zeitraum anhalten sowie zu einer unzureichenden Ernährung oder erheblicher Belastung führen, wird die Diagnose einer Fütterstörung im frühen Kindesalter gestellt. Die Erfassung der Gewichts- und Wachstumskurve über die Zeit ist wichtiger Bestandteil der Verlaufsbeurteilung.

Behandlung

Die Behandlung der Fütterstörung im frühen Kindesalter erfolgt idealerweise interdisziplinär unter Einbeziehung von Kinderheilkunde, Entwicklungspsychologie sowie gegebenenfalls Ernährungsberatung. Im Zentrum steht häufig die Unterstützung der Eltern dabei, Mahlzeiten entspannter und weniger konfliktbeladen zu gestalten, etwa durch feste, vorhersehbare Essenszeiten, die Vermeidung von übermäßigem Druck oder Zwang sowie eine behutsame, schrittweise Erweiterung des akzeptierten Nahrungsspektrums. Bei ausgeprägter sensorischer Empfindlichkeit können spezialisierte Ansätze zur schrittweisen Gewöhnung an neue Konsistenzen oder Geschmacksrichtungen hilfreich sein. Bei bestehender Gedeihstörung ist eine engmaschige kinderärztliche Begleitung zur Sicherstellung einer ausreichenden Ernährung notwendig, in ausgeprägten Fällen auch mit zusätzlicher ernährungsmedizinischer Unterstützung.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der Fütterstörung im frühen Kindesalter ist bei frühzeitiger, gezielter Unterstützung insgesamt günstig, viele Kinder zeigen mit einer entspannteren Gestaltung der Mahlzeiten sowie gegebenenfalls spezialisierter Unterstützung eine deutliche Verbesserung ihres Essverhaltens und ihrer Gewichtsentwicklung. Ohne angemessene Unterstützung besteht jedoch das Risiko, dass sich die Essprobleme verfestigen und zu einer anhaltenden Beeinträchtigung der körperlichen Entwicklung führen. Eine frühzeitige Erkennung, insbesondere bei Anzeichen einer Gedeihstörung, sowie eine unterstützende, nicht zwanghafte Begleitung durch die Eltern verbessern die langfristige Prognose deutlich, und die meisten Kinder entwickeln im weiteren Verlauf ein alters- und bedarfsgerechtes Essverhalten.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Anzeige
FAQ

Häufige Fragen

Ab wann handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Fütterstörung?

Wenn die Essprobleme über einen bedeutsamen Zeitraum anhalten, zu einer unzureichenden Nahrungsaufnahme oder erheblicher Belastung führen und sich nicht durch eine körperliche Ursache erklären lassen, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.

Was ist eine Gedeihstörung?

Eine Gedeihstörung bezeichnet eine unzureichende körperliche Entwicklung, etwa Gewichtsstillstand oder -verlust, die durch eine anhaltend unzureichende Nahrungsaufnahme verursacht sein kann und eine engmaschige Begleitung erfordert.

Sollten Eltern ihr Kind zum Essen zwingen?

Nein, übermäßiger Druck oder Zwang kann die Essprobleme eher verstärken; eine entspannte, unterstützende Gestaltung der Mahlzeiten ist in der Regel hilfreicher.

Wie ist die Prognose bei frühzeitiger Unterstützung?

Bei frühzeitiger, gezielter Unterstützung ist die Prognose insgesamt günstig, und die meisten Kinder entwickeln im weiteren Verlauf ein alters- und bedarfsgerechtes Essverhalten.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen