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Psyche & Nervensystem

Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine durchgängige Missachtung sozialer Normen und Verpflichtungen sowie der Rechte anderer Menschen gekennzeichnet ist. Betroffene zeigen häufig eine geringe Fähigkeit zu Empathie, ein niedriges Verantwortungsbewusstsein für eigenes Handeln sowie eine niedrige Frustrationstoleranz, die sich in einer erhöhten Neigung zu aggressivem oder gewalttätigem Verhalten äußern kann. Charakteristisch ist zudem eine Tendenz, andere Menschen für eigene Zwecke auszunutzen, ohne Schuld- oder Reuegefühle zu empfinden, sowie Schwierigkeiten, aus negativen Erfahrungen, etwa Bestrafungen, zu lernen. Die dissoziale Persönlichkeitsstörung beginnt in der Regel bereits in Kindheit oder Jugend mit ersten Verhaltensauffälligkeiten und setzt sich als stabiles Persönlichkeitsmuster bis ins Erwachsenenalter fort.

Ursachen

Die Entstehung der dissozialen Persönlichkeitsstörung wird als Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, neurobiologischen Besonderheiten und belastenden Umweltfaktoren verstanden. Zwillings- und Familienstudien zeigen eine erbliche Komponente, insbesondere hinsichtlich impulsiver und aggressiver Verhaltensneigungen. Belastende frühkindliche Erfahrungen wie Vernachlässigung, inkonsistente oder übermäßig strenge Erziehung, familiäre Gewalt sowie ein Aufwachsen in einem Umfeld mit erhöhter Kriminalität oder sozialer Instabilität gelten als bedeutsame Risikofaktoren. Neurobiologische Untersuchungen weisen zudem auf Besonderheiten in Hirnregionen hin, die an der Impulskontrolle, der Verarbeitung von Bestrafung und Belohnung sowie der Empathiefähigkeit beteiligt sind. Häufig geht der Entwicklung einer dissozialen Persönlichkeitsstörung im Erwachsenenalter bereits im Kindes- oder Jugendalter eine ausgeprägte Störung des Sozialverhaltens voraus.

Symptome

Kennzeichnend für die dissoziale Persönlichkeitsstörung ist eine durchgängige Missachtung der Rechte und Bedürfnisse anderer Menschen, die sich in wiederholten Regelverstößen, Täuschung, Manipulation oder aggressivem Verhalten äußern kann. Betroffene zeigen häufig eine geringe Fähigkeit, sich in die Gefühle und Perspektiven anderer hineinzuversetzen, sowie eine niedrige Frustrationstoleranz mit erhöhter Reizbarkeit und Neigung zu impulsiven, teils aggressiven Reaktionen. Charakteristisch ist zudem ein Mangel an Schuld- oder Reuegefühlen selbst nach Handlungen, die anderen erheblichen Schaden zufügen, sowie Schwierigkeiten, aus negativen Konsequenzen des eigenen Verhaltens zu lernen. Viele Betroffene zeigen zudem eine geringe Fähigkeit zur langfristigen Lebensplanung sowie wiederholte Schwierigkeiten, stabile Beziehungen, Ausbildung oder Beschäftigung aufrechtzuerhalten.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch ein ausführliches klinisches Gespräch, in dem die Lebensgeschichte, insbesondere frühere Verhaltensauffälligkeiten seit Kindheit und Jugend, das Beziehungsverhalten sowie charakteristische Denk- und Verhaltensmuster sorgfältig erfasst werden. Da die dissoziale Persönlichkeitsstörung häufig mit rechtlichen oder sozialen Konsequenzen des Verhaltens einhergeht, werden auch entsprechende biografische Informationen, etwa frühere Konflikte mit Autoritäten oder dem Gesetz, im Rahmen der Diagnostik berücksichtigt. Eine Persönlichkeitsstörung wird in der Regel erst ab dem frühen Erwachsenenalter diagnostiziert, wobei bei der dissozialen Form häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter eine Störung des Sozialverhaltens vorausgegangen ist, die als wichtiger diagnostischer Hinweis in der Vorgeschichte gilt. Auch begleitende psychische Erkrankungen, etwa Substanzmissbrauch, werden im Rahmen der Diagnostik mitabgeklärt.

Behandlung

Die Behandlung der dissozialen Persönlichkeitsstörung gestaltet sich häufig besonders herausfordernd, da viele Betroffene selbst keinen ausreichenden Leidensdruck oder keine Krankheitseinsicht empfinden und daher selten von sich aus eine Behandlung aufsuchen. Psychotherapeutische Ansätze, insbesondere verhaltenstherapeutisch orientierte Verfahren, die auf den Aufbau von Impulskontrolle, die Förderung von Verantwortungsübernahme sowie die Entwicklung alternativer, sozial verträglicher Verhaltensweisen abzielen, können bei ausreichender Behandlungsmotivation hilfreich sein. Eine stabile, konsequente therapeutische Beziehung mit klaren Grenzen ist hierbei von besonderer Bedeutung. Medikamentöse Behandlungsansätze können ergänzend bei ausgeprägter Impulsivität oder Aggressivität erwogen werden, richten sich jedoch nicht gegen die zugrunde liegende Persönlichkeitsproblematik selbst. In vielen Fällen erfolgt eine Behandlung erst im Rahmen rechtlicher oder forensischer Maßnahmen.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf der dissozialen Persönlichkeitsstörung ist meist chronisch, wobei sich bei einem Teil der Betroffenen im Laufe des Erwachsenenalters, insbesondere ab dem mittleren Lebensalter, eine gewisse Abnahme impulsiver und aggressiver Verhaltensweisen zeigen kann. Aufgrund der häufig fehlenden Behandlungsmotivation und Krankheitseinsicht gestaltet sich eine erfolgreiche therapeutische Begleitung insgesamt schwieriger als bei vielen anderen Persönlichkeitsstörungen. Ohne Behandlung besteht ein erhöhtes Risiko für wiederholte soziale, berufliche und rechtliche Konflikte sowie für Substanzmissbrauch. Gelingt dennoch der Aufbau einer stabilen therapeutischen Beziehung und besteht eine ausreichende Behandlungsmotivation, können auch bei dieser Persönlichkeitsstörung Verbesserungen im Verhalten und in der sozialen Anpassung erreicht werden, auch wenn dies häufig einen langwierigen Prozess darstellt.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Warum suchen Betroffene selten von sich aus eine Behandlung auf?

Viele Betroffene empfinden selbst keinen ausreichenden Leidensdruck oder keine Krankheitseinsicht, da sie ihr Verhalten häufig nicht als problematisch wahrnehmen.

Geht der dissozialen Persönlichkeitsstörung häufig eine Störung des Sozialverhaltens voraus?

Ja, bei vielen Betroffenen zeigten sich bereits in Kindheit oder Jugend deutliche Verhaltensauffälligkeiten im Sinne einer Störung des Sozialverhaltens.

Nimmt die Symptomatik im höheren Alter ab?

Bei einem Teil der Betroffenen zeigt sich ab dem mittleren Lebensalter eine gewisse Abnahme impulsiver und aggressiver Verhaltensweisen, dies ist jedoch individuell sehr unterschiedlich.

Ist eine erfolgreiche Behandlung möglich?

Bei ausreichender Behandlungsmotivation und dem Aufbau einer stabilen therapeutischen Beziehung können Verbesserungen erreicht werden, auch wenn dies häufig einen langwierigen Prozess darstellt.

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