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Psyche & Nervensystem

Depersonalisations- und Derealisationssyndrom

Das Depersonalisations- und Derealisationssyndrom ist ein Störungsbild, bei dem Betroffene sich selbst, ihre eigenen Gedanken, Gefühle oder ihren Körper als fremd, unwirklich oder losgelöst erleben, sogenannte Depersonalisation, oder ihre Umgebung als seltsam fremdartig, unwirklich oder wie durch einen Schleier wahrgenommen erleben, sogenannte Derealisation. Trotz dieser beunruhigenden Veränderung des Selbst- und Umwelterlebens bleibt die Fähigkeit zur Realitätsprüfung erhalten, das heißt Betroffene wissen in der Regel, dass es sich um eine subjektive Wahrnehmungsveränderung handelt und nicht um eine tatsächliche Veränderung ihrer selbst oder ihrer Umgebung. Die Symptomatik wird von vielen Betroffenen als äußerst beunruhigend und quälend erlebt, insbesondere wenn sie über längere Zeit oder wiederholt auftritt.

Ursachen

Das Depersonalisations- und Derealisationssyndrom entwickelt sich häufig im Zusammenhang mit erheblichem psychischem Stress, akuten oder anhaltenden Angstzuständen sowie belastenden oder traumatischen Lebensereignissen. Es wird angenommen, dass die charakteristische Symptomatik eine Art unbewussten Schutzmechanismus darstellt, bei dem das Gehirn unter extremer emotionaler Belastung das eigene Erleben oder die Wahrnehmung der Umgebung vorübergehend distanziert, um die betroffene Person vor einer als überwältigend erlebten emotionalen Reaktion zu schützen. Auch der Konsum bestimmter Substanzen sowie starker Schlafmangel können Episoden von Depersonalisation und Derealisation auslösen. Bei manchen Betroffenen tritt die Symptomatik im Rahmen anderer psychischer Erkrankungen auf, etwa bei Angststörungen, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsreaktionen, kann jedoch auch als eigenständiges Störungsbild ohne erkennbare zugrunde liegende Erkrankung auftreten.

Symptome

Bei der Depersonalisation berichten Betroffene, sich selbst, ihre Gedanken, Gefühle oder Handlungen als fremd, mechanisch oder losgelöst von sich selbst zu erleben, häufig begleitet von dem Gefühl, wie ein außenstehender Beobachter des eigenen Lebens zu agieren. Bei der Derealisation wird die Umgebung als unwirklich, fremdartig, verändert oder wie durch einen Nebel oder Schleier wahrgenommen erlebt, wobei vertraute Orte oder Menschen mitunter seltsam fremd erscheinen können. Beide Symptome können einzeln oder gemeinsam auftreten und in ihrer Intensität und Dauer stark variieren, von kurzen, vorübergehenden Episoden bis hin zu anhaltenden, über Wochen oder Monate bestehenden Zuständen. Viele Betroffene erleben die Symptomatik als äußerst beunruhigend und entwickeln zusätzliche Ängste, etwa die Sorge, an einer schweren psychischen Erkrankung zu leiden oder die Kontrolle über sich selbst zu verlieren.

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Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt durch ein einfühlsames klinisches Gespräch, in dem die charakteristischen Erlebnisqualitäten der Depersonalisation und Derealisation, deren Häufigkeit, Dauer und mögliche auslösende Faktoren sorgfältig erfasst werden. Entscheidend für die Diagnose ist, dass die Realitätsprüfung trotz der beunruhigenden Wahrnehmungsveränderung erhalten bleibt, im Unterschied zu psychotischen Störungen, bei denen die Realitätsprüfung beeinträchtigt ist. Eine sorgfältige Abklärung möglicher zugrunde liegender körperlicher Ursachen, etwa neurologischer Erkrankungen, sowie der Ausschluss eines Substanzkonsums als Auslöser sind wichtige Bestandteile der Diagnostik. Auch die Erfassung möglicher begleitender psychischer Erkrankungen, etwa Angststörungen oder Depressionen, im Rahmen derer die Symptomatik gehäuft auftreten kann, ist Bestandteil der umfassenden Abklärung.

Behandlung

Die Behandlung des Depersonalisations- und Derealisationssyndroms richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache sowie dem Ausmaß der Beeinträchtigung. Bei vorübergehenden, stressbedingten Episoden kann bereits eine Aufklärung über die harmlose, wenn auch beunruhigende Natur der Symptomatik sowie der Abbau von Stress und Angst entlastend wirken. Bei anhaltender oder wiederkehrender Symptomatik ist eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll, die auf die Bearbeitung zugrunde liegender Ängste, belastender Lebensumstände oder traumatischer Erfahrungen abzielt, sowie auf den Abbau der häufig begleitenden Angst vor der Symptomatik selbst, die diese wiederum verstärken kann. Bei begleitenden psychischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen sollte die zugrunde liegende Erkrankung gezielt mitbehandelt werden, da sich die Depersonalisations- und Derealisationssymptomatik dann häufig mitbessert.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf des Depersonalisations- und Derealisationssyndroms ist sehr unterschiedlich: Bei vielen Betroffenen treten nur kurze, vorübergehende Episoden auf, die sich von selbst zurückbilden, insbesondere wenn die auslösende Stresssituation nachlässt. Bei anderen Betroffenen kann sich die Symptomatik über längere Zeit hinziehen oder wiederholt auftreten, insbesondere wenn zugrunde liegende Ängste oder belastende Lebensumstände unbearbeitet bleiben. Die Sorge, an einer schweren psychischen Erkrankung zu leiden, verstärkt bei manchen Betroffenen die Symptomatik zusätzlich, weshalb eine aufklärende Beratung über die Harmlosigkeit des Symptoms selbst entlastend wirken kann. Mit gezielter Bearbeitung der zugrunde liegenden Belastungsfaktoren sowie gegebenenfalls psychotherapeutischer Unterstützung ist die Prognose insgesamt günstig.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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FAQ

Häufige Fragen

Ist das Depersonalisations- und Derealisationssyndrom gefährlich?

Die Symptomatik selbst ist nicht gefährlich, auch wenn sie von vielen Betroffenen als sehr beunruhigend erlebt wird; die Realitätsprüfung bleibt dabei stets erhalten.

Wie unterscheidet sich diese Symptomatik von einer Psychose?

Bei einer Psychose ist die Realitätsprüfung beeinträchtigt, während Betroffene mit Depersonalisation und Derealisation in der Regel wissen, dass es sich um eine subjektive Wahrnehmungsveränderung handelt und nicht um eine tatsächliche Veränderung der Realität.

Was kann eine Episode auslösen?

Häufige Auslöser sind erheblicher psychischer Stress, Angstzustände, belastende Lebensereignisse, starker Schlafmangel sowie der Konsum bestimmter Substanzen.

Bildet sich die Symptomatik von selbst zurück?

Bei vielen Betroffenen bilden sich kurze, stressbedingte Episoden von selbst zurück, bei anhaltender oder wiederkehrender Symptomatik kann jedoch eine gezielte psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein.

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