Androgenresistenz-Syndrom
Das Androgenresistenz-Syndrom ist eine seltene, erblich bedingte Störung, bei der die Körperzellen aufgrund eines veränderten Rezeptors nicht oder nur unzureichend auf männliche Geschlechtshormone (Androgene) reagieren, obwohl diese in normaler oder sogar erhöhter Menge vorhanden sind. Bei genetisch männlichen Menschen (mit XY-Chromosomen) führt dies je nach Ausprägungsgrad zu einer teilweise oder vollständig weiblichen äußeren körperlichen Entwicklung.
Ursachen
Ursächlich ist eine Veränderung im Gen für den Androgenrezeptor, das auf dem X-Chromosom liegt und X-chromosomal-rezessiv vererbt wird. Bei der vollständigen Form funktioniert der Rezeptor überhaupt nicht, bei der partiellen Form ist die Rezeptorfunktion nur teilweise eingeschränkt, was zu einem sehr unterschiedlichen Ausprägungsspektrum der körperlichen Entwicklung führt. Die inneren, männlichen Keimdrüsen (Hoden) sind bei beiden Formen vorhanden, meist jedoch im Bauchraum oder Leistenkanal verblieben, ohne dass sich äußere männliche Geschlechtsorgane vollständig ausbilden.
Symptome
Bei der vollständigen Form entwickeln genetisch männliche Menschen ein äußerlich vollständig weibliches Erscheinungsbild mit weiblichen äußeren Geschlechtsmerkmalen, jedoch ohne Gebärmutter und ohne Regelblutung, was häufig erst bei ausbleibender Pubertätsblutung auffällt. Bei der partiellen Form kann das äußere Erscheinungsbild uneinheitlich sein, mit Merkmalen, die zwischen typisch männlich und weiblich liegen. Die im Bauchraum verbliebenen Hoden bergen ein erhöhtes, wenn auch insgesamt geringes Risiko für eine bösartige Entartung im Erwachsenenalter.
Diagnostik
Die Diagnose wird oft erst in der Pubertät vermutet, wenn bei äußerlich weiblichem Erscheinungsbild die Regelblutung ausbleibt, oder früher, wenn bei einer aus anderem Grund durchgeführten Untersuchung eine abweichende Chromosomenkonstellation auffällt. Eine genetische Untersuchung bestätigt die Chromosomenkonstellation und die zugrunde liegende Genveränderung im Androgenrezeptor-Gen. Bildgebende Untersuchungen zeigen die Lage der im Körper verbliebenen Hoden.
Behandlung
Die Behandlung wird individuell und einfühlsam auf die jeweilige Situation und den Wunsch der betroffenen Person abgestimmt, meist in spezialisierten Zentren mit psychologischer Begleitung. Wegen des erhöhten, wenn auch geringen Krebsrisikos wird bei der vollständigen Form häufig eine operative Entfernung der im Körper verbliebenen Hoden empfohlen, üblicherweise nach Abschluss der spontanen, durch die Hoden angeregten Pubertätsentwicklung. Nach einer solchen Entfernung ist eine dauerhafte Hormonersatztherapie notwendig, um die für Knochen- und Herzgesundheit wichtigen Hormonspiegel zu erhalten.
Verlauf und Prognose
Menschen mit vollständigem Androgenresistenz-Syndrom leben in aller Regel als Frauen und können bei entsprechender Betreuung ein gesundes, erfülltes Leben führen, auch wenn eine eigene Schwangerschaft aufgrund der fehlenden Gebärmutter nicht möglich ist. Die partielle Form erfordert häufig eine individuellere, komplexere Begleitung, da das körperliche Erscheinungsbild und die geschlechtliche Identität nicht immer eindeutig übereinstimmen. Eine einfühlsame, spezialisierte und interdisziplinäre Betreuung ist für Betroffene und ihre Familien besonders wichtig.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Androgenresistenz-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum entwickeln genetisch männliche Menschen ein weibliches Erscheinungsbild?
Weil der Körper trotz vorhandener männlicher Hormone aufgrund des veränderten Rezeptors nicht darauf reagieren kann, wodurch sich die äußere Entwicklung in Richtung weiblich vollzieht.
Warum wird eine Entfernung der im Körper verbliebenen Hoden empfohlen?
Weil diese ein erhöhtes, wenn auch insgesamt geringes Risiko für eine bösartige Entartung im Erwachsenenalter bergen, weshalb eine operative Entfernung nach Abschluss der Pubertätsentwicklung häufig empfohlen wird.
Können Betroffene eigene Kinder bekommen?
Menschen mit vollständigem Androgenresistenz-Syndrom haben keine Gebärmutter und können daher keine eigene Schwangerschaft austragen.
Wie wird die Diagnose meist gestellt?
Häufig erst in der Pubertät, wenn bei äußerlich weiblichem Erscheinungsbild die erwartete Regelblutung ausbleibt, was eine weiterführende Untersuchung veranlasst.
Weiterlesen
Insektenstich mit allergischer Reaktion
Insektenstich: normale Reaktion oder Notfall? Anzeichen einer Allergie erkennen und richtig reagieren.
Weiterlesen →Allergie & StoffwechselAnaphylaktischer Schock
Anaphylaktischer Schock: die schwerste allergische Reaktion — Symptome erkennen und den Adrenalin-Autoinjektor richtig einsetzen.
Weiterlesen →Allergie & StoffwechselDiabetischer Notfall (Unter- und Überzuckerung)
Diabetischer Notfall: Unterzuckerung von Überzuckerung unterscheiden und richtig reagieren.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.