Ainhum
Das Ainhum ist eine seltene, schleichend über Jahre fortschreitende Erkrankung, bei der sich um einen Zeh, überwiegend den kleinen Zeh, ein zunehmend fester, bindegewebiger Ring bildet, der den Zeh allmählich einschnürt und dadurch dessen Blutversorgung fortschreitend beeinträchtigt. Die Erkrankung wurde ursprünglich vor allem bei Menschen in bestimmten Regionen Afrikas sowie bei Menschen afrikanischer Abstammung in anderen Teilen der Welt beschrieben, die überwiegend barfuß gingen, wobei die genaue Ursache dieser ungewöhnlichen Erkrankung bis heute nicht vollständig geklärt ist. Unbehandelt kann die fortschreitende Einschnürung im Verlauf mehrerer Jahre so ausgeprägt werden, dass es zu einer spontanen, allmählichen Abtrennung des betroffenen Zehs kommt, was diese Erkrankung von anderen, ähnlich erscheinenden Zehenveränderungen unterscheidet.
Ursachen
Die genaue Ursache des Ainhum ist trotz seiner langen Bekanntheit nicht abschließend geklärt, wobei eine mechanische, wiederholte Belastung des betroffenen Zehs beim Barfußgehen auf hartem, unebenem Untergrund als möglicher begünstigender Faktor diskutiert wird, ohne dass ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang bewiesen wäre. Eine genetische Veranlagung wird ebenfalls in Betracht gezogen, da die Erkrankung überwiegend bei Menschen bestimmter Bevölkerungsgruppen sowie innerhalb betroffener Familien gehäuft beobachtet wird. Eine besondere anatomische Beschaffenheit des Bindegewebes im Bereich der Zehenbeugefalte, die bei entsprechend veranlagten Menschen zu einer übermäßigen, fortschreitenden Bindegewebsbildung neigt, wird als zugrunde liegender Mechanismus vermutet, wobei die genauen molekularen sowie zellulären Vorgänge, die zu dieser fortschreitenden Einschnürung führen, weiterhin unzureichend verstanden sind.
Symptome
Das Ainhum beginnt schleichend mit einer zunehmenden, ringförmigen Furchenbildung an der Beugefalte überwiegend des kleinen Zehs, die sich im Laufe mehrerer Jahre allmählich zu einem zunehmend festen, tief einschneidenden bindegewebigen Ring entwickelt. Mit fortschreitender Einschnürung wird die Blutversorgung des distal, also jenseits des Rings gelegenen Zehenabschnitts zunehmend beeinträchtigt, was sich durch eine bläuliche Verfärbung, eine zunehmende Schwellung sowie Schmerzen des betroffenen Zehenabschnitts bemerkbar machen kann. Im weiteren, unbehandelten Verlauf über mehrere Jahre kann die fortschreitende Durchblutungsstörung schließlich zu einer spontanen, allmählichen Abtrennung des betroffenen Zehenabschnitts führen, ohne dass dieser Vorgang notwendigerweise mit starken, akuten Schmerzen verbunden sein muss.
Diagnostik
Die Diagnose des Ainhum wird in aller Regel bereits durch die klinische Untersuchung anhand des charakteristischen, ringförmigen, fortschreitend einschnürenden Bindegewebsbandes an der Zehenbeugefalte gestellt, insbesondere in Kombination mit dem typischen, über Jahre schleichenden Verlauf. Eine Röntgenaufnahme des betroffenen Zehs kann zur Beurteilung möglicher bereits eingetretener knöcherner Veränderungen sowie zur Einschätzung des Ausmaßes der Erkrankung beitragen. Eine sorgfältige Abgrenzung von anderen, seltenen Ursachen einer ähnlichen, ringförmigen Zeheneinschnürung, insbesondere von bestimmten angeborenen Fehlbildungen mit ähnlichem Erscheinungsbild, sogenannten Pseudoainhum-Zuständen, die im Rahmen anderer, seltener Grunderkrankungen auftreten können, ist für die weitere Behandlungsplanung von Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung des Ainhum richtet sich nach dem Ausmaß der bereits eingetretenen Einschnürung sowie der damit verbundenen Durchblutungsstörung des betroffenen Zehenabschnitts. In frühen Stadien mit noch geringer Einschnürung kann eine operative Durchtrennung des einengenden Bindegewebsrings sowie eine plastische Rekonstruktion der Zehenbeugefalte versucht werden, um die fortschreitende Einschnürung aufzuhalten und die betroffene Zehe zu erhalten. Bei bereits fortgeschrittener, ausgeprägter Durchblutungsstörung mit drohendem oder bereits eingetretenem Absterben des jenseits des Rings gelegenen Zehenabschnitts ist häufig eine operative Amputation des betroffenen, nicht mehr zu erhaltenden Zehenabschnitts notwendig, um weitere Komplikationen wie eine Infektion des abgestorbenen Gewebes zu verhindern.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Ainhum hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Diagnosestellung sowie der Behandlung ab, wobei ein frühzeitiges Erkennen sowie eine rechtzeitige operative Durchtrennung des einengenden Rings in frühen Stadien die betroffene Zehe in einem Teil der Fälle erfolgreich erhalten kann. Bleibt die Erkrankung unerkannt oder unbehandelt, schreitet die Einschnürung über Jahre kontinuierlich fort und führt schließlich zu einer spontanen oder operativ notwendigen Abtrennung des betroffenen Zehenabschnitts, was jedoch für die Betroffenen aufgrund der geringen praktischen Bedeutung eines einzelnen kleinen Zehs für die Gehfunktion nur eine begrenzte funktionelle Beeinträchtigung darstellt. Nach einer notwendigen operativen Entfernung des betroffenen Zehenabschnitts ist die Wundheilung in aller Regel unkompliziert, und eine wesentliche, dauerhafte Beeinträchtigung der Gehfähigkeit resultiert bei den meisten Betroffenen nicht.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Ainhum: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Welcher Zeh ist am häufigsten vom Ainhum betroffen?
Überwiegend der kleine Zeh.
Wie lange dauert die fortschreitende Einschnürung typischerweise?
Die Erkrankung schreitet schleichend über mehrere Jahre fort.
Kann der betroffene Zeh erhalten werden?
In frühen Stadien mit noch geringer Einschnürung kann eine operative Durchtrennung des einengenden Rings die betroffene Zehe mitunter erhalten.
Was passiert bei fortgeschrittener, unbehandelter Erkrankung?
Es kann zu einer spontanen oder operativ notwendigen Abtrennung des betroffenen, nicht mehr durchbluteten Zehenabschnitts kommen.
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