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Innere Medizin

Abszess des Mediastinums

Der Abszess des Mediastinums bezeichnet eine abgekapselte Eiteransammlung im Mittelfellraum, dem sogenannten Mediastinum, das sich zwischen den beiden Lungenflügeln befindet und wichtige Strukturen wie das Herz, die großen Blutgefäße, die Luftröhre und die Speiseröhre enthält. Er entwickelt sich meist als Folge einer sogenannten Mediastinitis, einer akuten Entzündung des Mittelfellraums, die häufig durch eine Verletzung oder einen Riss der Speiseröhre, etwa im Rahmen eines heftigen Erbrechens oder nach einer endoskopischen Untersuchung, ausgelöst wird. Da sich im Mediastinum lebenswichtige Organe in unmittelbarer Nachbarschaft befinden, kann sich eine Infektion in diesem Bereich rasch ausbreiten und zu einer lebensbedrohlichen Situation entwickeln, weshalb ein Mediastinalabszess stets als medizinischer Notfall betrachtet werden muss.

Ursachen

Die häufigste Ursache eines Mediastinalabszesses ist ein Riss der Speiseröhrenwand, der entweder spontan im Rahmen eines heftigen Erbrechens, sogenanntes Boerhaave-Syndrom, oder als Komplikation einer endoskopischen Untersuchung oder Behandlung der Speiseröhre entstehen kann, wobei hierbei Bakterien aus dem Speiseröheninhalt direkt in den Mittelfellraum gelangen. Auch eine fortgeleitete Infektion aus dem Hals- oder Rachenbereich, etwa im Rahmen eines ausgedehnten Halsabszesses, kann entlang der anatomischen Faszienräume in das Mediastinum absteigen. Nach herzchirurgischen Operationen, bei denen der Brustkorb eröffnet wird, stellt eine Wundinfektion mit Ausbreitung in den Mittelfellraum eine wichtige, wenngleich seltene Komplikation dar. Seltener entsteht ein Mediastinalabszess auch als Folge einer fortgeschrittenen Lungenentzündung oder einer Verletzung des Brustkorbs mit direkter Keimeinbringung.

Symptome

Ein Abszess des Mediastinums äußert sich durch starke, tief im Brustkorb lokalisierte Schmerzen, die sich bei Bewegung, Schlucken oder tiefer Atmung häufig deutlich verstärken, begleitet von hohem Fieber und einem stark reduzierten Allgemeinbefinden. Betroffene zeigen häufig eine ausgeprägte Atemnot sowie, bei Ausbreitung der Entzündung in den Halsbereich, eine sichtbare Schwellung und Rötung im Bereich des unteren Halses. Schluckbeschwerden können auftreten, wenn die zugrunde liegende Ursache eine Verletzung der Speiseröhre ist. Bei fortschreitender Erkrankung kann sich rasch ein lebensbedrohlicher Zustand mit Zeichen einer beginnenden Blutvergiftung entwickeln, gekennzeichnet durch niedrigen Blutdruck, raschen Herzschlag und zunehmende Bewusstseinstrübung.

Diagnostik

Die Diagnose eines Mediastinalabszesses wird durch eine Computertomographie des Brustkorbs mit Kontrastmittel gestellt, die die genaue Lage, Ausdehnung und Beziehung der Eiteransammlung zu den umliegenden lebenswichtigen Strukturen zuverlässig darstellt. Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Verletzung der Speiseröhre wird häufig ergänzend eine Kontrastmitteldarstellung der Speiseröhre oder eine vorsichtige Spiegelung durchgeführt, um das genaue Ausmaß und die Lage der Verletzung zu bestimmen. Laborchemisch zeigen sich deutlich erhöhte Entzündungswerte sowie häufig bereits Zeichen einer beginnenden Organbeeinträchtigung. Aufgrund der potenziell raschen Verschlechterung wird die Diagnostik bei entsprechendem klinischem Verdacht mit hoher Dringlichkeit durchgeführt.

Behandlung

Die Behandlung eines Mediastinalabszesses erfordert in aller Regel eine umgehende operative Entlastung der Eiteransammlung, kombiniert mit einer hochdosierten, breit wirksamen intravenösen antibiotischen Therapie, die sofort nach Diagnosestellung eingeleitet wird. Liegt eine Verletzung der Speiseröhre als zugrunde liegende Ursache vor, wird diese im Rahmen des operativen Eingriffs, sofern möglich, gleichzeitig verschlossen oder anderweitig versorgt, um eine fortgesetzte Keimeinschwemmung in den Mittelfellraum zu verhindern. Eine intensivmedizinische Betreuung mit engmaschiger Überwachung der Vitalfunktionen ist aufgrund des potenziell raschen und schweren Verlaufs meist zwingend erforderlich. Nach der akuten Behandlung schließt sich eine ausreichend lange fortgeführte antibiotische Therapie sowie eine engmaschige bildgebende Verlaufskontrolle an.

Verlauf und Prognose

Der Mediastinalabszess zählt trotz moderner Behandlungsmöglichkeiten weiterhin zu den schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen, wobei die Prognose entscheidend von der Geschwindigkeit der Diagnosestellung und dem Beginn der Behandlung abhängt. Bei rechtzeitiger operativer Entlastung und konsequenter antibiotischer Behandlung kann die Mehrzahl der Betroffenen erfolgreich behandelt werden, wobei der stationäre Aufenthalt aufgrund der Schwere der Erkrankung meist mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Eine verzögerte Behandlung erhöht das Risiko für eine Ausbreitung der Infektion auf das Herz oder die großen Blutgefäße sowie für eine lebensbedrohliche Blutvergiftung erheblich. Nach überstandener Erkrankung ist eine sorgfältige Nachsorge wichtig, um eine vollständige Ausheilung sicherzustellen und mögliche Folgeschäden frühzeitig zu erkennen.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist die häufigste Ursache eines Mediastinalabszesses?

Am häufigsten ein Riss der Speiseröhrenwand, entweder spontan im Rahmen heftigen Erbrechens oder als Komplikation einer endoskopischen Untersuchung.

Warum ist ein Mediastinalabszess besonders gefährlich?

Weil sich im Mittelfellraum lebenswichtige Organe wie das Herz und die großen Blutgefäße befinden, auf die sich die Infektion rasch ausbreiten kann.

Reicht eine antibiotische Behandlung allein aus?

In der Regel nicht, es ist meist eine umgehende operative Entlastung der Eiteransammlung notwendig, kombiniert mit einer intensiven antibiotischen Therapie.

Wie lange dauert die Behandlung eines Mediastinalabszesses?

Aufgrund der Schwere der Erkrankung nimmt der stationäre Aufenthalt meist mehrere Wochen in Anspruch.

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